Bei Siemens Energy läuft es operativ so rund wie lange nicht mehr – doch ausgerechnet vor der Hauptversammlung am 26. Februar in Berlin prasseln neue Unsicherheiten auf den Konzern ein. Im Mittelpunkt stehen der Ausbau in den USA, die Gamesa-Strategie und die Frage, wie belastbar die jüngsten Rekordzahlen sind, wenn Washington bei Zöllen erneut umsteuert. Kann Siemens Energy die USA wirklich zum Wachstumsmotor machen, ohne dass neue Handelsbarrieren den Rückenwind ausbremsen?

USA als Wachstumstreiber – trotz Zoll-Wirrwarr

CEO Christian Bruch zeichnet in seiner vorbereiteten Rede zur Hauptversammlung ein klares Bild: Der US-Strommarkt wachse schneller als andere Regionen. Dazu passt die angekündigte Milliardeninvestition in die US-Fertigung. Geplant sind Erweiterungen in mehreren Bundesstaaten sowie ein neues Schaltanlagenwerk in Mississippi, das 2028 fertig werden soll. Die USA stehen laut Unternehmensangaben für rund 22% des Umsatzes; zudem soll die Expansion die globale Produktionskapazität für Großturbinen um etwa ein Fünftel erhöhen.

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Gleichzeitig sendet die US-Handelspolitik gemischte Signale. Zwar erklärte der Supreme Court die unter dem IEEPA verhängten Zölle für verfassungswidrig, doch nur Stunden später folgte eine neue Zollverordnung: zunächst 10% global, am nächsten Tag bereits 15% – diesmal auf Basis des Trade Act von 1974. Für Siemens Energy ist das Bild ambivalent: Ein hoher US-Fertigungsanteil kann direkte Belastungen dämpfen. CFO Maria Ferraro stellte für 2026 dennoch eine Zollbelastung im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich in Aussicht, wenn auch niedriger als die rund 200 Mio. Euro im Vorjahr.

Rekordquartal liefert Rückenwind

Die Diskussionen vor der Hauptversammlung treffen auf ein starkes Fundament. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (Oktober bis Dezember 2025) meldete Siemens Energy Rekorde beim Auftragseingang (rund 17,6 Mrd. Euro) und beim Auftragsbestand (146 Mrd. Euro). Der Umsatz stieg auf 9,7 Mrd. Euro (+12,8% auf vergleichbarer Basis). Das Ergebnis vor Sondereffekten lag bei 1,159 Mrd. Euro (12% Marge), das Nettoergebnis bei 746 Mio. Euro. Auch der Free Cashflow vor Steuern fiel mit 2,869 Mrd. Euro deutlich höher aus.

Die Jahresprognose bleibt bestätigt: Siemens Energy erwartet 11 bis 13% Umsatzwachstum (vergleichbar) und eine Marge vor Sondereffekten von 9 bis 11%.

An der Börse spiegelt sich die gute Form ebenfalls wider. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 164,50 Euro. Auf 30 Tage summiert sich das Plus auf knapp 22%, und das Papier notiert nur rund 0,75% unter dem 52‑Wochen-Hoch. Auffällig: Der RSI (14 Tage) liegt mit 85,4 auf einem sehr hohen Niveau – ein Hinweis auf eine stark gelaufene, kurzfristig überhitzte Bewegung.

Gamesa und Rosatom: Zwei Nebenschauplätze mit Gewicht

Ein großes HV-Thema dürfte Siemens Gamesa bleiben. Drei Großaktionäre (DWS, Deka Investment und Union Investment) plädieren dafür, zunächst die Sanierung voranzutreiben, bevor eine Abspaltung diskutiert wird. Hintergrund ist auch der Druck des Aktivisten Ananym Capital, der eine Trennung fordert. Operativ gibt es zumindest eine Verbesserung: Gamesa verringerte den operativen Verlust im Quartal auf 46 Mio. Euro (nach 374 Mio. Euro im Vorjahr). Das Management hält am Ziel fest, im laufenden Geschäftsjahr den Break-even zu erreichen.

Zusätzliche Aufmerksamkeit bringt die Meldung aus Ungarn: Rosatom bestätigte die Kündigung des Vertrags über Leittechnik-Komponenten für das Kernkraftwerk Paks II. Rosatom begründete das mit nicht erfüllten Verpflichtungen; Siemens Energy widersprach und verwies darauf, dass zum Kündigungszeitpunkt keine sanktionsbedingten Einschränkungen bestanden hätten. Rosatom bezifferte den Anteil der betroffenen Komponenten auf weniger als 4% des Gesamtumfangs.

Am Donnerstag, dem 26. Februar, wird die Hauptversammlung damit zum Stimmungscheck: Wie überzeugend Siemens Energy die US-Expansion trotz neuer Zoll-Unsicherheit einordnet, wie klar der Fahrplan bei Gamesa ausfällt und wie das Management den Rekord-Auftragsbestand in profitables Wachstum übersetzen will, dürfte die Debatte dominieren.

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