Der europäische Rohstoffsektor präsentiert sich Anlegern aktuell als zweigeteilte Welt. Auf der einen Seite thront die Aurubis AG, der Hamburger Kupfer-Gigant, der nahe am Allzeithoch notiert und von einer perfekten Nachfragewelle profitiert. Auf der anderen Seite kämpft Umicore, der belgische Materialspezialist, nach einer brutalen Talfahrt um sein Comeback.

Das Timing für diesen Vergleich könnte kaum pikanter sein: Während Aurubis-Aktionäre noch die Dividendenanhebung der Hauptversammlung feiern, blicken Umicore-Investoren nervös auf den kommenden Freitag, den 20. Februar. Dann legt der Konzern seine Jahreszahlen vor. Ist die Rallye beim Kupferproduzenten heißgelaufen oder steht der Batterie-Recycler erst am Anfang einer spektakulären Aufholjagd?

Wer hat das Momentum auf seiner Seite?

Die Stimmungslage bei diesen beiden Schwergewichten könnte unterschiedlicher kaum sein. Aurubis verkörpert die Stabilität in Person. Der Kurs von rund 172,30 Euro spiegelt das Vertrauen in die "Metall-Dekade" wider – getrieben vom Hunger nach Kupfer für KI-Rechenzentren und erneuerbare Energien. Die Aktie testet ihre Rekordhochs und wird von einer operativen Exzellenz gestützt.

Umicore hingegen ist das ultimative Spekulationsobjekt. Nach einem dramatischen Absturz auf ein 52-Wochen-Tief von 7,28 Euro hat das Papier eine wilde Aufholjagd auf aktuell rund 18,70 Euro hingelegt. Der Konzern kämpft gegen den Gegenwind im E-Auto-Markt und steckt mitten in einer schmerzhaften Restrukturierung. Für Anleger stellt sich die Gretchenfrage: Ist diese Erholung nachhaltig oder nur ein letztes Aufbäumen vor dem Realitätscheck am Freitag?

Aurubis: Wenn Prognosen übertroffen werden

Die Nachrichten aus Hamburg gleichen einem Triumphzug. Auf der Hauptversammlung am 12. Februar 2026 bestätigte das Management nicht nur die Strategie, sondern lieferte handfeste Fakten.

  • Prognose-Anhebung: Nach einem starken ersten Quartal mit einem operativen Ergebnis (EBT) von 105 Millionen Euro schraubte CEO Toralf Haag die Jahresziele nach oben. Erwartet werden nun 375 bis 475 Millionen Euro (zuvor 300–400 Mio.). Dieser Aufschlag von über 20 Prozent signalisiert massives Selbstvertrauen.
  • Dividenden-Wachstum: Die beschlossene Ausschüttung von 1,60 Euro je Aktie unterstreicht die Cashflow-Stärke, selbst während der Konzern massiv in den Ausbau investiert.
  • Strategischer Vorteil: Das neue Recycling-Werk "Aurubis Richmond" in den USA fährt die Produktion hoch. Damit positioniert sich Aurubis clever innerhalb der US-Handelsmauern und macht aus einem geopolitischen Risiko einen Wettbewerbsvorteil.

Umicore: Die Woche der Wahrheit

Bei Umicore hängt alles am seidenen Faden der Bilanzvorlage am Freitag, 20. Februar 2026. Die Aktie hat vieles von einem "Das Schlimmste ist vorbei"-Szenario eingepreist, doch der fundamentale Beweis steht noch aus.

  • Der Volatilitäts-Faktor: Mit Kursen um 18,70 Euro hat sich die Aktie weit von den Tiefstständen gelöst. Anleger wetten darauf, dass die Sanierung der Sparte "Battery Materials" das finanzielle Ausbluten gestoppt hat.
  • Markt-Reset: Die schleppende E-Auto-Adaption in Europa zwang Umicore zum Umsteuern. Der Markt erwartet am Freitag Zahlen, die zwar die hohen Kosten dieser Transition zeigen, aber auch erste Effizienzgewinne offenbaren.
  • Der heimliche Star: Oft übersehen wird das klassische Katalysatoren-Geschäft. Wenn dieser Bereich 2025 als Cash-Cow fungierte, könnte er die nötige Liquidität für den Konzernumbau liefern.

