Oracle Aktie: KI-Hoffnung lebt
Nach einem harten Rücksetzer zum Jahresende 2025 rückt Oracle zum Start ins neue Jahr wieder in den Fokus. Hintergrund ist ein optimistisches Sektorpapier von Jefferies, das trotz jüngster Schwäche an einem klar positiven Szenario für den Softwarekonzern festhält. Im Zentrum stehen massive KI-Investitionen, ein stark wachsender Auftragsbestand – und die Frage, ob der Markt den Kursrutsch übertrieben hat.
Jefferies setzt auf Comeback
Jefferies-Analyst Brent Thill hat seine Kaufempfehlung für Oracle im Rahmen des „2026 Software Playbook“ bestätigt und ein Kursziel von 400 US‑Dollar ausgerufen. Nach einem Rückgang von rund 33 % in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres setzt die Investmentbank damit klar auf eine Erholung.
Basis dieser Einschätzung ist vor allem der erwartete Wachstumsschub im Cloud- und KI-Geschäft. Analysten rechnen für 2026 mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von mindestens 16 %. Treiber sollen insbesondere Investitionen in KI-Infrastruktur sein, also Rechenzentren und Dienste für rechenintensive Anwendungen.
Das Kursziel von 400 US‑Dollar signalisiert aus Sicht von Jefferies deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau und wertet die vorangegangene Korrektur eher als Chance als als Hinweis auf strukturelle Probleme.
Starker Auftragsbestand und KI-Verträge
Ein zentrales Argument für das Wachstumsszenario ist der massive Anstieg der sogenannten Remaining Performance Obligations (RPO). Dieser Auftragsbestand, der künftige, bereits vertraglich gesicherte, aber noch nicht realisierte Erlöse abbildet, ist auf 523,3 Milliarden US‑Dollar hochgeschnellt – ein Plus von 433 % gegenüber dem Vorjahr. Das deutet auf eine prall gefüllte Pipeline hin.
Besonders im Cloud-Segment setzt Oracle hohe Ziele:
- Wachstum von Oracle Cloud Infrastructure (OCI) soll von 50 % im Geschäftsjahr 2025 auf über 70 % im Geschäftsjahr 2026 steigen
- OCI-Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026: 18 Milliarden US‑Dollar
- Langfristiges Ziel bis 2030: 144 Milliarden US‑Dollar OCI-Umsatz
Rückenwind kommt von großen KI-Kunden. Oracle hat milliardenschwere Verträge mit Unternehmen wie OpenAI und Nvidia abgeschlossen. Die Umsätze mit der Autonomous Database legten im jüngsten Quartal um 43 % zu, die Cloud@Customer-Erlöse verdoppelten sich sogar (+104 %), mit 30 weiteren Implementierungen, die für das Geschäftsjahr 2026 geplant sind.
Bewertungsdiskussion und Belastungsfaktoren
Trotz der Wachstumsstory bleibt die Bewertung ein Streitpunkt. Nach dem deutlichen Rückgang vom Hoch im September 2025 liegt das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel der Analysten bei 293,71 US‑Dollar, also klar unter dem sehr ambitionierten Jefferies-Ziel.
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Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 37 ist der Titel weiterhin kein Schnäppchen. Kritisch gesehen wird insbesondere die Kluft zwischen hohem KI-Investitionstempo und der kurzfristigen Finanzkraft: Der freie Cashflow ist ins Minus gerutscht, weil Oracle seine Rechenzentrums-Kapazitäten stark ausbaut, um der steigenden KI-Nachfrage gerecht zu werden.
Hinzu kommt, dass die Aktie historisch anfällig für größere Ausschläge war: Während der Dotcom-Blase verlor sie 77 %, in der Finanzkrise 2008 rund 41 % und in der Inflationsphase 40 %. Dieses Muster unterstreicht die Bedeutung des Einstiegszeitpunkts und erklärt, warum die aktuelle Bewertung intensiv diskutiert wird.
Technisches Bild und aktuelle Kurslage
Charttechnisch sieht es nach einem ersten Stabilisierungsversuch aus. Nach dem Abverkauf, der die Gewinne aus der OpenAI-Deal-Ankündigung vollständig und mehr als zunichtemachte, sprechen technische Analysten von einem möglichen Ausbruch aus einer abwärtsgerichteten Keilformation.
Heute notiert die Aktie bei 192,88 US‑Dollar und damit in etwa auf Höhe der 200‑Tage-Linie, was auf einen tastenden Erholungsversuch nach der Schwächephase zum Jahresende hindeutet.
Risiken im KI-Strategiemodell
Trotz der positiven Akzente bleibt die Liste der Risiken lang:
- Hohe KI-Investitionen (Capex): Die aggressiven Ausgaben für Rechenzentren belasten den freien Cashflow und erhöhen den Druck, die Kapazitäten zügig auszulasten.
- Zahlungsfähigkeit von OpenAI: Im Markt gibt es Fragezeichen, ob OpenAI seine Verpflichtungen aus dem auf 300 Milliarden US‑Dollar angelegten Compute-Deal vollumfänglich bedienen kann.
- Insiderverkäufe: Eine Häufung von Verkäufen durch Führungskräfte hat für zusätzliche Skepsis gesorgt und wird von Investoren genau beobachtet.
- Historische Volatilität: Die starke Schwankungsanfälligkeit in früheren Krisenphasen bleibt ein Mahnmal, dass auch künftig größere Rückschläge möglich sind.
Ausblick auf die nächsten Monate
Die nächste entscheidende Wegmarke ist der Quartalsbericht am 16. März 2026. Dann wird sich zeigen, ob die starke RPO-Entwicklung, das beschleunigte OCI-Wachstum und die KI-Verträge bereits messbar in Umsatz und Cashflow durchschlagen. Gleichzeitig dürfte der Markt genau prüfen, ob Oracle seine ehrgeizigen Ausbaupläne im Rechenzentrumsbereich mit einer belastbaren Monetarisierung der KI-Nachfrage untermauern kann.
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