Stellantis am 52-Wochen-Tief, XPeng feiert Erstgewinn — fünf Auto-Aktien im Check
Während XPeng erstmals schwarze Zahlen schreibt, notiert Stellantis so tief wie seit einem Jahr nicht mehr. Zwischen historischen Meilensteinen und schmerzhaften Umbrüchen zeigt der Automobilsektor diese Woche sein ganzes Spektrum. Fünf Aktien, fünf grundverschiedene Geschichten.
XPeng: Erster Quartalsgewinn trifft auf gedämpfte Erwartungen
XPeng hat Geschichte geschrieben. Erstmals in seiner Unternehmenshistorie meldete der chinesische E-Auto-Hersteller einen Quartalsgewinn — im vierten Quartal 2025. Der Umsatz stieg im Gesamtjahr um knapp 88 Prozent auf umgerechnet rund 11,1 Milliarden US-Dollar. Die Auslieferungen legten um 126 Prozent zu.
Die Bruttomarge kletterte auf 21,3 Prozent, nach 14,4 Prozent im Vorjahr. Ein Sprung, der vor allem auf Kostensenkungen und einen veränderten Modellmix zurückgeht. Allein in Forschung und Entwicklung investierte XPeng 2025 umgerechnet 9,5 Milliarden Yuan — davon 4,5 Milliarden für KI.
Die Euphorie erhielt allerdings einen Dämpfer. Die Umsatzprognose für das erste Quartal 2026 liegt bei 12,2 bis 13,3 Milliarden Yuan — deutlich unter den Konsenserwartungen der Analysten von rund 15 Milliarden Yuan. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Tagesverlust von über acht Prozent und steht bei 15,20 Euro. Auf Wochensicht beträgt das Minus gut 13 Prozent.
Für 2026 plant XPeng vier neue Modelle, darunter einen Flagship-SUV mit L4-fähiger Hardware. Die neue P7-Limousine soll mit bis zu 820 Kilometern Reichweite die Konkurrenz unter Druck setzen. Das Auslieferungsziel liegt bei 550.000 bis 600.000 Fahrzeugen — ambitioniert angesichts des weiterhin tobenden Preiskampfs im chinesischen Markt.
Stellantis: Supercharger-Zugang als Trostpflaster für tiefgreifende Krise
Stellantis hat als letzter großer Autohersteller in Nordamerika Zugang zum Tesla-Supercharger-Netzwerk erhalten. Seit dem 19. März können Besitzer von Jeep, Dodge, Ram, Fiat und Maserati an über 27.500 Ladestationen aufladen. Weil aktuelle Modelle noch keinen nativen NACS-Anschluss besitzen, benötigen Fahrer einen Adapter für rund 230 bis 250 US-Dollar. Erst der 2027er Dodge Charger Daytona wird mit dem Tesla-kompatiblen Anschluss ab Werk ausgeliefert.
Der Ladeinfrastruktur-Deal ist ein positives Signal für die Kundenerfahrung. Am grundlegenden Problem ändert er wenig. Stellantis hat für das zweite Halbjahr 2025 Rückstellungen von 22,2 Milliarden Euro gebildet — sogenannte Reset-Charges —, die in einen Nettoverlust von 19 bis 21 Milliarden Euro münden. Die Dividende für 2026 wurde gestrichen.
Die Aktie notiert bei 5,50 Euro exakt am 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat der Kurs über 43 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar mehr als die Hälfte. Gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt klafft eine Lücke von 22 Prozent nach unten.
Parallel arbeitet Stellantis gemeinsam mit BMW, GM, Honda, Hyundai, Kia, Mercedes-Benz und Toyota am Aufbau des IONNA-Ladenetzwerks — mindestens 30.000 Hochleistungsstationen in Nordamerika bis 2030. Ein langfristiges Infrastrukturprojekt, das den kurzfristigen Sanierungsdruck aber kaum mildern dürfte.
Tesla: Solarpläne und Patente im Schatten juristischer Risiken
Teslas Agenda reicht längst weit über Elektroautos hinaus. Das Unternehmen verhandelt mit chinesischen Zulieferern über Solarproduktionsausrüstung im Wert von 2,9 Milliarden US-Dollar. Elon Musk hatte beim Weltwirtschaftsforum in Davos das Ziel formuliert, 100 Gigawatt jährliche Solarfertigungskapazität in den USA aufzubauen.
Auf der Batterieseite hat Tesla Anfang März ein Patent veröffentlicht, das eine neuartige Walzentechnik beschreibt. Batteriepulver wird dabei durch Rollen mit leicht unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu einem gleichmäßigen Film verarbeitet — ohne die bisher nötigen Hochdruckverfahren, die das Material brüchig machen können.
