Der Pharmaverpackungsspezialist kämpft ums Überleben. Bilanzmanipulationen, BaFin-Ermittlungen und eine erdrückende Schuldenlast haben die Aktie binnen Jahresfrist um 80 Prozent abstürzen lassen. Nun steht die Frage im Raum: Kann sich das SDAX-Unternehmen aus der Abwärtsspirale befreien?

Bilanzskandal erschüttert das Unternehmen

Ende Februar musste Gerresheimer einräumen, dass einzelne Mitarbeiter systematisch gegen interne Richtlinien verstoßen haben. Die Verstöße betreffen die Umsatzrealisierung sowie die Bilanzierung von Vorräten. Das Unternehmen beauftragte eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Untersuchung der Geschäftsjahre 2024 und 2025.

Die Konsequenzen sind gravierend: Der ursprünglich für den 26. Februar geplante Jahresabschluss wurde verschoben. Die erwartete EBITDA-Marge brach von prognostizierten 18,5 bis 19,0 Prozent auf nur noch 16,5 bis 17,5 Prozent ein. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll um einen hohen zweistelligen Prozentsatz sinken – ein Verlust ist möglich.

Zusätzlich belastet das Unternehmen eine Wertminderung von 220 bis 240 Millionen Euro. Hauptursachen sind Probleme bei der Schweizer Tochter Sensile Medical und der US-Einheit Gerresheimer Moulded Glass Chicago.

BaFin weitet Ermittlungen aus

Die deutsche Finanzaufsicht hatte bereits im September 2025 Zweifel an der korrekten Umsatzverbuchung geäußert. Mittlerweile untersucht die BaFin nicht nur den Jahresabschluss zum 30. November 2024, sondern auch den Halbjahresfinanzbericht 2025.

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Die Behörde vermutet, dass Gerresheimer Umsätze bei bestimmten Kundenverträgen zu früh ausgewiesen hat. Das Unternehmen muss nun bis zum 31. März einen belastbaren Geschäftsbericht vorlegen, der die Vorwürfe adressiert.

Notverkäufe zur Schuldenreduzierung

Mit einer Verschuldungsquote von 1,54 und einem Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA von 4,69 steht Gerresheimer finanziell unter erheblichem Druck. Das Management plant deshalb den Verkauf der profitablen US-Tochter Centor sowie Teilen des internationalen Glasgeschäfts Moulded Glass.

Centor gilt als attraktiver Vermögenswert im Bereich pharmazeutischer Kunststoffverpackungen. Ein Verkauf würde allerdings die Margenstruktur des Konzerns nachhaltig verschlechtern, da das Geschäft überdurchschnittlich profitabel ist. Das Moulded-Glass-Geschäft will Gerresheimer frühestens 2027 veräußern.

Für 2026 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro.

Analysten verlieren das Vertrauen

Die UBS reagierte mit einer drastischen Herabstufung auf „Sell" und senkte das Kursziel von 29,00 auf 12,90 Euro. Analyst Olivier Calvet begründet dies mit höherer Unsicherheit, geringerer Wachstumsdynamik und der angespannten Bilanz. Die Bank orientiert ihre Schätzungen am unteren Ende der Unternehmensprognose und erhöhte den Diskontierungssatz im Bewertungsmodell.

Leichte Erholung nach historischem Tief

Am 26. Februar sackte die Aktie auf 15,57 Euro ab – den tiefsten Stand seit zehn Jahren. Seither konnte sich das Papier leicht auf 16,02 Euro erholen. Gemessen am 52-Wochen-Hoch von 82,00 Euro im März 2025 liegt der Titel jedoch 80 Prozent im Minus.

Das nächste Quarterly Statement folgt am 16. April. Bis dahin dürfte die Veröffentlichung des ausstehenden Geschäftsberichts sowie der Fortgang der BaFin-Untersuchung über die weitere Kursentwicklung entscheiden.

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