Redcare Pharmacy Aktie: Herausforderungen identifiziert
Redcare hat mit seinen vorläufigen Q4-Zahlen 2025 die Erwartungen verfehlt – und zwar ausgerechnet in einem zentralen Bereich: dem Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Produkten. Gleichzeitig wächst das verschreibungspflichtige Segment deutlich stärker als gedacht und unterstreicht den strukturellen Rückenwind durch E-Rezepte und den Wandel im Apothekenmarkt. Wie passt dieses Spannungsfeld aus kurzfristiger Enttäuschung und langfristigen Chancen zusammen?
Non-Rx schwächelt, Rx überzeugt
Auslöser des jüngsten Drucks auf die Aktie waren die vorläufigen Umsätze für das vierte Quartal 2025. Der Konzernumsatz lag mit 794 Mio. Euro rund 3 % unter der Markterwartung. Hauptgrund: Das Non-Rx-Geschäft blieb klar hinter den Prognosen zurück.
Im Detail ergibt sich ein gemischtes Bild:
- Der deutsche Rx-Umsatz erreichte im Schlussquartal 155 Mio. Euro, ein Plus von 59 % zum Vorjahr und leicht über Konsens.
- Auf Jahressicht kam der deutsche Rx-Umsatz auf 503 Mio. Euro und lag damit über der eigenen Prognose von 500 Mio. Euro.
- Im DACH-Raum verfehlte das Non-Rx-Segment die Erwartungen um etwa 10 %.
- International lagen die Non-Rx-Umsätze rund 3 % unter den Schätzungen.
- Der Konzernumsatz 2025 summierte sich auf 2,94 Mrd. Euro, was einem Wachstum von 24 % entspricht.
Positiv stach zudem das Schweizer Rx-Geschäft heraus: Hier stiegen die Umsätze im vierten Quartal um 15 % und lagen damit etwa 12 % über Konsens. Insgesamt bestätigt das starke Rezeptgeschäft den strukturellen Trend hin zur Online-Apotheke, auch wenn das Non-Rx-Segment aktuell bremst.
Redcare hält trotz der gemischten Quartalsstruktur an seiner Prognose für die bereinigte EBITDA-Marge von 2,0 % bis 2,5 % für das Gesamtjahr 2025 fest. Das signalisiert, dass das Management die Profitabilität weiter im Griff sieht, obwohl einzelne Umsatzzeilen enttäuschten.
Kurs unter Druck, Trend angeschlagen
Die Zahlenpräsentation hatte unmittelbare Folgen an der Börse. Am Tag der Veröffentlichung, dem 7. Januar 2026, verlor die Aktie rund 8 % und fiel von 71,50 auf 66,15 Euro. Seitdem konnte sich der Kurs nicht nachhaltig erholen und notiert aktuell bei 63,35 Euro.
Damit liegt die Aktie nur knapp über ihrem jüngsten Jahrestief und deutlich unter den längerfristigen Durchschnittslinien. Aus technischer Sicht befindet sich der Wert weiterhin in einem mittelfristigen und langfristigen Abwärtstrend, auch wenn sich die kurzfristige Dynamik zuletzt etwas beruhigt hat.
Die vergangenen zwölf Monate waren für Anleger schmerzhaft: Vom 52‑Wochen-Hoch bei 138,40 Euro hat sich die Aktie mehr als halbiert, der Rückgang auf Jahressicht beträgt rund 47 %. Immerhin: Zum 52‑Wochen-Tief besteht aktuell ein geringer Abstand nach oben, was auf eine erste Stabilisierung hindeutet.
Analysten zwischen Skepsis und Optimismus
Auf die vorläufigen Q4-Zahlen reagierten Analysten mit teils deutlich auseinanderliegenden Kurszielen. Die Spanne reicht inzwischen von 74 bis 200 Euro – ein ungewöhnlich breites Feld, das die Unsicherheit über die weitere Entwicklung widerspiegelt.
Konkret:
- Deutsche Bank bleibt bei „Kaufen“, senkt das Kursziel aber von 214 auf 200 Euro.
- Baader Bank empfiehlt ebenfalls „Kaufen“ mit Kursziel 175 Euro.
- Berenberg sieht den fairen Wert bei 165 Euro (Rating: „Kaufen“).
- Jefferies bleibt bei „Kaufen“ mit Ziel 150 Euro.
- Barclays stuft die Aktie mit „Overweight“ ein und setzt das Ziel bei 130 Euro.
- UBS ist mit „Neutral“ deutlich vorsichtiger und nennt 74 Euro als Kursziel.
Im Durchschnitt ergibt sich daraus ein Zielkurs von 142,75 Euro. Ausgehend vom aktuellen Niveau impliziert das ein beträchtliches Aufwärtspotenzial. Bemerkenswert: Sechs Analysten empfehlen derzeit den Kauf, ein Verkaufsvotum liegt nicht vor. Gleichzeitig zeigen die Kurszielreduktion der Deutschen Bank und die vorsichtige Haltung der UBS, dass das schwächere Non-Rx-Geschäft nicht ignoriert wird.
Strukturelle Trends spielen Redcare in die Karten
Abseits der kurzfristigen Enttäuschung im Non-Rx-Segment spricht die Branchenentwicklung weiter für Online-Anbieter. In Deutschland setzte sich 2025 der Rückgang bei stationären Apotheken fort: Zum Jahresende waren noch 16.601 Filialen aktiv, 440 weniger als im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 2,6 % und dem niedrigsten Stand seit fast 50 Jahren.
Diese Konsolidierung stärkt strukturell die Position digitaler Plattformen. Redcare profitiert zudem vom fortschreitenden Rollout des E‑Rezepts. Das nahezu verdoppelte deutsche Rx-Geschäft im Jahr 2025 zeigt, wie stark dieser Hebel inzwischen wirkt.
Vor diesem Hintergrund erscheint die aktuelle Schwäche im Non-Rx-Bereich eher als zyklischer Bremsklotz innerhalb eines grundsätzlich intakten Wachstumsmodells – zumindest legen das die vorliegenden Zahlen im Rx-Bereich nahe.
Ausblick: Wichtiger Termin im März
Operativ bleibt für Redcare nun entscheidend, ob sich die Non-Rx-Schwäche als temporäre Delle oder als dauerhafter Trend erweist und ob das dynamische Wachstum im Rx-Bereich anhalten kann. Konkrete Antworten darauf dürfte der Kapitalmarkt am 4. März 2026 erhalten: Dann legt das Unternehmen die vollständigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vor und gibt erstmals eine Prognose für 2026. Dieser Termin wird für die Einordnung von Wachstumstempo, Margenentwicklung und der Balance zwischen Rx- und Non-Rx-Geschäft maßgeblich sein.
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