Thyssenkrupp Aktie: Turnaround-Phantasie
Thyssenkrupp startet mit Rückenwind ins neue Börsenjahr. Nach tiefgreifenden Umbauentscheidungen 2025 rückt der Industriekonzern zunehmend als möglicher Turnaround-Kandidat in den Fokus. Entscheidend ist nun, ob Politik und Stahlkonjunktur den frisch entfachten Optimismus tragen können.
Die Fakten im Überblick
- Schlusskurs gestern: 10,03 Euro
- Plus in den letzten 7 Tagen: 8,10 %
- Plus auf 12-Monats-Sicht: 151,06 %
- Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (13,24 Euro): rund -24 %
- RSI (14 Tage): 68,2 – technisch bereits im oberen Bereich
- 50‑Tage-Durchschnitt: 9,26 Euro (Aktie rund 8 % darüber)
- 200‑Tage-Durchschnitt: 9,72 Euro (Aktie rund 3 % darüber)
- 30‑Tage-Volatilität (annualisiert): 80,01 % – sehr schwankungsanfällig
Der Kurs liegt damit komfortabel über den wichtigsten Durchschnittslinien und weit entfernt vom 52‑Wochen-Tief bei 3,86 Euro. Rein charttechnisch hat sich das Bild deutlich aufgehellt, die hohe Volatilität signalisiert aber, dass es selten ruhig zugeht.
Rückenwind durch Politik und Branchenrotation
Ein wesentlicher Treiber des jüngsten Anstiegs sind die neuen EU-Stahlzölle, deren erste Stufe zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten ist. Marktteilnehmer setzen darauf, dass die Maßnahmen den Preisdruck durch asiatische Importe spürbar dämpfen und sich relativ zügig in besseren Margen niederschlagen.
Parallel dazu läuft eine Rotation hin zu klassischen Industrie- und Grundstoffwerten. Nach Jahren, in denen Tech-Titel die Märkte dominiert haben, gelten viele „Old Economy“-Werte wieder als vergleichsweise günstig. Thyssenkrupp profitiert von diesem Stimmungswechsel – der Sprung über die Marke von 10 Euro fungierte dabei als technischer Katalysator, der zusätzliche Käufer anlockte.
Damit verbindet sich eine Frage, die derzeit viele Investoren umtreibt: Handelt es sich nur um eine zyklische Erholung oder tatsächlich um den Beginn eines nachhaltigeren Turnarounds? Die Antwort liegt weniger im kurzfristigen Kurs, sondern in den tiefgreifenden Weichenstellungen des vergangenen Jahres.
Fundament: Umbau zeigt Wirkung
Der aktuelle Kursanstieg steht auf einem veränderten fundamentalen Gerüst. Im vierten Quartal 2025 hat das Management zentrale Baustellen adressiert:
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Kapitalspritze durch TKMS-Börsengang
Der erfolgreiche IPO der Marinesparte TKMS im Oktober 2025 hat die Bilanz spürbar gestärkt. Gleichzeitig hat der Schritt den klassischen Konglomeratsabschlag reduziert, da ein bislang schwer bewertbarer Teilkonzern nun einen eigenen Marktpreis besitzt und vom globalen Rüstungszyklus profitiert. -
Stahl-Einigung schafft Planungssicherheit
Mit dem im Dezember 2025 finalisierten Sanierungstarifvertrag mit der IG Metall hat Thyssenkrupp eine zentrale Unsicherheit in der Stahlsparte entschärft. Das Risiko langwieriger Arbeitskämpfe ist vorerst deutlich gesunken, was Investitionen und Transformationsprojekte besser planbar macht. -
Cashflow-Turnaround als Signal
Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2024/2025, präsentiert am 9. Dezember 2025, zeigten einen positiven Free Cashflow vor M&A. Dieser Schritt in den positiven Bereich wird nun stärker honoriert und stützt die Wahrnehmung, dass der Konzern nicht mehr im reinen Krisenmodus agiert.
Im Zusammenspiel hat sich damit das Narrativ gedreht: Statt der Angst vor einer unkontrollierten Zerschlagung dominiert zunehmend die Vorstellung einer wertorientierten, strukturierten Transformation. Genau diese veränderte Sichtweise erklärt auch, warum der Titel auf 12-Monats-Sicht um mehr als 150 % zugelegt hat.
Charttechnik und nächste Etappen
Mit Kursen um die 10 Euro handelt die Aktie derzeit klar über dem 50‑ und 200‑Tage-Durchschnitt. Das technische Bild wirkt konstruktiv, der RSI von 68,2 zeigt jedoch, dass das Papier kurzfristig stark gelaufen ist und in die Nähe eines überkauften Bereichs rückt.
Aus charttechnischer Sicht ist das verteidigte Niveau um 10 Euro eine wichtige Zone. Hält sich der Kurs stabil darüber, rücken aus dem bisherigen Handelsverlauf höhere Zielbereiche – wie der nächste markante Widerstand um 11,50 Euro – in den Blick. Gleichzeitig erinnert die annualisierte 30‑Tage-Volatilität von 80,01 % daran, dass Rücksetzer jederzeit möglich sind und Bewegungen oft ausgeprägt ausfallen.
Fazit: Turnaround-Story mit hoher Schlagzahl
Thyssenkrupp startet mit deutlich verbesserter Ausgangslage in das Jahr 2026: Bilanz gestärkt, Tarifkonflikt im Stahl entschärft, Cashflow gedreht – und nun zusätzlicher Rückenwind durch europäische Handelspolitik und eine Sektorrotation zugunsten klassischer Industrie. Der starke Kursanstieg der vergangenen zwölf Monate spiegelt genau diese veränderte Wahrnehmung wider, geht aber mit hoher Volatilität einher.
Für die kommenden Wochen werden vor allem zwei Faktoren entscheidend sein: die Preisentwicklung am europäischen Flachstahlmarkt und die tatsächliche Wirkung der neuen EU-Maßnahmen auf die Margen. Bestätigen sich die Hoffnungen in den operativen Zahlen, kann die Turnaround-Erzählung Substanz gewinnen; fallen die Effekte schwächer aus, dürfte die hohe Schwankungsbreite des Titels erneut spürbar werden.
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