In der aktuellen Episode „Leseprobe aus dem Fanboy-Buch zur Wiener Börse: Die 80's (gekürzt)" gibt Christian Drastil einen sehr persönlichen Einblick in die Entstehungsgeschichte seiner Börsen-Leidenschaft – eingebettet in ein autobiografisches Buchprojekt, das exakt 15.000 Tage umspannt.

Was als Coming-of-Age-Erzählung eines Wieners aus einer Arbeiterfamilie beginnt, entpuppt sich als Zeitdokument über das Erwachen des österreichischen Kapitalmarkts. Zwischen Osterskikursen, Bundesheer-Anekdoten und den ersten Optionsschein-Spekulationen zeichnet Christian Drastil ein Bild der Wiener Börse in den 1980er Jahren, das zeigt: Eine der größten Aktienrally der Wiener Börsengeschichte fand statt, während eine ganze Generation junger Österreicher davon nichts mitbekam – weil Finanzbildung an Schulen schlicht nicht existierte.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

1985: Jim Rogers entdeckt Wien – und Wien entdeckt die Börse

Das Jahr 1985 markiert den eigentlichen Urknall der modernen Wiener Börse. Alles begann mit einem Artikel im US-Finanzmagazin Barron's, in dem der legendäre Investor Jim Rogers sich auffallend positiv über einen „unterentwickelten, aber hochinteressanten Emerging Market" äußerte. Er meinte Wien. Der damals aussagekräftigste Aktienindex WBI notierte im Februar bei 125 Punkten – nachdem er 16,5 Jahre zuvor, im Jahr 1968, mit 100 Punkten gestartet war. Eine Entwicklung, die man getrost als Dornröschenschlaf bezeichnen kann.

Was dann folgte, war nichts weniger als die erste Jahrhundertrally der Wiener Börse. Bereits im März stand der Index bei mehr als 155 Punkten, bis Juli bei 250. Zeitzeuge Erich Pitak erinnert sich, dass dieser Anstieg fast ausschließlich auf das Konto ausländischer Investoren ging – ein typisches Szenario für einen Emerging Market. Doch im Herbst drehte sich das Bild: Plötzlich waren es Inlandsanleger, die den Markt weiter nach oben zogen. Ein wesentlicher Grund war die in Aussicht gestellte steuerliche Förderung für junge Aktien. Der Jahresschluss lag bei 275 Punkten – ein Plus von 130 Prozent. Wien war damit der weltweit beste Aktienmarkt des Jahres 1985. Die beste Einzelaktie, Karl Kahanes Montana, legte dank Jim Rogers' Impuls sogar mehr als 900 Prozent zu.

Parallel dazu gingen mit Jungbunzlauer und Lenzing neue Unternehmen an die Börse. Eine IPO-Welle, die in den Folgejahren erst richtig Fahrt aufnehmen sollte.

Drastil selbst, damals 17 Jahre alt und Schüler in Wien-Donaustadt, bekam von alldem nichts mit. Kein Wort über Aktien in der Schule, kein Internet, das die Nachricht hätte verbreiten können. Stattdessen: ein Halbjahreszeugnis mit sieben Nicht Genügend, Osterskikurse und Gartenhauspartys an der Alten Donau

Der Börsen-Kurier, ein Pionier und der Mut zum Unternehmertum

Eine zentrale Rolle in Drastils Weg zur Börse spielte der Börsen-Kurier, Österreichs traditionsreiches Finanzmedium. Die Geschichte seines Eigentümerwechsels, erzählt von Florian Laszlo im Börse-People-Podcast, ist eine Lehrstunde über unternehmerischen Mut und das Glück des Tüchtigen.

Dr. Herbert Laszlo, studierter Jurist und Finanzjournalist, war bereits in den 1960er Jahren Chefredakteur des Börsen-Kurier gewesen, hatte die Position aber nach einem Streit über die redaktionelle Linie zurücklegen müssen. Fast 20 Jahre später, 1985, kam das Angebot, das Medium zu kaufen. Florian Laszlo schildert die Gewissensfrage seines Vaters so: „Jeder Chefredakteur, der geschasst wurde, wünscht sich, dass einmal dann der Eigentümer kommt und sagt, es tut uns wirklich leid, möchtest du nicht wieder übernehmen und das Medium übernehmen? Auf den moralischen Sieg war mein Vater immer sehr stolz gewesen."

