Der Konflikt um den möglichen Ausstieg des Großaktionärs Artemis stellt die Puma Aktie in ein ungewöhnlich unsicheres Licht. Der Markt ringt darum, wie viel das Unternehmen tatsächlich wert ist – und ob ein Einstieg von Anta Sports überhaupt zu den aktuell geforderten Konditionen realistisch ist. Genau hier prallen Übernahmefantasie und skeptischer Blick auf die Fundamentaldaten hart aufeinander.

Harter Preisstreit mit Anta Sports

Im Zentrum steht das rund 29-prozentige Aktienpaket der Familie Pinault, das über die Holding Artemis gehalten wird. Artemis verhandelt über einen Verkauf an den chinesischen Sportartikelkonzern Anta Sports – doch die Positionen liegen weit auseinander.

Artemis fordert einen Preis von über 40 Euro je Aktie. Aus Marktsicht hätte das mehrere Konsequenzen:

  • Der verlangte Preis läge rund 70 % über dem aktuellen Kurs von 21,82 Euro.
  • Er entspräche ziemlich genau dem 52-Wochen-Hoch von 40,81 Euro.
  • Die Bewertung würde sich klar an früheren Höchstständen orientieren, nicht an der jüngsten Geschäftsentwicklung.

Anta Sports soll zwar ein offizielles Gebot vorgelegt haben, zeigt sich Berichten zufolge aber nicht bereit, diese hohe Prämie zu zahlen. Die Gespräche sind damit ins Stocken geraten. Solange keine Seite nachgibt, droht der Deal zu scheitern – und mit ihm der wichtigste Kurstreiber der vergangenen Wochen.

Der aktuelle Kurs liegt mit 21,82 Euro zwar rund 41 % über dem 52-Wochen-Tief von 15,48 Euro, zugleich aber fast 47 % unter dem Jahreshoch. Der Markt preist damit bereits einen gewissen Übernahmebonus ein, ohne den geforderten Artemis-Preis auch nur annähernd zu reflektieren.

Analysten gespalten: Spannbreite von 19,60 bis 40 Euro

Die Unsicherheit spiegelt sich deutlich in den Kurszielen der Analysehäuser. Die Bewertungsspanne ist außergewöhnlich weit und reicht von knapp unter dem aktuellen Kurs bis auf das Niveau der Artemis-Forderung:

  • Berenberg Bank: Einstufung „Buy“, Kursziel 40 Euro – also auf Höhe der von Artemis angestrebten Marke und fast eine Verdoppelung des aktuellen Kurses.
  • Bernstein Research: Rating „Outperform“, Kursziel 24 Euro – moderates Aufwärtspotenzial im einstelligen Prozentbereich.
  • UBS: Einstufung „Neutral“, Kursziel 19,60 Euro – damit liegt die Schweizer Bank unter dem aktuellen Kurs.

Vor allem die UBS stellt nicht die Übernahmespekulation in den Vordergrund, sondern die operative Entwicklung. Die Analysten sehen die jüngsten Kursbewegungen im Wesentlichen als spekulativ getrieben und verweisen auf strukturelle Probleme im Kerngeschäft.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Puma?

Fundamentale Schwächen und Leerverkäufer

Aus fundamentaler Sicht zeichnet sich ein deutlich trüberes Bild, als es die erhoffte Transaktion mit Anta Sports vermuten lässt. Nach Einschätzung der UBS drohen im Geschäftsjahr 2026 weitere Umsatzrückgänge und sogar mögliche Verluste. Belastungsfaktoren sind insbesondere:

  • hohe Lagerbestände,
  • schwache Nachfrage in den Kernregionen Europa, USA und China,
  • ein insgesamt schwieriges Umfeld im Sport- und Lifestyle-Segment.

Diese Kombination erschwert es einem potenziellen Käufer wie Anta Sports, einen Kaufpreis von über 40 Euro je Aktie gegenüber den eigenen Anteilseignern zu rechtfertigen. Der von Artemis geforderte Bewertungsansatz steht damit in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu den konservativeren Einschätzungen, die auf der operativen Lage basieren.

Zusätzlichen Druck bringen Leerverkäufer ins Spiel. Professionelle Marktteilnehmer wie Two Sigma Investments haben ihre Short-Positionen zuletzt ausgebaut. Das ist ein klares Signal, dass ein Teil des Marktes die aktuelle Bewertung für anfällig hält – gerade vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen und der gemischten Analystenmeinungen.

Technisches Bild: Erholung, aber überkauft

Trotz der angespannten fundamentalen Lage hat sich der Kurs zuletzt von seinem Tief gelöst. Auf Sicht von zwölf Monaten steht mit rund -46 % allerdings weiterhin ein deutlicher Rückgang zu Buche. Seit Jahresanfang ergibt sich ein moderater Verlust, während der Kurs in den vergangenen 30 Tagen leicht nachgegeben und auf Wochensicht stärker verloren hat.

Technisch betrachtet bewegt sich die Aktie aktuell über wichtigen Durchschnittslinien:

  • Der Kurs von 21,82 Euro liegt über dem 50-Tage-Durchschnitt von 20,93 Euro.
  • Auch der 200-Tage-Durchschnitt von 21,03 Euro wird knapp übertroffen.

Auffällig ist jedoch der Relative-Stärke-Index (RSI) von 73,2 Punkten auf 14-Tage-Basis. Ein Wert oberhalb von 70 gilt klassisch als überkauftes Terrain – ein Hinweis darauf, dass kurzfristig überproportionale Kursanstiege eher ausgereizt sein könnten, insbesondere wenn sie stark von Spekulationen getrieben sind. Die hohe annualisierte 30-Tage-Volatilität von 76,54 % unterstreicht, wie nervös der Markt derzeit agiert.

Fazit: Viel Fantasie, wenig Klarheit

Im MDAX gehört die Puma Aktie mit einem Rückgang von rund der Hälfte ihres Werts binnen eines Jahres nach wie vor zu den deutlich geschwächten Titeln. Der aktuelle Kurs wird maßgeblich von der Hoffnung auf einen Einstieg von Anta Sports gestützt, während die operative Lage laut UBS-Prognosen eher für vorsichtigere Bewertungen spricht.

Kurzfristig bleibt die Aktie stark von Nachrichten rund um Artemis und Anta abhängig. Kommt es zu keiner Einigung und der Deal platzt, ist ein Rückgang in Richtung der vorsichtigeren Kursziele um und unterhalb von 20 Euro ein realistisches Szenario. Neue, harte Fakten zur Geschäftsentwicklung stehen mit der Vorlage der Zahlen am 26. Februar 2026 an – erst dann lässt sich besser einordnen, ob die aktuelle Mischung aus Übernahmefantasie und fundamentaler Skepsis tragfähig ist oder eine weitere Korrektur nach sich zieht.

Puma-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Puma-Analyse vom 16. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Puma-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Puma-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Puma: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...