Die jüngste Rallye bei Thyssenkrupp trifft auf einen deutlich kritischeren Ton aus dem Analystenlager. Vor allem Barclays bremst die Euphorie und löst damit eine spürbare Gegenbewegung im Kurs aus. Parallel dazu hängt die Unsicherheit um die Stahlsparte wie ein Schatten über der Aktie, während die abgespaltene Marinetochter TKMS operative Stärke zeigt, aber an der Börse ebenfalls unter Druck gerät.

Barclays bleibt skeptisch – trotz höherem Kursziel

Auslöser der aktuellen Schwäche ist eine negative Studie von Barclays. Die britische Investmentbank bestätigte ihre Einstufung auf „Underweight“ (Verkaufen), hob das Kursziel aber von 7,30 auf 9,00 Euro an. Unterm Strich bleibt die Botschaft: Die Bewertung sei nach dem kräftigen Anstieg zu ambitioniert, die Risiken im Kerngeschäft weiterhin erheblich.

Analyst Tom Zhang rechnet zwar mit einer positiven Gewinnentwicklung bei europäischen Stahlwerten im ersten Quartal. Aus seiner Sicht ist aber noch offen, ob die EU-Handelsschutzmaßnahmen tatsächlich zu dauerhaft besseren Fundamentaldaten führen. Speziell bei Thyssenkrupp sieht er strukturelle Herausforderungen im Stahlsegment unverändert am Werk.

Der Markt reagiert: Heute notiert die Aktie mit rund 10,03 Euro spürbar unter dem gestrigen Schlusskurs von 10,30 Euro. Nach einer starken 12-Monats-Performance von über 140 % wirkt die aktuelle Korrektur wie eine überfällige Atempause.

Analystenlage: Spürbare Spannbreite

Das Meinungsbild der Experten bleibt breit gefächert:

  • Baader Bank: Buy, Kursziel 12,50 Euro
  • Jefferies: Hold, Kursziel 11,00 Euro
  • Deutsche Bank: Hold, Kursziel 10,00 Euro
  • Barclays: Sell, Kursziel 9,00 Euro
  • JP Morgan: Neutral, Kursziel 7,60 Euro

Im Schnitt ergibt sich ein durchschnittliches Kursziel von rund 9,68 Euro – leicht unter dem aktuellen Kursniveau. Das unterstreicht, wie umstritten der weitere Spielraum nach oben ist.

Stahlsparte im Fokus: Jindal, Jobs und Pensionslasten

Deutlich belastend wirkt die Unsicherheit rund um Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE). Medienberichten zufolge drängt der potenzielle Partner Jindal Steel International auf stärkere Kostensenkungen, als bislang vorgesehen. Die IG Metall warnt in diesem Zusammenhang vor einem möglichen zusätzlichen Stellenabbau von 2.000 bis 3.000 Jobs, zusätzlich zu den bereits vereinbarten 11.000 Stellen.

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Gewerkschaftsvertreter Knut Giesler macht dabei unmissverständlich klar: Die Vereinbarungen des Sanierungstarifvertrages seien „unantastbar“. Von Jindal werden daher tragfähige Zukunftspläne erwartet, die auf den bestehenden Abmachungen aufbauen und nicht einseitig zulasten der Belegschaft gehen.

Ein weiteres Puzzlestück ist die mögliche Struktur des Einstiegs von Jindal. Nach einem Bericht von Reuters wird eine stufenweise Übernahme diskutiert: Zunächst 60 % der Stahlsparte, die restlichen 40 % später in zwei Tranchen. Dieses Modell könnte Thyssenkrupp mehr Spielraum im Umgang mit Pensionsverpflichtungen von rund 2,5 Milliarden Euro verschaffen.

TKMS: Starke Auftragslage, schwacher Tag an der Börse

Während das Stahlgeschäft um seine künftige Form ringt, liefert die 2025 abgespaltene Marinetochter TKMS operative Impulse. Laut Reuters arbeitet TKMS an einem umfassenden Industriepaket für den kanadischen U-Boot-Auftrag im Volumen von 12 Milliarden US-Dollar. CEO Oliver Burkhard führt Gespräche mit deutschen und norwegischen Unternehmen über Investitionen in Bereichen wie:

  • Seltene Erden
  • Rohstoffgewinnung (Mining)
  • Künstliche Intelligenz
  • Batterieproduktion

Mit einem Auftragsbestand von über 18 Milliarden Euro und der Aufnahme in den MDAX verfügt TKMS über eine solide Basis. Dennoch gerät die Aktie heute mit einem Rückgang von gut 5 % unter Druck – ein Hinweis darauf, dass auch der Rüstungssektor kurzfristig anfällig für Gewinnmitnahmen ist.

Technische Lage: Starker Trend, erhöhte Spannung

Trotz der aktuellen Schwäche bleibt der mittelfristige Aufwärtstrend bei Thyssenkrupp intakt. Die Aktie liegt mit gut 10 Euro über allen wichtigen gleitenden Durchschnitten:

  • 50-Tage-Durchschnitt: 9,52 Euro
  • 100-Tage-Durchschnitt: 10,09 Euro
  • 200-Tage-Durchschnitt: 9,79 Euro

Der Abstand von rund 5 % zum 50-Tage-Durchschnitt und rund 2 % zum 200-Tage-Durchschnitt signalisiert einen intakten, aber nicht mehr überhitzten Trend. Der RSI von 68,2 deutet auf eine bereits recht ambitionierte Marktlage hin – die Luft nach oben ist kurzfristig dünner geworden.

Die starke 12-Monats-Bilanz mit einem Plus von gut 140 % trifft aktuell auf eine 7-Tages-Performance von rund -5 %. Nach dem Erreichen des 52-Wochen-Hochs bei 13,24 Euro ist der Titel inzwischen etwa 24 % von diesem Niveau entfernt und hat damit einen Teil der Gewinne abgegeben, ohne den grundsätzlichen Trend zu brechen.

Ausblick: Bewährungsprobe in den kommenden Wochen

Die nächsten Wochen liefern mehrere harte Fakten, an denen sich die aktuelle Bewertung messen muss. Am 30. Januar steht die Hauptversammlung an, bei der der Dividendenvorschlag von 0,15 Euro je Aktie auf die Tagesordnung kommt. Am 12. Februar folgen die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026.

Für das laufende Jahr stellt der Konzern ein bereinigtes EBIT zwischen 500 und 900 Millionen Euro in Aussicht, rechnet aber gleichzeitig mit einem Nettoverlust von 400 bis 800 Millionen Euro. Haupttreiber sind Rückstellungen für die Neuaufstellung der Stahlsparte. Entscheidend wird sein, ob Management, Jindal und Gewerkschaft ein tragfähiges Modell für TKSE vorlegen, das sowohl die angekündigte Restrukturierung als auch die finanziellen Belastungen in einen stabilen Rahmen bringt.

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