Herbert Laszlo entschied sich für den Kauf – „statt dem Ferrari hat er sich das Medium geleistet" – und baute den Börsen-Kurier zu dem aus, was er heute ist. Dass er dabei vom perfekten Timing profitierte, nämlich dem Erwachen der Wiener Börse durch Jim Rogers und die folgende Rally, schmälert die unternehmerische Leistung nicht. Es war, wie Drastil es formuliert, das Glück des Tüchtigen, gepaart mit konsequent guter Arbeit und einer redaktionellen Linie, die selbst unter Missachtung von Anzeigeninteressen beibehalten wurde.

Für den jungen-Bankmitarbeiter Drastil wurde der Börsen-Kurier gemeinsam mit dem Top-Gewinn zur Pflichtlektüre. In einer Zeit ohne Internet war Printjournalismus der einzige Zugang zu Börseninformationen.

1986 und 1987: Matura, Bankeinstieg und der Schwarze Montag

Das Jahr 1986 war Drastils persönliches „Year of Change". Die Matura schaffte er erst im zweiten Versuch im Herbst, was seinen Einstieg bei der damaligen Erste Bank und Sparcasse unter die Bedingung stellte, die Prüfung nachzuholen. Den Aufnahmetest hatte er mit Bravour bestanden – Rechenbeispiele, Denksport, Rätsel. Skills, die ihm seine Mutter von klein auf mitgegeben hatte und die er bis heute als entscheidende Karteim Börsengeschäft betrachtet.

Drastil widmet dem Kopfrechnen einen bemerkenswerten Exkurs, der sein mathematisches Denken illustriert. Während viele17 hoch 3 über den klassischen Weg berechnen – 17 mal 17 über die Zerlegung in 170 plus 119, dann mal 17 –, bevorzugt er den Ansatz über runde Zahlen: 20 mal 17 minus 3 mal 17, also 340 minus 51 gleich 289, dann 20 mal 289 minus 3 mal 289. Das Ergebnis ist dasselbe – 4.913 –, aber der Weg über runde Zahlen ist für ihn schneller und sicherer, weil er sich große Zwischensummen schwer merken kann. Diese Art des mathematischen Denkens, so die implizite Botschaft, ist am Kapitalmarkt Gold wert.

An der Wiener Börse löste der gute Schwung aus 1985 eine massive IPO-Welle aus. Miba, Constantia, Schlumberger, die Drei-Banken-Gruppe aus Oberbank, BTV und BKS sowie Ottakringer gingen 1986 an den Markt. Ex-Börse-Chef Stefan Zapotocky, von Drastil liebevoll „Zapo" genannt, hatte in seiner früheren Bankerrolle große Verdienste um diese Emissionen.

In der Filiale begann Drastil seine klassische Ausbildung. Als 18-Jähriger musste er unter anderem die Börsenkurse in der Auslage anbringen – es gab ja kein Internet, und die Kunden informierten sich über die Schaufenster der Bankfilialen. Als Zahlenmensch konnte er sich die Kurse merken und war schnell „into it".

Das Jahr 1987 brachte dann den entscheidenden Wendepunkt – in doppelter Hinsicht. Drastil begann privat Aktien und Optionsscheine zu kaufen, erzielte mit Anfängerglück hohe Gewinne in Prozent und gab das Geld zunächst für Bank-Kleidung aus, dann für ein Auto, schließlich nur noch für Musikinstrumente. Doch im Herbst wurde er zum Bundesheer einberufen. Was als Rückschlag erschien, erwies sich als Glück im Unglück: Drei Wochen nach seinem Kasernenstart kam der 19. Oktober 1987, der als Schwarzer Montag in die Börsengeschichte einging. Da es in der Kaserne keine Möglichkeit gab, spekulative Positionen zu überwachen, hatte er vorher alles verkauft. Das bewahrte ihn vor vermutlich erheblichen Verlusten.

