In der aktuellen Episode von "Börsepeople im Podcast S23/10" zeichnet Host Christian Drastil gemeinsam mit Laura Phillipeck-Casanova einen bemerkenswerten Karriereweg nach, der juristische Expertise mit Kommunikationstalent und Startup-Leidenschaft verbindet. Die Head of Legal and Operations bei der Hans Women Group gibt Einblicke in ihre berufliche Entwicklung und die Arbeitsweise des Investmentvehikels rund um Business Angel Hansi Hansmann.

Der juristische Grundstein: Vom Botendienst zur Rechtsexpertise

Laura Phillipeck-Casanovas Karriere begann klassisch in der Rechtswelt. Als studentische Mitarbeiterin bei PHH Prochaska-Havranek Rechtsanwälte sammelte sie erste Erfahrungen – inklusive der typischen Botengänge, die sie als willkommene Gelegenheit für Spaziergänge an der frischen Luft beschreibt. Die Kanzlei prägte sie durch ein engagiertes Umfeld mit vielen jungen Kolleginnen und Kollegen sowie lehrreichen Kanzleiausflügen.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Das Gerichtspraktikum am Oberlandesgericht Sprengel Wien brachte eine wichtige Selbsterkenntnis. Die Zuteilung zu Pflegschaftssachen und Außerstreitverfahren konfrontierte sie mit der harten Realität strittiger Scheidungsfälle. Diese Erfahrung zeigte ihr, dass sie nicht in einem Bereich arbeiten möchte, in dem Konflikte bereits so weit eskaliert sind. „Da bin ich, glaube ich, in Summe ein zu positiv gestimmter Mensch und habe einfach ein konstruktives Arbeitsumfeld sehr viel lieber", erklärt sie ihre Schlussfolgerung.

Demokratie vermitteln: Die prägende Zeit im Parlament

Eine besonders prägende Station war ihre Tätigkeit als Parlamentsführerin. Nach dem Besuch einer Führung erkannte sie, dass sie das erforderliche Wissen aus dem Verfassungsrechtsstudium bereits mitbrachte. Sie absolvierte eine strenge Zertifizierung und führte fortan Besuchergruppen durch das Parlamentsgebäude – auf Deutsch, Englisch und Französisch, oft in paralleler Kombination.

Die Arbeit mit Schulklassen lag ihr besonders am Herzen. Eine Anekdote verdeutlicht ihren Ansatz: Ein 15- bis 16-Jähriger beklagte sich, dass Wählen mühsam sei, weil man dafür am Sonntag aufstehen müsse. Phillipeck-Casanova fragte in die Runde, wie oft gewählt werde – alle fünf Jahre. Am Ende der Führung kam der Jugendliche auf sie zu und sagte: „Du, Laura, ich glaube, ich habe mir das jetzt überlegt, ich werde wählen gehen das nächste Mal." Für sie ein absolutes Erfolgserlebnis.

Internationale Erfahrungen und politische Kommunikation

Ein Studienjahr an der Sciences Po in Paris – der Kaderschmiede französischer Präsidenten, die auch Emmanuel Macron besuchte – erweiterte ihren Horizont. Die Erkenntnis, dass Recht letztlich aus politischen Entscheidungen entsteht, prägte ihr Verständnis nachhaltig. Ein anschließendes Praktikum bei der österreichischen Botschaft in Brüssel vertiefte diese internationale Perspektive.

Im Bundesministerium für Justiz unter Ministerin Alma Zadić kombinierte sie schließlich Kommunikation und Jus. In der Stabstelle Kommunikation entwickelte sie unter anderem das Projekt „Recht einfach erklärt", das komplexe juristische Themen wie die Arbeitsweise von Staatsanwaltschaften oder die Dauer von Verfahren verständlich aufbereitete. Die Arbeit während der Corona-Pandemie brachte besondere Herausforderungen: „Ich war immer allein in diesem Gebäude, gefühlt", erinnert sie sich an die Zeit, als die meisten Mitarbeiter im Homeoffice arbeiteten.

