Oracle Aktie: Lager gespalten
Oracle steht mitten in einer Grundsatzdebatte über die Tragfähigkeit des KI-Booms. Auf der einen Seite wettet „Big Short“-Investor Michael Burry gegen den Softwarekonzern. Auf der anderen Seite sehen Analysten nach dem Rücksetzer eine attraktive Einstiegschance. Wie begründen beide Lager ihre Sicht?
Der Burry-Case: Schulden, Bewertung, Ausführungsrisiko
Am Wochenende wurde bekannt, dass Michael Burry Put-Optionen auf Oracle erworben hat – ein klar bärischer Einsatz. Hintergrund: Die Aktie war zuvor von ihrem Rekordstand aus September 2025 um rund 40 % zurückgekommen, nachdem sie im Zuge des KI-Hypes deutlich angesprungen war.
Burry fokussiert sich vor allem auf zwei Punkte: die Bilanz und die Bewertung. Oracle sitzt laut den Berichten auf einer Schuldenlast von geschätzt 95 bis 100 Milliarden US-Dollar – in einem Umfeld hoher Zinsen ein klarer Risikofaktor. Steigende Finanzierungskosten treffen direkt die Ertragskraft und schränken den Spielraum für weitere Investitionen ein.
Zudem zweifelt der Investor daran, dass Oracle die enorme Ausbauoffensive im KI-Infrastrukturgeschäft reibungslos stemmen kann. Seine Short-These: Nach dem Kursanstieg von 36 % im September 2025 preist der Markt bereits sehr ambitionierte KI-Erlöse ein, die sich in der Realität verzögern oder mit geringeren Margen materialisieren könnten. Aus dieser Sicht wirkt die Aktie trotz der Korrektur weiterhin überbewertet.
Der Bull-Case: Cloud-Boom und Rekord-Auftragsbestand
Kontrastprogramm auf der Long-Seite: Eine am Sonntag veröffentlichte Analyse stuft Oracle auf „Buy“ hoch. Die Begründung: Der Kursrückgang habe die Bewertung auf Mehrjahrestiefs gedrückt und damit eine interessante Einstiegsgelegenheit geschaffen.
Im Mittelpunkt des optimistischen Szenarios stehen die Wachstumszahlen aus dem Cloud- und KI-Geschäft:
- Cloud-Umsatz: +34 % im Jahresvergleich
- Oracle Cloud Infrastructure (OCI): +68 %, deutlich schneller als viele Wettbewerber
- Remaining Performance Obligations (RPO): +438 % auf 523 Milliarden US-Dollar
Dieser Auftragsbestand gilt als zentrales Argument der Bullen. Er zeige, dass Oracle sich mit langfristigen Verträgen, insbesondere von KI-Schwergewichten wie OpenAI und Meta, ein enormes Umsatzpolster gesichert habe. Befürworter der Aktie sehen darin eine hohe Planbarkeit künftiger Erlöse, die die Sorgen um die Schuldenlast zumindest teilweise überlagern könnte.
Die These der optimistischen Seite: Der Markt unterschätzt, wie zäh und langfristig diese Infrastrukturverträge sind – und damit, wie viel Umsatzpotenzial bereits heute in den Büchern steht.
Governance, Großdeal und Capex-Druck
Parallel zur Debatte zwischen Bullen und Bären meldete Oracle Veränderungen im Aufsichtsrat. Zwei langjährige Direktoren, George H. Conrades (86) und Naomi O. Seligman (87), treten zurück. Das Unternehmen betont, es handle sich um eine geordnete Übergabe ohne inhaltliche Differenzen.
Strategisch ist die Diskussion kaum vom Mega-Deal mit OpenAI zu trennen. Im September 2025 hatte Oracle eine Cloud-Partnerschaft im Volumen von rund 300 Milliarden US-Dollar vereinbart. Diese Nachricht trieb die Aktie damals auf über 345 US-Dollar, ehe eine deutliche Korrektur einsetzte. Der Markt reagierte zunehmend nervös auf die massiven Investitionen, die mit solchen Verträgen einhergehen.
Um die KI-Infrastruktur aufzubauen, hat Oracle seine Investitionspläne für das Geschäftsjahr 2026 auf 50 Milliarden US-Dollar Capex hochgeschraubt. Genau hier treffen sich die Argumente beider Lager: Die einen sehen in den Milliardeninvestitionen die Grundlage für ein langfristig dominantes KI-Cloud-Geschäft, die anderen befürchten, dass Schuldenlast und Ausführungsrisiken das Unternehmen überfordern könnten.
Bewertung, Technik und Ausblick
Zum Wochenschluss legte die Oracle-Aktie zu und schloss am Freitag bei 198,52 US-Dollar, was einem Tagesplus von 4,68 % entspricht. Nach zwölf Monaten steht der Titel damit rund ein Viertel im Plus, zugleich aber immer noch deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch.
In den kommenden Monaten rückt vor allem eine Kennzahl in den Fokus: Kann Oracle die Prognose für das dritte Quartal einhalten, die ein Umsatzwachstum von 16 bis 18 % in konstanten Währungen vorsieht? Bären zweifeln daran, dass das Unternehmen Tempo und Profitabilität gleichzeitig halten kann. Bullen verweisen auf die 523 Milliarden US-Dollar RPO als Indiz, dass die Wachstumsbasis bereits gelegt ist.
Trotz der prominenten Short-Positionierung von Burry bleibt der breitere Analystenkonsens laut der jüngsten Einschätzung im Bereich „Moderate Buy“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 304,94 US-Dollar und signalisiert damit ein deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. Entscheidend für die weitere Kursrichtung wird sein, ob Oracle die hohe Erwartungshaltung an das KI-Cloud-Geschäft mit konkreten Zahlen aus den kommenden Quartalen untermauern kann.
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