Das ÖMV-IPO und die Geburt des österreichischen Aktienmarkts

Der Schwarze Montag traf auch die Wiener Börse hart, doch die IPO-Pipeline lief weiter. Im Oktober 1987 brachte die spätere S-Immo ein Gewinnscheinprodukt an die Börse – ausgerechnet am Crash-Tag. Der langjährige S-Immo-Chef Ernst Vejdovszky erinnerte sich später: „Freilich wussten wir bei der Terminisierung nicht, dass genau dieser 19.10. als Schwarzer Montag in die Geschichte eingehen sollte. Der Dow stürzte um 22% ab. Wir konnten nichts dafür, aber sowas härtet ab."

Auf der anderen Seite des Spektrums stand Investor Gregor Rosinger, der mit einer Short-Strategie im Markt war und sich, wie er es selbst formuliert, „eine goldene Nase verdient" hatte. Seine Puts explodierten, und er zog mit einer Champagnerflasche durch die Grazer Innenstadt, verständnislos, warum die Banker eines lokalen Bankhauses nicht mitfeiern wollten – sie waren auf der anderen Seite der Transaktion gewesen.

Der große Brocken des Jahres 1987 kam im Dezember: das IPO der ÖMV mit einem damals unglaublichen Erlös von einer Milliarde Schilling. Investmentbanker Franz Kubik organisierte Roadshows im ganzen Land. Die Anekdoten daraus sind bezeichnend für die Aufbruchstimmung. CFO Maria Schaumayer, nach wochenlangen Roadshow-Marathons im Burgenland angekommen, sagte schlicht: „Wissen Sie, worauf ich jetzt Lust habe? Ich hätte Lust auf ein Gulasch und ein Bier." Und Dr. Grünwald von der ÖAG, der heutigen ÖBAG, konterte auf die Frage, ob die ÖMV-Aktie nicht zu teuer sei, trocken: „Ich glaube, dass eine Aktie mehr als ein Gulasch kosten sollte." Auf den Einwand, die ÖMV sei zu groß für Österreich, antwortete er: „Wenn dem so wäre, dann müsste ich Sie fragen, ob Bayern nicht zu klein für BMW ist."

Drastil selbst konnte als junger Bankmitarbeiter zwar noch keine Zeichnungsaufträge entgegennehmen, vermittelte aber zahlreiche ÖMV-Zeichner aus seinem Sport- und Freundeskreis an seine Filiale. Die Saat war gelegt.

Die Gianna-Nannini-Anekdote und Hermann Michelitsch als Kommunikationspionier

Eine der charmantesten Geschichten des Buches dreht sich um Hermann Michelitsch, den langjährigen Kommunikationschef der ÖMV. Drastil beschreibt ihn als einen der liebevollsten, witzigsten und eloquentesten Menschen am Wiener Kapitalmarkt, einen Pionier des Sportsponsorings und dessen Einbau in umfassende Kommunikationskonzepte. Michelitsch verstarb 2015 im 76. Lebensjahr.

Drastils Lieblingsgeschichte stammt aus dem Jahr 1986, als Michelitsch den Videodreh von Gianna Nannini in der ÖMV-Raffinerie Schwechat betreuen musste. Es ging um die Bilder zum Welthit „Bello e Impossibile". Trotz striktem Rauchverbot – bei Raffinerie-Luft keine triviale Regel – zündete sich ein Mitglied von Nanninis Band eine Zigarette an. In Michelitsch spielte sich, wie er es köstlich aufbaute, sofort das Kopfkino „Oh, jetzt fliegt uns die ganze Hütte in die Luft" ab. Ein lautes „Ah", ein Sprint zum Übeltäter, behutsames Ausdämpfen – Schwein gehabt. Das Musikvideo mit dem ÖMV-Setup ist bis heute auf YouTube zu bewundern.

Auch bei der ÖMV-Folgeprivatisierung 1989 lieferten Michelitsch und Kubik Anekdoten. Bei einer Roadshow in einer großen Villa in Salzburg war es unerträglich heiß. Michelitsch schlug vor, die Herren einzuladen, ihre Sakkos auszuziehen. Kubik lehnte ab – eine Veranstaltung von Managern und Bankern erfordere Etikette. Minuten später, angesichts der Schweißperlen, lud Kubik die Herren dann doch ein, sich ihrer Jacketts zu entledigen. Die verbale Rüge von Michelitsch soll nicht druckreif gewesen sein.

