Die Bilanzkrise von Gerresheimer eskaliert. Die Finanzaufsicht BaFin weitet ihre Prüfung des Konzernabschlusses 2024 aus und nimmt nun auch den Halbjahresbericht 2025 ins Visier. Die Liste der Beanstandungen ist lang – und konkret.

Drei Problemfelder im Visier der Aufseher

Die BaFin nennt in ihrer Mitteilung vom 25. Februar drei zentrale Prüfpunkte beim Konzernabschluss 2024. Bei den Leasingverbindlichkeiten mit einem Buchwert von 65,5 Millionen Euro vermutet die Behörde fehlerhafte Ansätze. Auch die Angaben zu den Nutzungsdauern aktivierter Entwicklungskosten (29,4 Millionen Euro Buchwert) stehen auf dem Prüfstand.

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Besonders brisant: Die Vermögenswerte des Segments Advanced Technologies im Wert von 196,5 Millionen Euro könnten bereits 2024 wertgemindert gewesen sein – ohne dass Gerresheimer entsprechende Abschreibungen vornahm. Betroffen ist die Schweizer Tochter Sensile Medical. Bereits am 10. Februar hatte das Unternehmen für 2025 nicht zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro angekündigt, maßgeblich bei Sensile Medical und dem US-Werk Gerresheimer Moulded Glass Chicago.

Halbjahresbericht unter Verdacht

Auch beim Halbjahresbericht 2025 sieht die Aufsicht Klärungsbedarf. Die Einstufung von Akquisitions-, Desinvestitions- und Liquiditätsrisiken als "niedrig" hält die BaFin angesichts der Umstände für nicht angemessen. Zudem prüft die Behörde, ob Umsätze aus Bill-and-Hold-Vereinbarungen im ersten Halbjahr korrekt erfasst wurden oder erst später hätten verbucht werden müssen.

Genau diese Bill-and-Hold-Praxis war bereits der Ausgangspunkt der Krise. Im September 2025 hatte die BaFin erstmals eine Prüfung eingeleitet. Bei diesen Vereinbarungen fakturiert der Hersteller Ware, die der Kunde erst später physisch abnimmt – eine Praxis, die Gerresheimer inzwischen einstellen will.

Vom Regen in die Traufe

Die Chronologie der Ereignisse liest sich wie eine Verkettung schlechter Nachrichten. Nach der ersten BaFin-Prüfung im September 2025 folgte im Oktober der Abgang von CEO Dietmar Siemssen nach mehreren Gewinnwarnungen. Im Dezember kündigte das Unternehmen die umfassende Korrektur der Bill-and-Hold-Umsätze an.

Der vorläufige Höhepunkt kam am 10. Februar: Verschiebung des Jahresabschlusses, Beauftragung einer zweiten Prüfungsgesellschaft, Einleitung des Verkaufs der US-Tochter Centor über Morgan Stanley. Die Aktie brach damals um bis zu 35 Prozent ein. Gestern folgte der nächste Schlag mit einem Minus von rund 14 Prozent.

Notverkauf und Schrumpfkur

Parallel zur Bilanzaufarbeitung versucht Gerresheimer, operative Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen. Der Verkauf von Centor, dem US-Spezialisten für Verpackungssysteme verschreibungspflichtiger Medikamente, soll noch 2026 abgeschlossen werden. Die geplante Trennung vom Moulded-Glass-Geschäft wird zwar weiterverfolgt, ein Verkaufsprozess aber erst nach 2026 eingeleitet.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 kalkuliert das Management mit Umsätzen von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und einer bereinigten EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Der Free Cashflow soll moderat positiv ausfallen – bei einem erwarteten schwächeren ersten Halbjahr.

Ein neuer Veröffentlichungstermin für den Jahresabschluss 2025 steht weiterhin aus. Das nächste planmäßige Lebenszeichen gibt es am 16. April mit dem Quartals-Statement Q1 2026 – sofern die Zusammenarbeit mit der BaFin bis dahin Klarheit gebracht hat.

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