Nebius wurde heute von der schwachen Stimmung im KI-Infrastruktur-Sektor mitgerissen. Auslöser war ein enttäuschender Bericht des größeren Branchenkollegen CoreWeave – obwohl es bei Nebius selbst keine neuen Unternehmensnachrichten gab. Genau das zeigt, wie eng diese noch junge „Neocloud“-Nische an der Börse gehandelt wird.

Zeitweise rutschte Nebius im Handel um 14,9% ab, während CoreWeave 21,9% verlor. Beide wachsen rasant, schreiben aber hohe Verluste, weil sie massiv in Rechenzentren investieren, um KI-Rechenleistung zu verkaufen. Vor Handelsbeginn am Freitag ging Nebius zudem mit einem deutlichen Gap in den Markt: Nach einem Schlusskurs von 104,88 US-Dollar eröffnete die Aktie bei 98,70 US-Dollar.

Q4: Wachstum stark, Erwartungen verfehlt

Der Rücksetzer kommt nur zwei Wochen nach den Zahlen für das vierte Quartal 2025 – und die zeichneten ein gemischtes Bild. Der Umsatz lag bei 227,7 Mio. US-Dollar und damit unter der Konsensschätzung von 246 Mio. US-Dollar. Im Jahresvergleich fällt das Wachstum jedoch extrem aus: Nebius meldete ein Plus von 547%.

Besonders auffällig war das Cloud-Computing-Segment mit einem Wachstum von 830%. Gleichzeitig erreichte das Unternehmen im Quartal einen wichtigen Meilenstein: Zum ersten Mal war das bereinigte EBITDA positiv. Unter dem Strich blieb es aber klar defizitär: Der Gewinn je Aktie lag bei -0,69 US-Dollar und verfehlte damit die erwarteten -0,42 US-Dollar um 0,27 US-Dollar.

Auftragsbestand und Vorauszahlungen als Stütze

Ein zentraler Grund für den Optimismus vieler Marktteilnehmer bleibt die vertraglich gesicherte Pipeline. Nebius hat einen Fünfjahresvertrag über 3 Mrd. US-Dollar mit Meta (unterzeichnet im November 2025) sowie einen weiteren Fünfjahresvertrag mit Microsoft im Wert von über 19 Mrd. US-Dollar. Zusammengenommen ergibt das einen zugesagten Auftragsbestand von mehr als 20 Mrd. US-Dollar.

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Die erste Liefertranche für Microsoft wurde laut Unternehmen planmäßig im November 2025 abgeschlossen, weitere Lieferungen sollen über 2026 verteilt folgen. Im Earnings Call betonte das Management zudem, dass sich die Zahl der Verträge mit Laufzeiten von mehr als zwölf Monaten gegenüber dem dritten Quartal nahezu verdoppelt habe. Der durchschnittliche Verkaufspreis sei um mehr als 50% gestiegen.

Hinzu kamen im vierten Quartal rund 830 Mio. US-Dollar an Kundenvorauszahlungen. Diese Mittel sollen den Kapazitätsausbau stützen und die Abhängigkeit von externen Kapitalmärkten verringern.

Tavily-Übernahme und ambitionierte 2026-Pläne

Kurz vor der Q4-Veröffentlichung setzte Nebius auch strategisch ein Zeichen: Am 10. Februar 2026 kündigte das Unternehmen die Übernahme von Tavily an, einem Anbieter für „agentic search“ im Enterprise-Umfeld. Insiderangaben zufolge beträgt der Kaufpreis 275 Mio. US-Dollar; Tavily-Gründer und CEO Rotem Weiss soll zu Nebius wechseln. Damit will Nebius Echtzeit-Suchinfrastruktur in seine KI-Cloud integrieren und den Ausbau einer Plattform vorantreiben, auf der Unternehmen autonome Agenten entwickeln und betreiben können.

Für 2026 hat das Management zugleich eine sehr große Agenda formuliert: Erwartet werden 3,0 bis 3,4 Mrd. US-Dollar Umsatz, ein ARR von 7 bis 9 Mrd. US-Dollar bis Jahresende sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 40%. Operativ soll die Zahl der Rechenzentrumsstandorte von sieben (2025) auf 16 steigen. Die aktive Kapazität will Nebius bis Ende 2026 auf 800 Megawatt bis 1 Gigawatt ausbauen – nach 170 Megawatt zum Ende des Vorjahres. Geplant ist unter anderem ein neues 240-Megawatt-Rechenzentrum in Frankreich, das nach Fertigstellung zu den größten Europas zählen soll.

Die geplanten Investitionen für 2026 beziffert Nebius auf 16 bis 20 Mrd. US-Dollar. Rund 60% der dafür benötigten Finanzierung seien bereits gesichert. Zusätzlich erhielt das Unternehmen 700 Mio. US-Dollar Finanzierung von Nvidia, verbunden mit dem Zugang zu High-End-GPUs, die laut Bericht mit Abschlägen von rund 20.000 US-Dollar je Einheit bezogen werden können.

Wie fragil die Stimmung in diesem Segment bleibt, zeigt der heutige Kursrutsch: Wenn ein Peer enttäuscht, zieht das oft den ganzen Bereich mit – trotz hoher Wachstumsraten und prall gefüllter Auftragsbücher. Den nächsten konkreten Einblick liefert Nebius mit den Quartalszahlen am 29. April.

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