1988 und 1989: IPO-Welle, Privatisierungen und der Verbund-Börsengang

Nach seiner Rückkehr vom Bundesheer im März 1988 durfte Drastil endlich selbst Zeichnungsaufträge entgegennehmen. Die IPO-Welle rollte weiter: Als Highlight ging der Verbund an die Börse. Die rechtliche Grundlage dafür hatte eine Novelle zum zweiten Verstaatlichtengesetz von 1987 geschaffen, wonach nur noch 51 Prozent der Anteile an Energieversorgungsunternehmen im Eigentum von Gebietskörperschaften stehen mussten.

Die Verbund-Transaktion beeindruckte Drastil besonders. Sie war in drei Tranchen aufgebaut, kompliziert, ein bisschen bürokratisch, aber in seinen Augen großartig. Man musste sich einlesen, um sie erklären zu können – und genau das war sein Ansatz. Die ÖMV-Zeichner wurden zu Verbundzeichnern, die Kundenbasis wuchs.

Ein weiterer Zeitzeuge, Markus Fröhlich, schildert seinen parallelen Einstieg in die Börse im Jahr 1988. Auch er kam über eine regionale Bank – eine Raiffeisenbank – zum Kapitalmarkt. Seine ersten privaten Investments waren Aktien von Lenzing und ein Optionsschein auf den Aktienfonds Vienna Invest. Fröhlich erwähnt dabei ein Wertpapier, das es heute in dieser Form nicht mehr gibt: einen Optionsschein auf einen Optionsschein, einen sogenannten Hyper-Optionsschein.

Für Drastil war genau dieser Sparkassen-Optionsschein 86/92 auf den Vienna Invest sein „liebstes Wertpapier ever". Der Schein hatte eine negative Prämie und konnte tagtäglich arbitriert werden – eine Strategie, die nur Nachmittagsrisiko hatte, da Fonds wie der Vienna Invest einen Tag später bewertet wurden. In neun von zehn Fällen ging diese Arbitrage gut, und der Erlös ermöglichte die erste bescheidene eigene Wohnung im Heimatbezirk.

Das Jahr 1989 wurde dann zum zweiten Superjahr der Dekade. Der rückgerechnete ATX stieg von 536 auf 1.122 Punkte. Die Highflyer-Tabelle las sich beeindruckend: Porr-Vorzug plus 552 Prozent, Porr--Stamm plus 533 Prozent, Universale plus 521 Prozent. Die Hoffnung hieß Gorbatschow mit seiner Glasnost-Politik, und die Investmentstory Österreichs war schon damals stark mit den Chancen in Mittel- und Osteuropa verbunden. Im vierten Quartal ging die EVN an die Börse – ein Highlight und zugleich ein Stresstest, denn kurz davor war das erste IT-unterstützte Handelssystem PATS (Partly Assisted Trading System) live gegangen. Es funktionierte.

Saurer Regen, Live Aid und die kulturelle Kulisse der 80er

Drastils Erzählung ist weit mehr als eine Börsenchronik. Sie ist ein Zeitbild der 1980er Jahre, das gesellschaftliche, kulturelle und ökologische Themen eng mit der Finanzmarktentwicklung verwebt.

Der Saure Regen war Anfang der 80er Jahre zum Synonym für Umweltzerstörung geworden. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe gelangten große Mengen Schwefel in die Atmosphäre, Bäume und ganze Wälder starben. Als Reaktion wurden Maßnahmen gesetzt – vom Katalysator für Kraftfahrzeuge bis zu Abgasreinigungsanlagen in der Industrie. Erstmals schien die Erfolgsgeschichte von Wirtschaftswachstum und Wohlstand infrage gestellt. Aber der saure Regen wurde besiegt, wie Drastil unter Bezugnahme auf ein späteres Interview mit Ex-Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber festhält. Er hat sich einfach wieder geschlichen.

Am 13. Juli 1985 fand das Live-Aid-Konzert statt – ein Spektakel auf mehreren Kontinenten, bei dem Proponenten mit der Concorde von Location zu Location flogen. Drastil merkt an, dass es damals weder Vertragswerk noch Regulatorik gab, die Musik für den guten Zweck stand im Vordergrund. Heute würde so etwas schon im Vorfeld als verdächtig eingestuft und niedergeshitstormt werden, so seine Einschätzung.

