Nach einem Jahr mit heftigem Rückschlag versucht Redcare Pharmacy zum Jahresauftakt 2026, das Vertrauen des Marktes zurückzugewinnen. Entscheidende Stellschrauben sind dabei ein geänderter Analystenblick und ein wichtiger Schritt beim Schuldenmanagement. Im Kern geht es um die Frage, ob sich aus dieser Kombination mehr ergibt als nur eine technische Gegenbewegung.

Analysten ziehen die Notbremse – aber unterschiedlich

Den jüngsten Stimmungswechsel am Markt hat vor allem eine Neubewertung durch UBS ausgelöst. Die Schweizer Großbank hat Redcare Pharmacy von „Sell“ auf „Neutral“ hochgestuft und ein Kursziel von 74 Euro angesetzt. Nach dem Kursverfall im Jahr 2025 signalisiert UBS damit, dass sie das Abwärtspotenzial auf dem aktuellen Niveau als begrenzt ansieht.

Ganz anders positioniert sich Barclays: Die Bank bleibt bei „Overweight“ und sieht den fairen Wert deutlich höher bei 130 Euro. Dahinter steht die Erwartung, dass strukturelle Trends wie E‑Rezepte und eine weitere Konsolidierung im Online-Apothekenmarkt den Umsatz und die Ertragskraft deutlich anschieben könnten.

Die Spanne zwischen 74 und 130 Euro macht klar, wie weit die Einschätzungen auseinanderliegen – von eher vorsichtiger Normalisierung bis hin zu klar optimistischer Wachstumsthese.

Anleiherückzahlung als Stresstest für die Liquidität

Parallel zur Analysten-Debatte hat das Unternehmen seine Bilanzstruktur aktiv adressiert. Im Fokus steht die 2021 begebene, bis 2028 laufende Wandelanleihe:

  • Rückzahlung der 2021/2028-Wandelanleihe
  • Ausgeübte Rückzahlungsrechte der Gläubiger
  • Mittelabfluss: rund 64,5 Mio. Euro

Gläubiger haben ihre Rückzahlungsoption gezogen, was zu einem spürbaren Cash-Abfluss geführt hat. Entscheidend: Redcare konnte diese Belastung im aktuellen Zinsumfeld schultern, ohne eine Not-Kapitalmaßnahme anstoßen zu müssen. Marktbeobachter werten das als Hinweis darauf, dass die Liquiditätslage robust genug ist, größere Fälligkeiten zu bedienen.

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Vor dem Hintergrund laufender Investitionen in Logistik und Marktausbau bleibt die Kasse aber ein zentraler Prüfstein. Die Frage, ob Wachstum und Profitabilität ausreichen, um künftige Investitionen und mögliche weitere Finanzierungsbedarfe zu stemmen, begleitet den Titel weiter.

Operativ auf dem richtigen, aber schmalen Pfad

Operativ zeigen die jüngsten Zahlen einen vorsichtigen Fortschritt. Im dritten Quartal erzielte Redcare eine bereinigte EBITDA-Marge von 2,4 Prozent. Damit gelingt es, trotz einer auf Expansion ausgerichteten Strategie im Plus zu bleiben.

Für Investoren ist die Kombination aus:

  • positiver, aber noch niedriger Marge
  • laufenden Investitionen
  • bedienten Schuldenverpflichtungen

ein zentrales Puzzleteil für die Vertrauensbildung. Gleichwohl spiegelt der deutliche Abstand zum Hoch des vergangenen Jahres die Skepsis wider, wie schnell sich Margen tatsächlich verbessern lassen und wie hart der Wettbewerb im europäischen Online-Apothekenmarkt bleibt.

Technische Ausgangslage und Kursbild

Charttechnisch versucht die Aktie, oberhalb der Zone um 66 Euro einen Boden auszubilden. Ein Blick auf die Kennzahlen unterstreicht den Charakter einer Erholungsphase nach einem tiefen Rücksetzer:

  • Schlusskurs Freitag: 67,15 Euro
  • 12-Monats-Veränderung: rund –49 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (138,40 Euro): etwa –51 %

Gegenüber dem 50‑Tage-Durchschnitt liegt der Kurs leicht im Plus, während der Abstand zur 200‑Tage-Linie mit gut –25 % den übergeordneten Abwärtstrend zeigt. Der RSI um 49 signalisiert weder Überkauf noch Überverkauf und passt zum Bild einer abwartenden Marktphase.

Fazit: Entscheidungsphase mit klaren Prüfsteinen

Redcare Pharmacy steht an einem Punkt, an dem Finanzstruktur und operative Entwicklung enger zusammenspielen müssen. Die erfolgreiche Rückzahlung der Wandelanleihe nimmt kurzfristigen Druck von der Liquiditätsseite, das UBS-Upgrade entlastet die Stimmung. Gleichzeitig zeigt die große Lücke zu optimistischen Kurszielen wie dem von Barclays, dass der Markt erst belastbare Belege für dauerhaft profitables Wachstum sehen will.

In den kommenden Quartalen wird es daher vor allem darauf ankommen, ob das Unternehmen die EBITDA-Margen weiter steigern und zugleich den Spagat zwischen Expansion und finanzieller Disziplin halten kann – daran dürfte sich entscheiden, ob der aktuelle Versuch einer Bodenbildung in eine nachhaltigere Erholung übergeht.

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