Die Salesforce-Aktie steckt in einer spannenden Konstellation: Auf der einen Seite steht ein deutlicher Bewertungsabschlag, auf der anderen Seite die Sorge vor einem strukturellen Bruch im klassischen Softwaregeschäft. Nach einem Kursrückgang von rund 40 % seit den Hochs von Januar 2025 notiert der Titel derzeit nahe dem 52‑Wochen-Tief bei 221,58 US‑Dollar. Die zentrale Frage: Spiegelt die günstige Bewertung eine Chance wider – oder das Risiko einer „AI Value Trap“?

Warnung vor der „AI Value Trap“

Ein aktueller Bericht von 22V Research hat die Diskussion neu angefacht. Analyst Jordi Visser bezeichnete die Schwäche traditioneller Softwarewerte am 22. Januar als mögliche „AI Value Trap“. Im Mittelpunkt steht die These, dass sogenannte Agentic AI – autonom agierende KI, die Aufgaben eigenständig ausführt – die Nachfrage nach klassischen SaaS-Sitzlizenzen dauerhaft drücken könnte.

Setzen Unternehmen verstärkt KI-Agenten statt zusätzlicher Mitarbeiter ein, sinkt der Bedarf an einzelnen Salesforce-„Seats“. Diese Sorge liefert eine Erklärung dafür, warum die Aktie deutlich unter ihren historischen Bewertungsmultiples gehandelt wird und warum auch andere Branchengrößen wie Adobe oder ServiceNow unter Druck stehen. Visser warnt ausdrücklich, dass die optisch günstige Bewertung weniger eine Einstiegsgelegenheit als vielmehr ein Hinweis auf einen schrumpfenden adressierbaren Markt sein könnte.

„Agentforce“ als Gegenentwurf

Das Management reagiert offensiv auf diese Befürchtungen und richtet das Geschäftsmodell stärker auf genau jene Technologie aus, die das alte Lizenzmodell infrage stellt. Führungskräfte betonten am 21. Januar, dass im Zeitalter autonomer Agenten „Kontext König ist“. Salesforce fokussiert sich dabei auf die eigene Agentforce-Plattform, zunächst mit klarer Ausrichtung auf den Gesundheitssektor.

Zu den jüngsten bestätigten Entwicklungen zählen:

  • Neue Partnerschaften: Integration von Viz.ai für Echtzeit-Klinikdaten und Ellipsis Health für Voice-Agent-Services direkt in Agentforce.
  • Dynamisches Wachstum: Agentforce und Data360 steigerten ihre Umsätze um rund 114 %, Agentforce zeigt dabei ein dreistelliges Wachstumstempo.
  • Strategische Weichenstellung: CEO Marc Benioff setzt sich öffentlich für KI-Regulierung ein und treibt parallel die tiefere Verzahnung der Plattform mit Slack voran, um im täglichen Workflow verankert zu bleiben.

Damit versucht Salesforce, die AI-Risiken in eine Wachstumsstory zu drehen und die Relevanz der eigenen Lösungen im Agenten-Zeitalter zu untermauern.

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Bewertungen, Kennzahlen und Analystenbild

Trotz der Skepsis gegenüber dem traditionellen SaaS-Modell liegen Analystenschätzungen deutlich über dem aktuellen Kurs. Das führt zu einer klaren Diskrepanz zwischen Marktpreis und Expertenprognosen.

Wichtige Kennzahlen im Überblick:

  • Aktueller Kurs: 221,58 US‑Dollar
  • Durchschnittliches Analystenkursziel: 329,65 US‑Dollar (Potenzial rund 48,8 %)
  • Konsensrating: „Moderates Kaufen“ (44 Kauf-, 13 Halte-, 1 Verkaufsempfehlung)
  • Marktkapitalisierung: 210,94 Mrd. US‑Dollar
  • KGV: ca. 29,6
  • Nächster Zahlen-Termin: Quartalsbericht am 4. März 2026

Das Bewertungsniveau signalisiert für viele Analysten weiterhin Aufwärtspotenzial, auch wenn strukturelle Risiken inzwischen stärker im Fokus stehen.

Institutionelle Verkäufe, Insiderkäufe

Ein Blick auf die Eigentümerstruktur zeigt ein geteiltes Bild. Mehrere institutionelle Investoren haben ihre Positionen zuletzt deutlich reduziert. Locust Wood Capital Advisers LLC senkte das Engagement um 42,8 % und trennte sich von über 182.000 Aktien. Bey Douglas LLC verringerte seinen Bestand um 26,1 %.

Dem gegenüber steht ein markanter Insiderkauf: Aufsichtsrat G. Mason Morfit erwarb jüngst 96.000 Aktien und investierte rund 25 Mio. US‑Dollar. Während CEO Marc Benioff und Mitgründer Parker Harris Aktien verkauften, sendet Morfits Zukauf ein deutliches Signal des Vertrauens in das aktuelle Kursniveau.

Solide Basis, gebremstes Wachstum

Operativ ist das Unternehmen nach wie vor profitabel, auch wenn die Wachstumsdynamik gegenüber früheren Jahren nachgelassen hat. Im dritten Quartal 2025 erzielte Salesforce einen Gewinn je Aktie von 3,25 US‑Dollar und übertraf damit die Markterwartung von 2,86 US‑Dollar. Der Umsatz legte im Jahresvergleich um 9,1 % auf 10,26 Mrd. US‑Dollar zu.

Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 (bis 31. Januar 2026) peilt das Management einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 3,02 und 3,04 US‑Dollar an. Trotz des schwächeren Tempos generiert Salesforce weiterhin kräftige freie Mittelzuflüsse; auf Zwölfmonatsbasis liegen diese bei 12,9 Mrd. US‑Dollar. Die Dividendenrendite von rund 0,75 % bleibt zwar überschaubar, bietet aber einen kleinen Puffer.

Entscheidend für die Kursentwicklung in den kommenden Wochen dürften vor allem die Zahlen und Aussagen Anfang März sein – insbesondere, ob Salesforce mit Agentforce überzeugend darlegen kann, dass KI-Agenten nicht nur Sitzlizenzen ersetzen, sondern neue, tragfähige Erlösquellen erschließen.

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