CATL will seine Versorgung mit Batteriematerialien langfristig absichern – doch kaum ist ein Rekordvertrag unterschrieben, schaltet sich die Börsenaufsicht ein. Ein Milliarden-Deal, ein eingefrorener Handel beim Partner und ein weiterer Beteiligungsschritt in der Lieferkette zeigen, wie eng Expansion und Regulierung inzwischen verzahnt sind. Für Anleger stellt sich die Frage, wie belastbar diese Wachstumsstrategie wirklich ist.

Gigantischer LFP-Vertrag löst Nachfrage der Börse aus

Am späten Dienstag hat CATL einen langfristigen Liefervertrag mit Ningbo Ronbay New Energy Technology bestätigt. Ronbay soll von Anfang 2026 bis Ende 2031 rund 3,05 Millionen Tonnen Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Kathodenmaterial liefern. Das Volumen des Vertrags liegt bei mehr als 120 Milliarden Renminbi, umgerechnet etwa 17,2 Milliarden US-Dollar – einer der größten Material-Lieferdeals, den die Batteriebranche bisher gesehen hat.

Die Nachricht sorgte nur kurz für Aufsehen, bevor die Shanghai Stock Exchange eingriff. Schon in der Nacht auf Mittwoch verschickte die Börse ein Anfrage-Schreiben an Ronbay. Die Aufseher wollen wissen, ob das Unternehmen ein derart großes Auftragsvolumen operativ überhaupt stemmen kann. Gefordert werden detaillierte Angaben zu:

  • aktueller und geplanter Produktionskapazität
  • der Fähigkeit, den Vertrag über die gesamte Laufzeit zu erfüllen
  • Risiken durch schwankende Rohstoffpreise und unsichere Beschaffung

Bis zur Klärung ist der Handel in den Ronbay-Aktien ausgesetzt. Für CATL sitzt das unmittelbare Risiko zwar beim Lieferanten, doch jede spätere Abschwächung oder Verzögerung des Vertrags könnte die langfristige Produktionsplanung durcheinanderbringen.

Parallel dazu wurde CATL als strategischer Investor bei Fulin Precision Machining präsentiert. Fulin plant eine Kapitalerhöhung im Volumen von 3,18 Milliarden Renminbi über eine Privatplatzierung. CATL soll dabei mehr als 5 % der Anteile übernehmen und sich damit einen weiteren Baustein in der eigenen Lieferkette sichern.

Strategische Absicherung der Lieferkette

Die Kombination der beiden Ankündigungen unterstreicht, wie konsequent CATL seine Versorgung mit Schlüsselmaterialien absichern will. LFP-Kathodenmaterial ist zentral für Batterien in Elektroautos und stationären Speichersystemen. Ein mehrjähriger Großvertrag verschafft Planungssicherheit bei Volumina und mindert das Risiko, bei steigender globaler Nachfrage in Engpässe zu laufen.

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Strategisch ist der LFP-Deal damit ein klar defensiver Schritt: CATL versucht, sich gegen künftige Preisschwankungen und Lieferunsicherheit abzusichern. Gleichzeitig stärkt die Beteiligung an Fulin Precision die Kontrolle über vorgelagerte Komponenten, was die Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern verringern kann.

Auf der anderen Seite zeigt die schnelle Reaktion der Börse, dass die Zeiten großzügig durchgewunkener Megadeals in China vorbei sind. Große Liefer- und Finanzierungsvorhaben werden deutlich genauer geprüft, insbesondere wenn sie kursrelevant sind und theoretisch zur Kursfantasie beitragen könnten, ohne ausreichend Fundament im operativen Geschäft zu haben.

Regulatorischer Gegenwind und Marktreaktion

Die Anfrage der Shanghai Stock Exchange an Ronbay steht exemplarisch für eine verschärfte Aufsicht in Chinas Kapitalmarkt. Behörden achten verstärkt darauf, dass umfangreiche Verträge und Kapitalmaßnahmen realistisch erfüllbar sind. Der Fokus auf Produktionskapazitäten und Rohstoffrisiken macht klar: Hinter große Schlagzeilen soll künftig ein belastbares Geschäftsmodell treten.

Für CATL bedeutet das zusätzlichen Klärungsbedarf in der Lieferkette. Solange unklar ist, ob Ronbay das volle Vertragsvolumen leisten kann oder Bedingungen angepasst werden müssen, bleibt ein Fragezeichen hinter einem zentralen Baustein der LFP-Strategie. Operativ betrifft das vor allem die mittelfristige Produktionsplanung und Kapazitätsauslastung, nicht das Tagesgeschäft.

Am Markt selbst schlägt sich der Nachrichtenmix bislang eher in einer verhaltenen Stimmung nieder. Die Aktie liegt mit rund 7 % Minus auf 30-Tage-Sicht unter Druck und notiert mit 358,22 CNY aktuell exakt auf dem 52‑Wochen-Tief, gut 9 % unter dem Höchststand vom Dezember. Von Panik kann keine Rede sein, aber die Fantasie um den Großvertrag wird vorerst von regulatorischer Unsicherheit gedämpft.

Kooperationen auf Top-Ebene und Ausblick

Trotz dieser Bremswirkung bleibt das grundsätzliche Interesse großer Autohersteller an CATL unverändert hoch. Zwischen dem 4. und 13. Januar traf sich der Executive Chair der Hyundai Motor Group, Euisun Chung, mit CATL-Gründer und -Chairman Robin Zeng, um über eine vertiefte Zusammenarbeit bei E-Auto-Batterien zu sprechen. Solche Gespräche auf Top-Ebene unterstreichen, dass internationale OEMs weiter stark auf die Technologie und Produktionskapazitäten der Chinesen setzen.

Kurzfristig hängt viel von der Antwort Ronbays auf die Börsenanfrage ab. Fällt die Stellungnahme überzeugend aus und bestätigt die Umsetzbarkeit des Vertrags, kann CATL seine LFP-Strategie im bisherigen Rahmen fortführen. Sollte die Börse dagegen Nachbesserungen einfordern oder Zweifel an den Kapazitätsplänen bestehen bleiben, müsste CATL die langfristige Materialplanung anpassen und eventuell weitere Lieferanten stärker einbinden. In jedem Fall wird der Ronbay-Beschluss zum Gradmesser, wie strikt China künftig mit großvolumigen Industrie- und Kapitalmarktprojekten umgeht.

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