Die Gerresheimer-Aktie durchlebt die schwerste Krise der Unternehmensgeschichte. Bilanzierungsfehler, BaFin-Prüfung, Führungswechsel – und ein Kursabsturz auf 10-Jahres-Tief. Bis Ende März muss der testierte Jahresabschluss vorliegen. Entweder stabilisiert sich das Vertrauen, oder der Druck verschärft sich weiter.

BaFin weitet Prüfung aus

Die deutsche Finanzaufsicht untersucht seit September Verstöße gegen Bilanzierungsvorschriften. Im Fokus: Die Umsatzrealisierung bei sogenannten "Bill-and-Hold"-Verträgen. Konkret geht es um den Verdacht, dass Gerresheimer Umsätze für 2024 verbucht hat, obwohl die Kontrolle über die Ware noch nicht auf Kunden übergegangen war.

Gerresheimer hat reagiert. Neue Bill-and-Hold-Vereinbarungen werden nicht mehr umsatzwirksam erfasst. Die Praxis wird komplett eingestellt. Zusätzlich prüft die BaFin die Bilanzierung von Vorräten.

Investor steigt in der Krise ein

Mitten in diesem Chaos meldet CastleKnight Master Fund LP am 3. März eine Beteiligung von 4,08 Prozent. Die Schwellenberührung datiert auf den 11. Februar – also kurz vor dem Tief bei 15,51 Euro am 26. Februar.

Der Einstieg wirkt zunächst widersprüchlich. Während die BaFin ermittelt, positioniert sich ein spezialisierter Investor. Offenbar setzt CastleKnight auf eine Stabilisierung nach Vorlage sauberer Zahlen.

Gewinnwarnung und massive Wertminderungen

Für 2025 senkte Gerresheimer die Prognose deutlich. Der Umsatz dürfte am unteren Ende der Spanne von minus 4 bis minus 2 Prozent liegen. Die EBITDA-Marge wird nur noch bei 16,5 bis 17,5 Prozent erwartet – nach zuvor kommunizierten 18,5 bis 19,0 Prozent.

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Der bereinigte Gewinn je Aktie soll im hohen zweistelligen Prozentbereich sinken und könnte negativ werden. Hinzu kommen Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro, vor allem bei der Schweizer Tochter Sensile Medical und dem US-Standort Chicago.

Verkauf und Werksschließung geplant

Um die Bilanz zu entlasten, treibt das Management Portfoliobereinigungen voran. Die US-Tochter Centor soll noch 2026 verkauft werden. Morgan Stanley begleitet den Prozess. Centor gilt als attraktiver Vermögenswert mit überdurchschnittlicher Profitabilität – ein Verkauf würde die Margenstruktur des Konzerns allerdings spürbar verändern.

Auch das internationale Glasgeschäft Moulded Glass steht zur Disposition. Das Werk in Chicago Heights wird Ende 2026 geschlossen.

Neues Führungsteam im Krisenmodus

CEO Dietmar Siemssen und CFO Bernd Metzner verließen das Unternehmen. Wolf Lehmann übernahm die CFO-Rolle, Uwe Röhrhoff fungiert als Interims-CEO. Die neue Führung steht unter enormem Zeitdruck.

Bis zum 31. März muss der testierte Jahresabschluss vorliegen. Am 16. April folgt die Q1-Mitteilung, am 3. Juni die Hauptversammlung. Ohne saubere, nachvollziehbare Zahlen bleibt das Vertrauen beschädigt – und die Aktie unter Druck.

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