Die Schwäche im Elektrogeschäft holt Mercedes ein. Während BMW bei vollelektrischen Fahrzeugen deutlich zulegt, kämpft der Stuttgarter Konzern mit rückläufigen Stückzahlen und einem Preiskampf in den USA – und an der Börse rutscht der Kurs Richtung Untergrenze seiner Handelsspanne. Wie stark drücken Elektrolücke und Rabattschlacht bereits jetzt auf die Perspektiven der Aktie?

Elektromobilität: Abstand zu BMW wächst

Im Zukunftsmarkt der batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) fällt der Vergleich mit BMW derzeit klar zu Ungunsten von Mercedes aus. Die aktuellen Verkaufszahlen für 2025 zeigen eine deutliche Schere:

  • BMW: 442.072 vollelektrische Fahrzeuge weltweit (+3,6 %)
  • Mercedes-Benz: 168.800 vollelektrische Fahrzeuge (-9 % zum Vorjahr)
  • Verhältnis BMW zu Mercedes: rund 2,5 : 1 bei den BEV-Verkäufen

Während BMW seine Auslieferungen leicht steigern konnte, verzeichnet Mercedes im gleichen Segment einen deutlichen Rückgang. Vor allem in Europa legen die Münchner weiter zu, während die EQ-Modelle von Mercedes offenbar an Attraktivität verlieren. Der Hersteller läuft damit Gefahr, ausgerechnet im strategisch wichtigen E-Segment an Boden zu verlieren.

Preiskrieg in den USA drückt auf die Marge

In den USA reagiert das Management mit teils scharfen Preisnachlässen auf die schwächere Nachfrage. Nach einer mehrmonatigen Produktionspause bestimmter EQ-Modelle kehren diese mit deutlichen Rabatten in den Markt zurück.

Berichten vom 16. Januar zufolge senkt Mercedes die Preise:

  • EQS SUV: Abschläge von bis zu 15.000 US-Dollar
  • EQE Limousine: rund 10.000 US-Dollar weniger, Einstieg nun bei etwa 66.300 US-Dollar

Diese Politik legt nahe, dass der Konzern kurzfristig Volumen und Marktanteile höher gewichtet als Margenstabilität. Für die operative Rendite 2025 birgt das Risiken: Höhere Rabatte und ein schwächeres Preisniveau in einem wichtigen Markt können die Profitabilität spürbar belasten.

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Charttechnik: Druck unter 60 Euro

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage in einem nachgebenden Kursbild wider. Am Freitag schloss die Aktie bei 58,82 Euro, ein Minus von 0,88 % zum Vortag. Auf Wochensicht entspricht das einem Rückgang von 2,57 %, seit Jahresbeginn liegt die Performance bei -5,02 %.

Der Titel hat sich damit deutlich vom 52‑Wochen-Hoch bei 70,10 Euro entfernt (Abstand rund -16 %), notiert aber weiterhin klar über dem Jahrestief von 47,05 Euro. Technisch fällt auf:

  • Der Kurs liegt knapp unter dem 50‑Tage-Durchschnitt (60,25 Euro)
  • Gleichzeitig notiert die Aktie über dem 200‑Tage-Durchschnitt (54,74 Euro)
  • Der RSI (14 Tage) von 36,3 signalisiert eine schwächere Momentum-Phase, aber (noch) keinen extrem überverkauften Zustand

Hinzu kommt der gemeldete „Bollinger-Band-Ausbruch“ nach unten am 16. Januar, der aus charttechnischer Sicht weiteren Abgabedruck andeutet. Solange die Marke von 60 Euro nicht nachhaltig zurückerobert wird, bleibt das kurzfristige Bild eher belastet.

Analysten bleiben konstruktiv, sehen aber Risiken

Trotz der operativen Herausforderungen halten wichtige Investmentbanken grundsätzlich an ihren Schätzungen fest, verweisen aber auf zunehmende Risiken im Kerngeschäft:

  • JPMorgan (16. Januar): bestätigt „Overweight“ mit Kursziel 70,00 Euro. Analyst Jose Asumendi warnt explizit vor einem Rückgang der Profitabilität im vierten Quartal 2025, insbesondere wegen schwächerer Absatzzahlen.
  • Bank of America: bleibt bei „Neutral“ und einem Kursziel von 63,00 Euro und signalisiert damit Zurückhaltung.
  • Deutsche Bank: sieht das Papier bei 79,00 Euro („Buy“) und leitet daraus ein theoretisches Kurspotenzial von über 30 % gegenüber dem aktuellen Niveau ab.

Die Spanne der Kursziele zeigt: Fundamental trauen einige Häuser der Aktie mittelfristig deutlich höhere Kurse zu, kurzfristig dominieren aber die Bedenken rund um Margen, Absatz und den Rückstand im BEV-Geschäft.

Nächster Termin: Pre-Close Call im Fokus

Bereits am Dienstag, 20. Januar 2026, folgt der nächste Belastungstest für das Sentiment. Auf dem „Pre-Close Call“ wird das Management die Finanzcommunity auf die anstehenden Jahreszahlen einstimmen und zentrale Eckdaten einordnen.

Angesichts:

  • der rückläufigen BEV-Verkäufe,
  • der kräftigen Preisnachlässe in Nordamerika und
  • der expliziten Profitabilitätswarnung von JPMorgan

dürften Fragen zur Margenentwicklung und zur E-Strategie im Mittelpunkt stehen. Gelingt es dem Management, eine überzeugende Perspektive für das EV-Geschäft und die Profitabilität 2025/26 zu skizzieren, könnte das den Druck auf den Kurs zumindest vorübergehend mindern. Bleiben die Antworten vage oder defensiv, wäre ein erneuter Test der jüngsten Tiefs unterhalb von 60 Euro ein realistisches Szenario.

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