Der Sprung in die Startup-Welt

Der Wechsel zur Denkstatt Österreich markierte den Einstieg in die Nachhaltigkeitsberatung. Als Legal Consultant führte sie mit 27 Jahren bereits Legal Compliance Audits durch und beriet Geschäftsführungen. Die Erfahrung, dabei oft die einzige Frau im Raum zu sein, motivierte ihren nächsten Schritt: Beim Wiener Arbeitnehmerinnenförderungsfonds koordinierte sie eine Ausbildungsinitiative für Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik.

Der entscheidende Karrieresprung kam über ein zufälliges Treffen. Bei einer Alumni Night ihrer FH wurde Cosima Kowa, Gründerin und CEO von Viora, als Alumna des Jahres geehrt. Phillipeck-Casanova sprach sie an – zwei Monate später erhielt sie eine WhatsApp-Nachricht mit einem Jobangebot. „Innerhalb von einer Woche entschieden. Wir hatten am Donnerstag den Call, den ersten. Donnerstag in der Nacht mit dem Co-Founder dann noch. Und am Freitag in der Früh habe ich dann gekündigt."

Fresh, Global, Disruptive: Die Hans Women Group

Bei Viora lernte sie schließlich Hansi Hansmann kennen – beim Startup World Cup 2024 in Wien. Da das Founderteam verhindert war, übernahm sie spontan den Pitch. Nach ihrem Auftritt kam es zum ersten Gespräch mit dem Lead Investor. Ein Jahr später suchte die Hans Women Group Verstärkung im Bereich Legal, und über ein Intro von Cosima Kowa entstand der Kontakt zu Managing Partnerin Elisa Pallweber.

Das vierköpfige Management-Team – Hansi Hansmann, Elisa Pallweber, André Podlesny und Laura Phillipeck-Casanova – verkörpert den Claim „Fresh, Global, Disruptive". Fresh steht für innovative Ansätze und neue Denkweisen, Global für die internationale Ausrichtung, und Disruptive beschreibt die Geschäftsmodelle im Portfolio, die Märkte neu definieren – von Runtastic über MyClubs bis zu Legal Tech Startups.

Ein wichtiger Aspekt der aktuellen Entwicklung: Die Hans Women Group ist wieder aktiv auf Investmentsuche. „Der Hansi hat jetzt die Hans Women Power, um tatsächlich einfach nochmal mehr Investments zu stemmen", erklärt Phillipeck-Casanova. Das vergrößerte Team ermöglicht es, das Qualitätsprinzip beizubehalten – langfristige Partnerschaften mit Mentoring und Coaching statt reiner Kapitalgabe.

Persönliche Stärken und sportliche Ziele

Ein Clifton Strength Test bestätigte, was im Gespräch offensichtlich wird: Kontaktfreudigkeit ist ihre Nummer-eins-Stärke. „Ich liebe das Netzwerken", betont sie. Die Arbeit mit Menschen, die genial in ihren Ideen sind und mutig Veränderungen anstoßen, macht für sie den Reiz ihrer Position aus.

Neben der beruflichen Herausforderung verfolgt sie sportliche Ziele: Am 19. April 2025 läuft sie den Vienna City Halbmarathon – mit ambitionierterer Zeitvorgabe als im Vorjahr. Die Long Runs nutzt sie zum Podcast-Hören und Ideen-Sammeln, die Intervalltrainings für die nötige Schnelligkeit.

Die Karriere von Laura Phillipeck-Casanova zeigt, wie juristische Expertise, Kommunikationstalent und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich zu vermitteln, in der Startup-Investmentwelt zusammenfinden können. Ihr Weg vom Parlamentsführer zur Head of Legal and Operations bei einem der bekanntesten Business Angels Österreichs verbindet scheinbar unterschiedliche Welten zu einem stimmigen Profil.