Auch das Tschernobyl-Unglück 1986 berührt er: Während der Matura-Vorbereitung an der Alten Donau wurden er und seine Freunde „höchstwahrscheinlich alle verstrahlt" – keine Ironie, wie er betont, sondern eine Sorge, die ihn Jahre beschäftigte und spätere Hautprobleme möglicherweise begünstigte.

Am 15. März 1985 wurde mit Symbolics.com die erste Domain im Internet registriert – ein Datum, das den heutigen Formel-1-Teamchef Toto Wolff später zu seinem Unternehmensnamen „Marchfifteen" inspirierte. Wolff werde im Buch auch noch börslich eine Rolle spielen, kündigt Drastil an.

Musikalisch war sein Dekade geprägt von Synth-Pop und Italo Disco, den Pet Shop Boys. Die Sportler des Jahres reichten von Peter Seisenbacher über Rudi Nierlich bis zu Ulrike Maier – letztere beide sollten bei Unfällen tragisch jung ums Leben kommen. Drastils eigene Schule in der Bernoullistraße in Wien-Donaustadt, direkt neben dem Donauzentrum, war zufällig eine Hochburg des Sports: Schülerliga-Finale im Stadion, Ballbuben beim einzigen Österreich-Auftritt von Diego Maradona, beste Golfer und Hürdensprinter des Landes.

Der Banküberfall und andere Realitätsschocks

Nicht alles in den 80ern war Romantik und Rally. 1989 wurde Drastils Filiale in Donaustadt überfallen. Ihm wurde eine Pistole ins Gesicht gehalten. Das Szenario war besonders stressig, weil das Baby einer Kundin die ganze Zeit schrie. Als der Bankräuber flüchtete, rannte Drastil zu früh nach, um die Glastüren zu versperren. Der Täter drehte sich nochmal um, kam aber nicht zurück. Drastil bekam zu Recht eine Schelte – man soll nicht den Helden spielen. Ein Foto aus der Überwachungskamera mit Kolleginnen, Kundinnen und ihm am Boden wurde in der Tageszeitung „Täglich Alles" gedruckt – sein erster Auftritt in einer Zeitung.

Auch die Bundesheer-Zeit liefert Geschichten, die zwischen Absurdität und Lebenserfahrung changieren. Der Tennisarm, der ihn vom Jäger zum Kompanieschreiber machte und ihm plötzlich Macht über die Dienstpläne der Ausbildner gab. Die Episode bei der Post, die nächtliche Spaß-Attacke auf die ehemalige Kaserne mit seinen Kumpel. Was Drastil beim Heer nach eigener Aussage lernte: sich zu arrangieren, geben und nehmen.

Die Lehren der 80er für den Kapitalmarkt von heute

Die 1980er Jahre an der Wiener Börse waren eine Phase des Erwachens. Ein Markt, der 16,5 Jahre brauchte, um von 100 auf 125 Indexpunkte zu kommen, schoss 1985 um 130 Prozent nach oben und wurde zum weltweit besten Aktienmarkt. Die IPO-Welle von 1986 bis 1989 brachte Unternehmen an die Börse, die zum Teil bis heute gelistet sind – OMV, Verbund, EVN.

Drastils persönliche Geschichte zeigt, wie eine Generation von Finanzprofis entstand: nicht durch schulische Bildung, sondern durch Eigeninitiative, Printmedien wie den Börsen-Kurier und die praktische Arbeit in Bankfilialen. Die Fähigkeit zum schnellen Kopfrechnen, von der Mutter beigebracht, erwies sich als ebenso wertvoll wie die Erfahrung, beim Schwarzen Montag 1987 durch reines Glück verschont geblieben zu sein.

Die 80er waren, so Drastils Fazit, „eine der besten Phasen" – für ihn persönlich als Romantiker, aber auch für die Wiener Börse, die aus einem Dornröschenschlaf erwachte. Die Wertpapiere und die Wiener Börse, so schließt er das Kapitel, „sollten gekommen sein, um zu bleiben." Was in den 90ern daraus wurde, dürfte Gegenstand weiterer Buchkapitel sein. Die Grundlage – fachlich, emotional und biografisch – wurde in dieser Dekade gelegt. Das Buch erzählt die Geschichte bis 2026., 15.000 Tage. Siehe auch http://www.audio-cd.at/fanboybuch