Bayer Aktie: Pharma-Wende?
Bayer meldet sich mit einer klaren Wachstumsstory im Pharmageschäft zurück. Rückenwind kommt gleich von zwei Seiten: einer optimistischen Langfristprognose für das Krebsmittel Nubeqa und einem ambitionierten Strategie-Update auf der J.P. Morgan Healthcare Conference. Reicht das, um die Aktie nach der starken Erholung auf Dauer zu stützen?
Nubeqa rückt ins Zentrum
Auslöser der jüngsten Kursbewegung war eine Insiderinformation von Orion, dem finnischen Partner bei Nubeqa. Das Prostatakrebs-Medikament ist das mit Abstand wichtigste Produkt der Finnen und wurde gemeinsam mit Bayer entwickelt.
Orion geht nun davon aus, dass die jährlichen Nubeqa-Nettoumsätze, die dem Unternehmen zufließen – also Tablettenverkäufe an Bayer plus Lizenzgebühren – langfristig die Schwelle von 1 Milliarde Euro überschreiten könnten. Diese Einschätzung basiert auf einer gemeinsamen Szenarioplanung mit Bayer.
Wichtige Eckpunkte zu Nubeqa:
- Blockbuster-Potenzial im globalen Prostatakrebs-Markt
- Bereits mehrere Zulassungen in den USA (u.a. für nicht-metastasierten kastrationsresistenten und metastasierten kastrationsempfindlichen Prostatakrebs)
- Über 200.000 weltweit behandelte Patienten
- Eine weitere Zulassung in China wird 2026 erwartet
Die Perspektive eines Milliardengeschäfts bei Nubeqa stärkt die Wahrnehmung, dass Bayer im Pharmasegment über echte Wachstumstreiber verfügt – ein wichtiger Punkt vor dem Hintergrund auslaufender Patente.
J.P. Morgan-Konferenz: Bayer zeigt klaren Fahrplan
Auf der 44. J.P. Morgan Healthcare Conference in San Francisco skizzierte Pharma-Vorstand Stefan Oelrich die Prioritäten der Division für die nächsten Jahre. Die Botschaft: Der Bereich soll zurück auf einen nachhaltigen Wachstumspfad.
Kernziele im Überblick:
- Rückkehr zu mittlerem einstelligem Umsatzwachstum spätestens 2027
- Steigerung der operativen Marge auf rund 30 % bis 2030
- 2026 soll das letzte Jahr sein, in dem der Patentablauf des Blutverdünners Xarelto negativ auf die Zahlen durchschlägt
- Neue Produkte erzielten in den ersten neun Monaten 2025 bereits rund 1,7 Milliarden Euro Umsatz
Oelrich sprach von einer „Comeback-Story“ und verwies auf fünf weltweite Zulassungen im Jahr 2025, die die Umsetzung der Wachstumsstrategie untermauern sollen. Die Pipeline mit zulassungsreifen und frisch eingeführten Medikamenten spielt dabei eine zentrale Rolle.
Wachstumstreiber in der Pipeline
Die nächste Wachstumsphase im Pharmabereich soll sich breiter als in der Vergangenheit auf mehrere Produkte stützen:
- Nubeqa: Blockbuster-Anwärter im Prostatakrebs-Segment, weitere Phase-III-Readouts sind für 2027/2028 geplant.
- Kerendia: Nierenmedikament, dessen Zulassung auf Herzinsuffizienz erweitert wurde und damit einen größeren Patientenkreis adressiert.
- Beyonttra: In der EU für Herzamyloidose zugelassen, ein bisher unterversorgter Markt.
- Lynkuet: In den USA von der FDA für Menopause-bedingte Hitzewallungen genehmigt.
- Asundexian: Faktor-XIa-Inhibitor mit positiven Phase-III-Daten zur Schlaganfallprävention – die erste erfolgreiche Studie dieser Medikamentenklasse.
Diese Produktpalette soll helfen, die Lücke zu schließen, die der Xarelto-Patentablauf reißt, und zugleich die angestrebten Margenverbesserungen zu stützen.
Kursentwicklung: Deutliche Erholung
Die Meldungen zu Nubeqa und die Präsentation auf der J.P. Morgan-Konferenz haben der Aktie zusätzlichen Schub gegeben. Gestern schloss das Papier bei 42,09 Euro. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Plus von 8,27 %, im 30-Tage-Vergleich liegt die Performance bei 20,00 %.
Noch auffälliger ist der Blick auf die längere Strecke: In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Kurs mit einem Zuwachs von 103,01 % mehr als verdoppelt. Vom 52-Wochen-Tief bei 19,93 Euro hat sich der Titel um gut 111 % nach oben entfernt und notiert nur noch rund 0,3 % unter dem jüngsten Hoch bei 42,22 Euro.
Charttechnisch fällt auf:
- Der Schlusskurs liegt rund 19 % über dem 50-Tage-Durchschnitt von 35,37 Euro.
- Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 28,89 Euro beträgt etwa 45,7 %.
- Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 70 % signalisiert ein hohes Schwankungsniveau.
Der RSI (14 Tage) von 19,6 deutet kurzfristig auf einen stark überverkauften Zustand hin – im Kontext der sehr dynamischen Rallye kann dies eher auf eine Phase mit kräftigen Ausschlägen und Konsolidierungen hindeuten, als auf eine ruhige Trendfortsetzung.
Ausblick: Pharma-Ziele vs. Rechtsrisiken
Für die Pharma-Division hat Bayer die Prognose für 2025 bestätigt. Erwartet wird ein währungs- und portfoliobereinigtes Umsatzwachstum zwischen 0 % und 3 % sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 24 % bis 26 %. Die ambitionierteren Ziele – Umsatzwachstum ab 2027 und Margensteigerung bis 2030 – hängen stark daran, wie schnell und breit sich die neuen Produkte im Markt durchsetzen.
Wichtige anstehende Termine und Meilensteine:
- Veröffentlichung der Zahlen für Q4 und das Gesamtjahr 2025, voraussichtlich Ende Februar 2026
- Erwartete China-Zulassung für Nubeqa im Laufe des Jahres 2026
- Weitere Phase-III-Daten, insbesondere zu Radium-223 und den nächsten Schritten bei Asundexian
Auf der Risikoseite bleibt der Glyphosat-Komplex ein zentrales Thema. Der U.S. Supreme Court berät derzeit über die Annahme eines Bayer-Antrags zur Präemption durch Bundesrecht. Eine Entscheidung könnte kurzfristig fallen und den Rechtsrahmen für künftige Verfahren maßgeblich beeinflussen.
Unterm Strich stützt die Kombination aus klar formulierten Pharma-Zielen, einer sichtbar fülligen Pipeline und der Nubeqa-Perspektive die aktuelle Erholung der Aktie – die weitere Kursentwicklung wird sich nun daran messen lassen müssen, ob Bayer die operativen Vorgaben und juristischen Weichenstellungen im Jahr 2026 wie skizziert erfüllt.
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