Gerresheimer muss gleich mehrere Baustellen gleichzeitig managen: verschobene Abschlüsse, zusätzliche Prüfungen zur Bilanzierung und eine bereits laufende BaFin-Prüfung. Dazu kommt eine spürbar gesenkte Ergebnisprognose. Kann das Unternehmen das Vertrauen schnell genug zurückgewinnen, damit sich der Kurs stabilisiert?

BaFin-Prüfung und interne Korrekturen

Der zentrale Auslöser für die jüngste Verunsicherung: Gerresheimer hat die Veröffentlichung der Jahres- und Konzernabschlüsse 2025 verschoben. Hintergrund sind weitere Untersuchungen zu Umsatzrealisierung und Bilanzierung für die Geschäftsjahre 2024 und 2025. Dafür wurde – in Abstimmung mit dem Abschlussprüfer – eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?

Nach aktuellem Stand sollen einzelne Mitarbeiter interne Richtlinien und Bilanzierungsvorschriften verletzt haben. Korrekturen betreffen vor allem die Umsatzerfassung sowie die Bilanzierung und Bewertung von Vorräten.

Das Thema ist zudem nicht neu: Die BaFin hatte bereits im September entschieden, die Jahresabschlüsse zum 30. November 2024 zu prüfen. Grund waren Bedenken, dass Umsätze bei bestimmten Kundenverträgen zu früh verbucht worden sein könnten.

Prognose gesenkt, Verkäufe geplant

Parallel zu den Bilanzthemen hat das Unternehmen die Erwartungen an die Profitabilität reduziert. Statt einer bereinigten EBITDA-Marge von 18,5 bis 19,0% stellt Gerresheimer nun 16,5 bis 17,5% in Aussicht. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie erwartet der Konzern einen Rückgang „um einen hohen zweistelligen Prozentsatz“; ein Verlust ist demnach ebenfalls möglich.

Zusätzlich plant Gerresheimer Wertminderungen von 220 bis 240 Mio. Euro für 2025 – ohne Zahlungsmittelabfluss. Als Hauptursachen nennt das Unternehmen Entwicklungen bei Sensile Medical (Schweiz) sowie bei Gerresheimer Moulded Glass Chicago (USA).

Um Schulden zu reduzieren, stehen strategische Desinvestitionen im Raum. Zur Disposition gestellt wurden die US-Tochter Centor sowie das internationale Glasgeschäft Moulded Glass. Centor gilt laut Darstellung als attraktiver Vermögenswert mit stabiler Marktposition – ein Verkauf würde allerdings die Margenstruktur verändern, weil dieses Geschäft bislang überdurchschnittlich profitabel ist.

Marktreaktion und nächste Termine

Die Aktie bleibt klar angeschlagen: Heute notiert sie bei 16,08 Euro (-1,05%) und damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 15,57 Euro (vom 26. Februar). Auf 12-Monats-Sicht steht ein Minus von 79,93% zu Buche.

Auch von Analystenseite kommt Druck: UBS senkte das Kursziel deutlich von 29,00 auf 12,90 Euro und stufte von „Neutral“ auf „Sell“ ab. Als mögliche positive Impulse nannte die Bank eine fristgerechte Veröffentlichung des Geschäftsberichts bis zum 31. März sowie einen erfolgreichen Verkauf von Centor oder Teilen des Glasgeschäfts.

Konkret terminiert sind die nächsten Fixpunkte bereits: Am 16. April 2026 folgt das Q1-Statement, am 3. Juni 2026 die Hauptversammlung und am 14. Juli 2026 der Halbjahresbericht. Entscheidend für eine nachhaltigere Stabilisierung bleibt kurzfristig vor allem, ob der Geschäftsbericht wie angekündigt bis Ende März kommt – und ob damit die Bilanzthemen klarer eingeordnet werden können.

Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 04. März liefert die Antwort:

Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 04. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...