Diese Technologie-Offensive steht im Kontrast zu wachsenden juristischen Belastungen. Ein Geschworenengericht in Kalifornien urteilte, dass Musk Twitter-Aktionäre im Vorfeld der 44-Milliarden-Dollar-Übernahme in die Irre geführt hat. Zusätzlich läuft eine NHTSA-Untersuchung zum autonomen Fahrsystem FSD bei eingeschränkten Sichtverhältnissen.
Die Aktie schloss am Freitag bei 318,85 Euro — ein Minus von knapp sieben Prozent auf Wochensicht. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch fehlen rund 24 Prozent. Die Wall Street ist gespalten: 33 Analysten kommen im Schnitt auf ein Kursziel von knapp 388 US-Dollar, wobei die Spanne von 25 bis 600 US-Dollar reicht. Selten war die Bandbreite der Einschätzungen so extrem.
Steyr Motors: Rüstungsgeschäft treibt den Kleinstkonzern
Steyr Motors bewegt sich in einer ganz anderen Umlaufbahn als die großen Volumenanbieter. Der österreichische Motorenhersteller baut sein Verteidigungsportfolio systematisch aus:
- Übernahme von BUKH A/S: Die Akquisition des dänischen Unternehmens erweitert das Leistungsspektrum von bisher 120–300 PS auf 24–700 PS und stärkt die Position im Marine- und Verteidigungsgeschäft.
- Rahmenvertrag mit KNDS bis 2034: Lieferung von mindestens 500 Motor-Generator-Einheiten für den Kampfpanzer Leopard 2 — kompakte Zweizylinder-Dieselmotoren mit integrierten Generatoren.
- Unbemannte Überwasserfahrzeuge (USVs): Steyr positioniert sich in einem strategisch wichtigen Wachstumssegment der Verteidigungsindustrie.
Der Umsatz stieg 2025 um 16,4 Prozent auf 48,5 Millionen Euro. Für 2026 peilt der Vorstand 75 bis 95 Millionen Euro an — nahezu eine Verdoppelung. Alle drei Coverage-Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, das mittlere Kursziel liegt bei 66,33 Euro.
Bemerkenswert ist auch die geplante Neubesetzung des Aufsichtsrats: Auf der Hauptversammlung am 10. April soll unter anderem Rolf Wirtz gewählt werden, ehemaliger CEO von Thyssenkrupp Marine Systems. Ein Signal, das die strategische Ausrichtung auf den Verteidigungssektor unterstreicht.
Schaeffler: Achterbahnfahrt nach Jahreszahlen
Schaefflers Aktienkurs glich in den vergangenen Wochen einer Achterbahn. Zunächst schickte ein vorsichtiger Ausblick für 2026 — mit Verweis auf schwierige globale Produktionsbedingungen — die Aktie um rund 19 Prozent in die Tiefe. Der stärkste Tagesverlust seit März 2020. Nur wenige Tage später, bei Vorlage der vollständigen Jahreszahlen am 3. März, folgte eine Gegenbewegung von über 25 Prozent, weil alle Guidance-Ziele für 2025 erreicht wurden.
Für 2026 erwartet das Management einen Konzernumsatz von 22,5 bis 24,5 Milliarden Euro bei einer EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5 Prozent. Die E-Mobilitäts-Sparte soll auf 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro Umsatz wachsen, die negative EBIT-Marge von minus 16 auf minus 13 bis 15 Prozent verbessern.
CEO Klaus Rosenfeld hat drei Prioritäten für 2026 definiert: den Weg zum EBIT-Breakeven in der E-Mobilität beschleunigen, operative Selbsthilfemaßnahmen umsetzen und neue Wachstumsfelder in den Bereichen Humanoide Robotik, Verteidigung und Raumfahrt erschließen. Die Dividende soll um 20 Prozent auf 0,30 Euro je Aktie steigen — ein Zeichen der Zuversicht trotz hoher Verschuldung mit einem Nettoverschuldungsgrad nahe dem 3,5-Fachen des EBITDA.
Fünf Aktien, ein Sektor — und kaum Gemeinsamkeiten
Die Woche hat gezeigt, wie weit das Spektrum im Automobilsektor mittlerweile reicht. XPeng feiert einen historischen Meilenstein, stößt aber sofort auf die Realität des chinesischen Preiskriegs. Stellantis sichert sich Zugang zur wichtigsten Ladeinfrastruktur Nordamerikas — und steht gleichzeitig vor der größten Sanierungsaufgabe der jüngeren Konzerngeschichte. Tesla expandiert in Solar und Batterietechnologie, während juristische Altlasten das Bild trüben.
Steyr Motors und Schaeffler verkörpern zwei Spielarten der europäischen Transformation: Der eine nutzt steigende Verteidigungsbudgets für rasantes Wachstum, der andere kämpft mit den Kosten des Wandels vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität. Die kommenden Wochen bringen mit Steyrs Hauptversammlung am 10. April und Schaefflers nächster Bewährungsprobe bei den E-Mobilitäts-Zahlen konkrete Impulse für beide Titel.
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