Puma Aktie: Übernahmedruck
Der deutsche Sportartikelhersteller steht plötzlich im Zentrum eines möglichen Eigentümerwechsels. Anta Sports aus China hat ein Angebot für den 29-Prozent-Anteil der Pinault-Familie vorgelegt – und trifft damit auf einen Konzern, der operativ schwächelt und an Markenstrahlkraft verloren hat. Wie viel ist Puma den potenziellen Käufern wirklich noch wert?
Anta Sports zielt auf Pinault-Anteil
Am 8. Januar 2026 wurde bekannt, dass Anta Sports ein formelles Übernahmeangebot für den von Artémis gehaltenen Puma-Anteil eingereicht hat. Artémis ist das Investmentvehikel der französischen Milliardärsfamilie Pinault, die über Kering im Luxussegment stark engagiert ist.
Kern der aktuellen Hängepartie ist der Preis:
Artémis signalisiert laut Medienberichten eine Erwartung von über 40 Euro je Aktie – deutlich über dem aktuellen Kurs von 22,82 Euro und klar oberhalb der Marke von 24,91 Euro, die die Aktie nach der Meldung als höchsten Stand seit Mai 2025 erreicht hatte.
Die unmittelbare Reaktion des Marktes auf das Bekanntwerden der Offerte fiel deutlich aus:
- Kurssprung von rund 8,5% am 8. Januar
- Zwischenzeitlicher Anstieg auf 24,91 Euro
- deutlich erhöhtes Handelsvolumen
- Marktkapitalisierung auf etwa 3,6 Milliarden Euro angewachsen
Seitdem hat sich der Kurs wieder bei 22,82 Euro eingependelt. Damit liegt die Aktie zwar rund 1,9% über dem Stand zu Jahresbeginn, aber immer noch gut 45% unter dem 52‑Wochen-Hoch von 41,81 Euro.
Strategische Logik für Anta
Anta Sports ist im Übernahmegeschäft westlicher Sport- und Outdoor-Marken erfahren. 2019 führte der Konzern ein Konsortium an, das Amer Sports übernahm – den Eigentümer von Wilson, Salomon und Arc'teryx. Die Integration und Neuausrichtung dieser Marken hat Anta in der Branche als ernstzunehmenden „Markenentwickler“ positioniert.
Puma würde gut in dieses Muster passen:
- etablierte europäische Fußball- und Lifestyle-Marke
- globale Präsenz, aber schwächere Dynamik als direkte Wettbewerber
- Potenzial, um Antas Position im internationalen Wettbewerb mit Nike und Adidas zu stärken
Aus Sicht eines strategischen Käufers könnte gerade die aktuelle Schwächephase den Einstieg attraktiver machen – vorausgesetzt, Preis und Turnaround-Perspektive lassen sich in Einklang bringen.
Operative Schwäche als Hintergrund
Dass die Offerte aus China ausgerechnet jetzt kommt, ist kein Zufall. Das Unternehmen steckt in einer deutlichen Schwächephase:
- Umsatzrückgang von 8,5% in den ersten neun Monaten 2025
- Verlust von 308,9 Millionen Euro im gleichen Zeitraum
- geplanter Abbau von rund 1.400 Stellen in der Verwaltung, davon 900 bis Ende 2026
- wichtige Sneaker-Releases wie der Speedcat blieben hinter den Erwartungen zurück
CEO Arthur Hoeld präsentierte im Oktober 2025 einen Turnaround-Plan. Ein zentrales Problem ist die fehlende „Brand Heat“ – also die emotionale Bindung und Begeisterung der Konsumenten, die Wettbewerber wie On, Hoka oder Adidas aktuell deutlich stärker erzeugen.
Dass der Kurs auf Sicht von zwölf Monaten um über 45% gefallen ist, spiegelt diese operative Unsicherheit klar wider. Gleichzeitig notiert die Aktie mit einem Abstand von gut 47% über dem 52‑Wochen-Tief von 15,48 Euro und rund 8–10% über den gleitenden Durchschnitten der letzten 100 und 200 Tage – ein Hinweis darauf, dass der Markt bereits einen Teil der Übernahmefantasie eingepreist hat. Der RSI von 73,2 signalisiert kurzfristig ein überkauftes Niveau.
Pinault-Familie sucht Optionen
Für die Pinault-Familie ist die Beteiligung seit Jahren als „nicht-strategisch“ eingeordnet. Bereits 2018 wurde Puma aus Kering herausgelöst, um den Luxuskonzern stärker auf Marken wie Gucci zu fokussieren.
Hinzu kommt die finanzielle Perspektive: Artémis steht im Blickpunkt, weil François-Henri Pinault in den vergangenen Jahren hohe Investitionen in die Diversifizierung jenseits von Gucci getätigt und dafür Schulden aufgebaut hat. Ein Verkauf des 29-Prozent-Pakets zu attraktiven Konditionen würde spürbar Kapital freisetzen und die Bilanz des Investmentvehikels entlasten.
Derzeit stocken die Verhandlungen jedoch, da Käufer und Verkäufer offenbar noch weit auseinanderliegen. Anta soll zwar die Finanzierung gesichert haben, doch ohne Einigung beim Preis bleibt der Deal vorerst eine Option – keine Gewissheit.
Managementumbau und Analystenblick
Parallel zur M&A-Spekulation baut das Unternehmen das Top-Management im Marketing und in der Kommunikation um. Am 8. Januar 2026 wurde Nadia Kokni als Vice President Global Brand Marketing vorgestellt. Sie kommt von Hugo Boss und soll die Markenführung und Außenwirkung schärfen. Am 12. Januar folgte die Ernennung von Anne Putz zur Senior Director Corporate Communications.
An der Börse wird dieser Umbau registriert, die Analysten bleiben aber insgesamt vorsichtig:
- RBC Capital Markets bewertet die Aktie mit „Neutral“ und einem Kursziel von 20 Euro – also unterhalb des aktuellen Kurses.
- Das durchschnittliche Kursziel von 20 Analysten liegt bei rund 24,27 Euro und damit nur knapp über dem Marktpreis.
- Bernstein hält an einer Kaufempfehlung mit einem Ziel von 24 Euro fest, was ebenfalls eher moderate Upside signalisiert.
Die Daten zeigen: Der Markt rechnet zwar mit einer gewissen Erholung, aber nicht mit einem schnellen Durchmarsch in Richtung der von Artémis ins Spiel gebrachten 40 Euro oder mehr.
Ausblick: Zahlen und Spekulation als Taktgeber
Bis zur Veröffentlichung der nächsten Quartalszahlen am 26. Februar 2026 dürfte die Übernahmespekulation ein zentraler Kurstreiber bleiben. Entscheidend wird, ob Anta und Artémis bei der Bewertung zusammenfinden – und ob die anstehenden Zahlen den Turnaround-Plan stützen oder infrage stellen. Für den weiteren Kursverlauf werden damit vor allem zwei Faktoren maßgeblich sein: der Fortschritt der Verhandlungen mit Anta und konkrete Signale, dass die operative Trendwende greift.
Puma-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Puma-Analyse vom 14. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Puma-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Puma-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 14. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Puma: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








