Für Covestro nimmt der Rückzug vom Kapitalmarkt klarere Formen an. Nach dem Einstieg des neuen Mehrheitseigentümers XRG P.J.S.C. (ehemals ADNOC) leitet der Werkstoffkonzern nun den nächsten formalen Schritt ein – mit direkten Folgen für die verbleibenden Minderheitsaktionäre.

Von Prime Standard in den General Standard

Der Vorstand hat am 22. Januar 2026 beschlossen, den Widerruf der Zulassung der Aktien zum Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse zu beantragen. Künftig soll die Notierung im weniger regulierten General Standard erfolgen.

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Hintergrund:
Der Prime Standard verlangt in Deutschland die höchsten Transparenz- und Publizitätspflichten, etwa bei Berichterstattung, Ad-hoc-Mitteilungen oder englischsprachigen Finanzberichten. Im General Standard sind diese Anforderungen spürbar reduziert. Für Covestro bedeutet der Wechsel geringere Folgepflichten – ein typischer Schritt, wenn der Streubesitz und damit die Bedeutung des Kapitalmarkts für ein Unternehmen sinken.

Am Markt zeigt sich der Titel dabei stabil bis leicht schwächer: Der Schlusskurs von gestern lag bei 60,86 Euro, rund 8 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 66 Euro. Gleichzeitig notiert die Aktie mit gut 11 % Abstand über dem Zwölfmonatstief. Der RSI von 30,3 signalisiert dabei einen Bereich, in dem die Aktie technisch bereits als leicht überverkauft gilt.

Mehrheitsübernahme und Squeeze-out

Der Segmentwechsel steht in engem Zusammenhang mit der veränderten Aktionärsstruktur:

  • Neuer Mehrheitseigentümer ist XRG P.J.S.C. (vormals ADNOC)
  • XRG hält über 90 % der Anteile an Covestro
  • Anfang Januar 2026 wurde das Squeeze-out-Verfahren eingeleitet
  • Ziel ist der Ausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre gegen Abfindung

Sobald ein Investor über 90 % der Stimmrechte hält, sind diese Schritte nach einer Übernahme üblich. XRG treibt damit die vollständige Integration von Covestro in den eigenen Konzernverbund voran.

Für die restlichen Anteilseigner bedeutet der eingeleitete Squeeze-out eine Zwangsabfindung: Ihre Aktien werden gegen eine festgelegte Barentschädigung übertragen. Der Segmentwechsel reduziert parallel den Regulierungsrahmen für das Unternehmen in der Übergangsphase.

Auf dem Weg zum Delisting

Der aktuelle Kursverlauf – auf Jahressicht liegt die Aktie rund 6 % im Plus, seit Jahresanfang aber etwa 8 % im Minus – spielt vor diesem Hintergrund nur noch eine begrenzte Rolle für die langfristige Perspektive des Börsenmantels. Entscheidend ist vielmehr der formale Prozess der Eigentumsübertragung und der regulatorischen Anpassungen.

Mit Squeeze-out und Wechsel in den General Standard stellt Covestro die Weichen für ein mögliches vollständiges Delisting. Dieses wäre nach dem vollständigen Ausschluss der Minderheitsaktionäre rechtlich möglich und wäre der logische Endpunkt der laufenden Strukturmaßnahmen.

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