Gerresheimer muss Bilanzunregelmäßigkeiten korrigieren – und der Markt hat das Vertrauen prompt entzogen. Gestern rutschte die Aktie zeitweise um mehr als 30% ab und markierte den tiefsten Stand seit 2009. Gleichzeitig verschiebt das Unternehmen die Vorlage des Jahresabschlusses 2025 und reagiert mit einem harten Umbauprogramm.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:
- BaFin ermittelt wegen Bilanzunregelmäßigkeiten
- Jahresabschluss 2025 wird verschoben (ursprünglich für den 26. Februar geplant)
- Bilanz 2024: rund 35 Mio. Euro Umsatz und 24 Mio. Euro bereinigtes EBITDA zu hoch ausgewiesen
- Aktie fiel gestern zeitweise auf unter 20 Euro (Tief seit August 2009)

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BaFin-Ermittlungen und verschobener Abschluss

Das Unternehmen räumte ein, dass Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und internationale Rechnungslegungsvorschriften verstoßen haben. Laut Gerresheimer folgten bereits personelle Konsequenzen. Die BaFin hat Ermittlungen aufgenommen.

Zugleich verschiebt Gerresheimer den Jahresabschluss 2025. Zusätzlich wurde eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, die Bilanzierungspraktiken für die Geschäftsjahre 2024 und 2025 zu überprüfen. Damit bleibt vorerst offen, wie groß die Auswirkungen über die bereits genannten Korrekturen hinaus sind.

Korrekturen treffen zentrale Kennzahlen

Konkret geht es für 2024 um zu hoch ausgewiesene Größen: rund 35 Mio. Euro Umsatz sowie etwa 24 Mio. Euro bereinigtes EBITDA. Diese Anpassungen wirken nach Unternehmensangaben auch in die Bilanz 2025 hinein – ein wesentlicher Grund für die Verschiebung der Berichterstattung.

Kein Wunder also, dass Anleger nervös reagieren: Wenn Umsatz und Ergebnis nachträglich zurechtgerückt werden, geraten Prognosen, Bewertungen und die Glaubwürdigkeit der Zahlen unter Druck.

Umbauprogramm: Verkauf von Centor und Standortmaßnahmen

Parallel zur Aufarbeitung kündigte Gerresheimer Maßnahmen zur Stabilisierung an. Kernpunkt ist der geplante Verkauf der US-Tochter Centor, die zum Jahresende 2024 mit rund 292 Mio. Euro bewertet wurde. Morgan Stanley soll noch in diesem Jahr einen Käufer finden; laut Unternehmen gibt es bereits Interesse.

Dazu kommen operative Schritte:
- Schließung eines Produktionsstandorts in den USA
- Verlagerungen bzw. Optimierungen über Standorte in Italien und Indien

Prognose: 2025 schwächer, 2026 Erholung in Aussicht

Für das laufende Geschäftsjahr 2025 erwartet Gerresheimer nun einen Umsatzrückgang am oberen Ende der bisherigen Spanne von -2% bis -4%. Für 2026 stellt das Unternehmen trotz eines schwächeren ersten Halbjahres eine Erholung in Aussicht – mit 2,3 bis 2,4 Mrd. Euro Umsatz und einer bereinigten EBITDA-Marge von 18% bis 19% bei stabilem Marktumfeld im Pharma- und Kosmetikbereich.

Der nächste Gradmesser sind die Ergebnisse der zusätzlichen Prüfungen und der Fortschritt beim Centor-Verkauf – beides soll maßgeblich bestimmen, ob sich die Aktie nach dem Rutsch auf das 16-Jahres-Tief stabilisieren kann.

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