Gerresheimer Aktie: Unerwartete Eintrübungen?
Gerresheimer steckt in der schwersten Krise seiner jüngeren Geschichte. Der Pharma-Verpackungsspezialist verschiebt die Vorlage des Jahresabschlusses 2025 und beauftragt eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Untersuchung von Bilanzierungspraktiken. Die Aktie brach am Mittwoch zeitweise um über 35 Prozent ein – tiefster Stand seit mehr als 16 Jahren.
Die wichtigsten Fakten:
- Verschiebung des Jahresabschlusses 2025 wegen laufender Bilanzuntersuchungen
- Verstöße gegen IFRS-Richtlinien bei Umsatzrealisierung und Vorratsbewertung
- Korrektur für 2024: Minus 35 Mio. Euro Umsatz, minus 24 Mio. Euro EBITDA
- EBITDA-Marge 2025 auf 16,5-17,5% gesenkt (zuvor: 18,5-19,0%)
- Wertminderungen von 220-240 Mio. Euro erwartet
Verstöße gegen Bilanzierungsregeln aufgedeckt
Die internen Untersuchungen haben ergeben, dass einzelne Mitarbeiter gegen Unternehmensrichtlinien und internationale Rechnungslegungsstandards verstoßen haben. Betroffen sind vor allem die Umsatzrealisierung sowie die Bilanzierung und Bewertung von Vorräten. Gerresheimer hat eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hinzugezogen, um die Geschäftsjahre 2024 und 2025 gründlich zu überprüfen.
Die Korrekturen schlagen bereits für 2024 deutlich zu Buche: Der Umsatz muss um rund 35 Millionen Euro nach unten angepasst werden, das bereinigte EBITDA um 24 Millionen Euro. Für 2025 erwartet das Unternehmen nun eine EBITDA-Marge von nur noch 16,5 bis 17,5 Prozent – ein massiver Rückgang gegenüber der bisherigen Prognose von 18,5 bis 19,0 Prozent.
Drastische Wertminderungen belasten
Hinzu kommen nicht zahlungswirksame Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro im Konzernabschluss 2025. Der Löwenanteil entfällt auf Technologie- und Entwicklungsprojekte der Sensile Medical AG sowie auf Vermögenswerte des Werks in Chicago. Das bereinigte Ergebnis je Aktie wird im hohen zweistelligen Prozentbereich sinken – möglicherweise sogar negativ werden.
Notverkauf und Transformationsprogramm
Um die angespannte Finanzlage zu entschärfen, hat Gerresheimer den Verkauf seiner US-Tochter Centor Inc. eingeleitet. Morgan Stanley koordiniert die Transaktion. Parallel läuft das Transformationsprogramm "gto", das Kosten senken und den Free Cash Flow verbessern soll. Das Werk in Chicago Heights wird bis Ende 2026 geschlossen, die Produktion nach Italien und Indien verlagert.
Wurzeln der Krise
Die Probleme reichen zurück bis September 2025, als die Finanzaufsicht BaFin eine Prüfung einleitete. Im Verdacht stand, dass Umsätze bei bestimmten Kundenverträgen zu früh verbucht wurden. Seitdem haben sowohl der frühere CEO als auch der CFO das Unternehmen verlassen.
Für 2026 rechnet Gerresheimer mit Umsätzen von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und einer EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Das erste Halbjahr dürfte schwach ausfallen, der Free Cash Flow soll moderat positiv werden. Ob das Vertrauen der Investoren damit zurückgewonnen werden kann, bleibt abzuwarten. Die Veröffentlichung des geprüften Jahresabschlusses wird zeigen, ob die Korrekturen ausreichen – oder weitere Belastungen drohen.
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