Oracle Aktie: Klage rückt näher
Oracle will im KI-Cloud-Geschäft ganz nach oben – doch genau diese Offensive bringt das Unternehmen jetzt juristisch unter Druck. Eine neue Sammelklage wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs stellt die Frage in den Raum, ob Oracle Anleger bei KI-Rechenzentren und Investitionen zu rosige Erwartungen vermittelt hat. Und damit geht es nicht nur um Kommunikation, sondern auch um sehr viel Geld.
Sammelklage zielt auf KI-Aussagen
Die Kanzlei Kessler Topaz Meltzer & Check hat in den USA eine Securities-Fraud-Sammelklage gegen Oracle eingereicht. Betroffen ist ein klar definierter Zeitraum: Anleger, die zwischen dem 12. Juni 2025 und dem 16. Dezember 2025 Oracle-Aktien gekauft oder erworben haben, sollen laut Klageschrift durch „wesentliche Falschaussagen und/oder Auslassungen“ getäuscht worden sein.
Im Kern dreht sich der Vorwurf um Oracles Aussagen zur Leistungsfähigkeit und Skalierbarkeit seiner Rechenzentren für KI-Infrastruktur sowie um die Tragweite der dafür nötigen Investitionen (CapEx). Das Verfahren (Barrows v. Oracle Corporation, et al.) wurde am 3. Februar 2026 beim Bundesgericht in Delaware eingereicht. Bis spätestens 6. April 2026 können betroffene Investoren beantragen, als „Lead Plaintiff“ die Klage anzuführen.
Der Auslöser: CapEx nach oben, Cashflow nach unten
Als zentrales Ereignis nennt die Klage Oracles Zahlenvorlage vom 10. Dezember 2025. Damals meldete Oracle ein Umsatzwachstum im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 unter Analystenerwartungen – gleichzeitig lagen die Investitionsausgaben deutlich darüber. Besonders heikel: Der freie Cashflow rutschte im Quartal auf mehr als minus 10 Milliarden US-Dollar.
Der Druck erhöhte sich weiter, als Finanzchef Doug Kehring laut Klage die CapEx-Prognose für das Gesamtjahr 2026 auf 50 Milliarden US-Dollar anhob – rund 15 Milliarden mehr als die im September genannte Größenordnung. Gleichzeitig blieb Oracles Umsatzerwartung für das Gesamtjahr 2026 bei 67 Milliarden US-Dollar unverändert; für 2027 wurde die Umsatzprognose lediglich um 4 Milliarden US-Dollar erhöht. Genau dieser Mix ist der Kern der Klägerlogik: stark steigende Investitionen, aber kein gleichwertiger, kurzfristiger Umsatzhebel.
Zusätzlich verwies der Quartalsbericht auf 248 Milliarden US-Dollar an weiteren Leasingverpflichtungen, „nahezu vollständig“ im Zusammenhang mit Rechenzentren und Cloud-Kapazitäten, die zum Stichtag (30. November 2025) nicht in der Bilanz standen. Das ist kein Buchhaltungsskandal per se – aber ein Faktor, der die langfristige Kapitalbindung greifbarer macht.
Abhängigkeit von OpenAI – und ein geplatzter Geldgeber
Ein weiterer Schwerpunkt: die zunehmende Konzentration auf einen großen Kunden. S&P Global Ratings hatte bereits am 24. September 2025 darauf hingewiesen, OpenAI könnte bis 2028 für mehr als ein Drittel der Oracle-Umsätze stehen. Das schaffe Risiken, weil OpenAIs Fähigkeit zur Vertragserfüllung davon abhänge, dass der KI-Rückenwind anhält und die Modelle marktführend bleiben, um weiter externe Finanzierung zu erhalten.
Später kam zusätzlicher Gegenwind über die Finanzierung großer Rechenzentrumsprojekte: Am 17. Dezember 2025 berichtete die Financial Times, dass Blue Owl Capital – als zentraler Finanzierer für Oracles größte US-Datacenter-Projekte beschrieben – sich aus der Finanzierung eines 10-Milliarden-Dollar-Rechenzentrums zurückgezogen habe, das OpenAI bedienen sollte. Begründet worden sei das laut Bericht mit Sorgen über Oracles Ausgabenverpflichtungen und steigende Verschuldung.
Parallel zeigt sich die Bilanzseite bereits angespannt: Die Summe aus Notes Payable und Borrowings lag zum 30. November 2025 bei 108,1 Milliarden US-Dollar, nach 92,6 Milliarden zum 31. Mai 2025 – ein Anstieg, der laut Text mit der Finanzierung des Cloud-Infrastruktur-Ausbaus zusammenhängt.
Operativ wächst die Cloud – aber der Kapitalbedarf dominiert
Trotz juristischem und finanziellem Gegenwind liefert Oracle Wachstumszahlen in der Cloud: Der Cloud-Umsatz (IaaS + SaaS) lag im Q2 bei 8,0 Milliarden US-Dollar (+34% zum Vorjahr). IaaS wuchs auf 4,1 Milliarden (+68%), SaaS auf 3,9 Milliarden (+11%). Zudem stiegen die Remaining Performance Obligations (RPO) auf rund 523 Milliarden US-Dollar – getrieben auch von neuen Verträgen, unter anderem mit Meta und NVIDIA.
Warum reicht das nicht, um die Debatte zu beruhigen? Weil der Streitpunkt weniger „Wachstum ja oder nein“ ist, sondern das Timing: Laut Klage führe die KI-Infrastrukturstrategie zu massiven Investitionsanstiegen, ohne dass kurzfristig proportional mehr Umsatz ankommt – und das könne Folgen für Verschuldung, Kreditrating, freien Cashflow und die Finanzierungskraft haben. Oracle betonte in diesem Zusammenhang laut Earnings Call zugleich die Verpflichtung, das Investment-Grade-Rating zu halten.
Die Oracle-Aktie schloss am Freitag bei 123,00 € und liegt damit seit Jahresanfang -26,35% im Minus.
Im Kalender ist die nächste Marke bereits gesetzt: Am 6. April 2026 endet die Frist für den Lead-Plaintiff-Antrag – bis dahin dürften Investoren besonders genau auf neue Details zum Verfahren und auf Oracles Kommunikation zur Finanzierung des KI-Ausbaus schauen.
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