Kopf-an-Kopf: Die nackten Zahlen

Kennzahl Aurubis Umicore
Aktueller Kurs ~172,30 € ~18,70 €
52-Wochen-Spanne 71,10 € – 173,50 € 7,28 € – 22,08 €
Preistrend ▲ Starker Aufwärtstrend (Nahe ATH) ▲ Erholung / Volatil
Marktphase Expansion / Ausbruch Restrukturierung / Stabilisierung
Dividende 1,60 € (Bestätigt 12. Feb) Ungewiss (Termin 20. Feb)
Schlüssel-Event Prognose erhöht (Februar) Jahreszahlen (Freitag)
Hauptrisiko Zyklischer Abschwung E-Auto-Stagnation / Execution

Datenstand: 17. Februar 2026

Charttechnik: Freier Himmel oder Widerstandskampf?

Aurubis liefert das Lehrbuchbeispiel eines "Blue Sky Breakouts". Nachdem die psychologische Marke von 170 Euro genommen wurde, gibt es kaum noch charttechnische Widerstände. Die Zone bei 150–155 Euro dient nun als massiver Unterstützungsboden. Solange der Kurs über den gleitenden Durchschnitten bleibt, zeigt der Weg des geringsten Widerstands klar nach oben.

Umicore erzählt im Chart eine Überlebensgeschichte. Die V-förmige Erholung war beeindruckend, doch nun gerät die Aktie in dichten Verkehr. Der Bereich 20–22 Euro ist eine Festung aus "gefangenen" Käufern der letzten Jahre, die bei Einstandspreisen verkaufen könnten. Ein Durchbruch hier erfordert einen massiven fundamentalen Auslöser. Kritisch ist die Marke von 15,00 Euro – fällt der Kurs darunter, war die Erholung wohl nur eine Illusion.

Das Duell der Szenarien

Der "Sichere Hafen": Aurubis

Wer heute Aurubis kauft, setzt auf den Superzyklus. Wenn die Nachfrage nach Kupfer durch KI-Infrastruktur das Angebot weiterhin übersteigt, wird Aurubis nicht nur die Margen halten, sondern durch Recycling-Volumina ausbauen. Das Risiko ist bereits im Preis: Mit über 170 Euro ist die Aktie kein Schnäppchen mehr. Eine globale Rezession wäre hier der Spielverderber.

Die "Zocker-Chance": Umicore

Der Einstieg bei Umicore vor dem Freitag ist eine Wette mit hohem Einsatz. Die These: Der Markt hat das Unternehmen für die E-Auto-Delle zu hart abgestraft. Wenn der CEO glaubhaft darlegt, dass die Talsohle durchschritten ist, könnte eine Neubewertung in Richtung 25 Euro folgen. Die Kehrseite: Enttäuschen die Zahlen, droht ein rasanter Rückfall in Richtung 12 Euro.

Fazit: Qualität oder Adrenalin?

Die Entscheidung zwischen Aurubis und Umicore ist letztlich eine Frage des persönlichen Nervenkostüms.

Aurubis ist die Wahl für den strategischen Investor. Hier gibt es Exposure zu den Megatrends der 20er Jahre (Recycling, Kupfer, US-Wachstum) bei einem Unternehmen, das operativ glänzt. Die jüngste Prognoseanhebung und die Dividende bieten selbst auf diesem hohen Niveau ein Sicherheitsnetz.

Umicore ist die Wildcard für Trader. Die Erholung vom Tief zeigt den enormen Hebel, doch die Volatilität ist extrem. Mit den entscheidenden Zahlen nur drei Tage entfernt, gleicht ein Einstieg einem Münzwurf. Konservative Anleger warten den Freitag ab; aggressive Trader nutzen Rücksetzer als Wette auf die Überraschung.

Das Urteil: Während Aurubis das fundamentale Schwergewicht mit klarer Sicht bleibt, bietet Umicore die höhere kurzfristige Chance – allerdings erkauft mit dem Risiko einer klassischen Zitterpartie.

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