Das neue Depot in Leopoldsdorf östlich von Wien ist mehr als ein Infrastrukturprojekt. Es steht sinnbildlich für die Wachstumsstrategie von Stadler Rail — ambitioniert, mit klarer Logik, aber begleitet von operativen Baustellen, die das Bild trüben.

Rekordauftragsbuch trifft auf Altlasten

Die Zahlen für 2025 sprechen zunächst eine klare Sprache: Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 3,7 Milliarden Schweizer Franken, der Reingewinn verdoppelte sich auf 100,7 Millionen Franken. Der Auftragsbestand erreichte mit 32,3 Milliarden einen historischen Höchststand — Grundlage für einen erwarteten Umsatzsprung von 30 bis 40 Prozent in diesem Jahr auf über 5 Milliarden Franken.

Das neue Depot in Leopoldsdorf soll genau dieses Wachstum langfristig absichern. Zunächst zieht das Typentestzentrum für ÖBB-Doppelstockzüge dorthin, mittelfristig soll ein vollwertiger Instandhaltungsstützpunkt für österreichische Kunden entstehen. Jeder Fahrzeugauftrag bringt potenziell Jahrzehnte an Folgegeschäft — Ersatzteile, Modernisierungen, Service. Auf genau diesen Kreislauf zielt Leopoldsdorf ab.

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Allerdings hat die Wachstumsstory Risse. Wegen Lärm- und Vibrationsproblemen an neu konstruierten Drehgestellen wurde die Abnahme des Modells TINA in Darmstadt und Basel gestoppt. 25 Fahrzeuge müssen bis Ende 2026 auf eigene Kosten nachgerüstet werden. Parallel ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft, warum das Notbremssystem eines Tramlink-Modells bei einem Unfall in Mailand nicht auslöste. Finanziell drückt der freie Cashflow ins Minus, und Finanzchef Raphael Widmer erwartet auch 2026 noch kein positives Nettoumlaufvermögen. Laut UBS gehören die Stadler-Titel zudem zu den Aktien mit dem höchsten Anteil an Leerverkäufen im Markt.

Verwaltungsrat im Generationenwechsel

Parallel zum operativen Umbau bereitet sich Stadler auf einen Wechsel an der Verwaltungsratsspitze vor. An der Generalversammlung vom 5. Mai 2026 in Zürich treten Christoph Franz und Wojciech Kostrzewa nach rund 15 bzw. 14 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl an. Als Nachfolger schlägt Stadler Sabrina Soussan und Michael Schöllhorn vor — Soussan war unter anderem Co-CEO bei Siemens Mobility und führte danach Dormakaba sowie den Infrastrukturkonzern Suez, Schöllhorn leitet seit 2021 Airbus Defence and Space.

Gleichzeitig wächst die Belegschaft weiter. Nach rund 2.000 neuen Stellen im Vorjahr sollen 2026 weitere 1.000 hinzukommen, davon 200 bis 300 in der Schweiz — der Konzern käme damit auf rund 18.000 Vollzeitstellen.

Die Generalversammlung am 5. Mai markiert den nächsten konkreten Prüfstein. Dann entscheidet sich, wie Investoren den Umbau an der Spitze bewerten — und ob das erwartete Umsatzwachstum die operativen Belastungen tatsächlich überwiegt. Die Halbjahreszahlen 2026 werden zeigen, ob die angestrebte EBIT-Marge von über 5 Prozent erreichbar ist.

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