Oracle Aktie: Spannungsfeld AI
Oracle steht mitten in einem grundlegenden Streit an der Wall Street: Ist der Software-Riese einer der großen Gewinner des KI-Booms – oder überzieht er sich finanziell mit seiner Cloud-Offensive? Am Montag prallten zwei Welten direkt aufeinander: optimistische Großbanken auf der einen Seite, Shortseller-Prominenz Michael Burry auf der anderen.
Banken sehen Oracle als KI-Profiteur
Mehrere Investmentbanken haben Oracle zu Wochenbeginn klar in die Gewinner-Ecke gestellt. Analysten von Goldman Sachs und der Deutschen Bank kürten den Konzern am Montag zu einem ihrer Favoriten für ein Comeback des Software-Sektors im Jahr 2026 – angetrieben durch Künstliche Intelligenz.
Im Mittelpunkt steht die Cloud-Sparte Oracle Cloud Infrastructure (OCI). Die Experten sprechen von einem Wendepunkt: Die Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Anwendungen steigt kräftig, und Oracle positioniert sich als einer der Anbieter, die diese spezielle Infrastruktur liefern. Die erwartete Pipeline künftiger Verträge gilt in ihren Augen als so stark, dass sie Oracle in Teilen der Branche in eine Führungsrolle hebt.
Barclays unterstrich dieses Bild am gleichen Tag mit einer erneuten Kaufempfehlung. Zusammen sorgten diese Stimmen für Rückenwind – der Kurs liegt aktuell bei rund 205 Dollar und damit klar über seinem 50- und 200-Tage-Durchschnitt, was die jüngste Aufwärtsbewegung untermauert.
Michael Burry setzt dagegen
Für einen deutlichen Kontrapunkt sorgte jedoch Michael Burry, bekannt aus „The Big Short“. Ebenfalls am Montag wurde bekannt, dass er gegen Oracle wettet. In einem Substack-Beitrag legte er offen, dass er Put-Optionen hält und die Aktie zusätzlich leerverkauft hat.
Seine Kritik zielt vor allem auf zwei Punkte:
- die aus seiner Sicht problematische Investitionsstrategie
- die zunehmende Verschuldung des Konzerns
Burry sieht die aggressiven Ausgaben für den Aufbau neuer KI-Rechenzentren als Belastung. Die hohen Investitionen drücken auf den freien Cashflow und erhöhen den finanziellen Druck. Marktbeobachter werten seine Positionierung als warnendes Signal, dass der KI-Ausbau zwar Chancen bietet, aber kurzfristig die Bilanz spürbar beansprucht.
Operative Meldungen untermauern Wachstumsstory
Neben der Debatte um Chancen und Risiken gab es auch operative Nachrichten. Oracle meldete am Montag, dass Community Memorial Hospital künftig auf Oracle Health setzt, um sein elektronisches Patientenakten-System zu modernisieren. Das stärkt den Fußabdruck im Gesundheitssektor, einem Bereich mit oft langlaufenden Verträgen.
Bereits am Sonntag hatte der Konzern auf der NRF 2026 ein neues KI-gestütztes Produkt vorgestellt: die Oracle Retail Supply Chain Collaboration-Lösung. Sie soll Lieferketten im Handel effizienter und transparenter machen und zeigt, wie Oracle KI in konkrete Branchenanwendungen übersetzt.
Diese Meldungen passen ins Bild der Bullen: Oracle arbeitet daran, den KI-Hype in wiederkehrende Umsätze und vertraglich gesicherte Erträge zu überführen.
Der Kernkonflikt: Potenzial vs. Bilanzrisiken
Die Nachrichtenlage vom Montag bringt den zentralen Konflikt rund um Oracle auf den Punkt. Die positive Seite:
- stark wachsendes Auftragsvolumen im Cloud- und KI-Geschäft
- Positionierung als wichtiger Infrastruktur-Partner im KI-Zeitalter, auch im Wettbewerb mit Schwergewichten wie Microsoft und Google
- deutlicher Kursanstieg seit dem 52-Wochen-Tief im April 2025
Dieses Narrativ hatte bereits im September 2025 für eine kräftige Rally gesorgt, nachdem Oracle einen massiven Anstieg seiner sogenannten Remaining Performance Obligations – also des Werts der noch nicht realisierten, aber vertraglich gesicherten Umsätze – gemeldet hatte.
Auf der anderen Seite steht die Bilanzseite: Kritiker wie Burry fokussieren sich auf steigende Schulden, negativen freien Cashflow und die enorme Kapitalintensität des KI-Ausbaus. Diese Sorgen haben sich mit dem enttäuschenden Quartalsbericht im Dezember 2025 verschärft, als Oracle die Umsatzerwartungen verfehlte und die Aktie deutlich nachgab. Die Volatilität der vergangenen Wochen zeigt, dass der Markt diese Spannungen sehr genau einpreist.
Ausblick: Rückenwind in den Zahlen gefragt
Für die kommenden Monate kristallisiert sich ein zentraler Prüfstein heraus: Oracle muss zeigen, dass der volle Auftragsbestand tatsächlich in sichtbares Umsatzwachstum und wieder positive Cashflows umschlägt. Besonders im Fokus steht der nächste Quartalsbericht, der im März 2026 erwartet wird. Dann wird sich konkret ablesen lassen, ob die Cloud-Umsätze genügend Fahrt aufnehmen und ob sich das hohe Investitionstempo bei den Rechenzentren in den Zahlen widerspiegelt.
Das aktuelle Analystenbild bleibt trotz der prominenten Short-Position insgesamt konstruktiv mit einem moderaten Kaufvotum. Gleichzeitig deutet die Kombination aus starkem KI-Narrativ und offener Skepsis von Investoren wie Burry darauf hin, dass Oracle kurzfristig ein nervöser Titel bleiben dürfte – bis die kommenden Quartalszahlen klarere Antworten liefern, wie tragfähig die KI-Strategie finanziell wirklich ist.
Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 13. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 13. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Oracle: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








