Evonik Aktie: Tarifkompromiss bremst Sparpläne
Der frisch besiegelte Tarifkompromiss der Chemiebranche stellt Evonik vor eine strukturelle Herausforderung. Während das Management mit dem laufenden Effizienzprogramm weltweit Tausende Stellen streichen will, zwingt der neue Branchenabschluss zu Lohnerhöhungen und Investitionen in die Beschäftigungssicherung. Diese gegenläufigen Entwicklungen erfordern eine Neukalkulation der anvisierten Einsparziele.
Gegenläufige Entwicklungen beim Personal
Kern des Konflikts ist das Transformationsprogramm „Evonik Tailor Made“, mit dem der Spezialchemiekonzern jährliche Einsparungen von rund 400 Millionen Euro anvisiert. Etwa 80 Prozent dieser Summe sollen durch den weltweiten Abbau von bis zu 2.000 Stellen realisiert werden, wovon ein Großteil auf Deutschland entfällt.
Dem gegenüber steht nun die Tarifeinigung zwischen der Gewerkschaft IGBCE und dem Arbeitgeberverband BAVC. Neben zweistufigen Entgeltsteigerungen für die Jahre 2027 und 2028 sieht das Paket einen neuen Beschäftigungssicherungsbeitrag vor. Unternehmen müssen für 2026 und 2027 jeweils 300 Euro pro Mitarbeiter in einen Demografiefonds einzahlen, der explizit Projekte zur Standortsicherung finanzieren soll. Laut IGBCE erschwert diese neue tarifliche Klausel künftige Argumentationen für einen rein kostengetriebenen Stellenabbau erheblich.
Margendruck trotz solider Basis
Finanziell bewegt sich der Konzern derzeit im Rahmen der eigenen Erwartungen. Das bereinigte EBITDA für 2025 erreichte mit 1,87 Milliarden Euro nahezu die anvisierte Marke, während für 2026 ein operativer Gewinn zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro prognostiziert wird. Ein kritischer Faktor bleibt allerdings die Kapitalverzinsung: Der Return on Capital Employed (ROCE) sank zuletzt auf 6,1 Prozent und entfernt sich damit weiter vom mittelfristigen Zielwert von elf Prozent.
Am Aktienmarkt rücken diese operativen Hürden am heutigen Mittwoch in den Hintergrund. Anleger honorieren die grundsätzliche strategische Ausrichtung, was den Kurs um 3,24 Prozent auf 15,29 Euro steigen lässt. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier damit ein solides Plus von knapp 15 Prozent.
Dividendenanpassung und Asien-Fokus
Abseits der Kostendebatte treibt der Vorstand die strategische Neuausrichtung voran. Ein zentraler Baustein ist die Anpassung der Ausschüttungspolitik: Ab dem laufenden Geschäftsjahr 2026 sollen 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses als Dividende fließen, für das abgelaufene Jahr 2025 ist eine Übergangszahlung von 1,00 Euro je Aktie geplant. Gleichzeitig investiert Evonik in zukünftiges Wachstum und bereitet die diesjährige Eröffnung eines neuen Innovationszentrums für Kosmetik in Shanghai vor, um Marktanteile im asiatischen Raum zu gewinnen.
Konkrete Kennzahlen zur finanziellen Belastung durch den neuen Tarifabschluss wird das Management am 7. Mai 2026 bei der Vorlage der Quartalszahlen präsentieren. Bis zur Hauptversammlung am 3. Juni 2026 steht zudem die offene Personalie des seit September vakanten Finanzvorstands zur Klärung an, der die künftige Balance zwischen Sparvorgaben und Investitionen maßgeblich steuern muss.
Evonik-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Evonik-Analyse vom 25. März liefert die Antwort:
Die neusten Evonik-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Evonik-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 25. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Evonik: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








