In der 15. Folge von „Inside Umbrella powered by wikifolio" zeichnet Stratege Richard Dobetsberger im Gespräch mit Moderator Christian Drastil ein Bild, das an die ersten Tage der Corona-Pandemie erinnert: Die Umbrella-Strategie hat die größte Umschichtung seit Jahren vollzogen – weg von europäischen Industrietiteln, hin zu einem konzentrierten Öl-Portfolio mit historisch hoher Cash-Quote.

Bigger Picture: Minus 5 Prozent seit Jahresbeginn, aber 3.700 Prozent seit Start

Die nackten Zahlen zum Stichtag 11. März 2025 zeigen ein gemischtes Bild. Der Mittelkurs der Umbrella-Strategie liegt bei 3.800, was einer Performance von rund 3.700 Prozent seit Strategiestart entspricht – ein beeindruckender Langfristwert. Doch seit dem Vormonat steht ein Minus von knapp 5 Prozent zu Buche, das zugleich dem Year-to-Date-Verlust entspricht, ausgehend von einem Jahresstartwert um 4.000.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Das investierte Kapital ist von 180 Millionen auf 170 Millionen Euro gesunken, was primär auf Preiseffekte zurückzuführen ist. Das Handelsvolumen der letzten 30 Tage lag bei 14 Millionen Euro – nur halb so viel wie noch im Jänner, was Dobetsberger in volatilen Phasen aber nicht als negatives Signal wertet. Im Jahresvergleich liegen die monatlichen Umsätze mit knapp 20 Millionen Euro sogar über dem Vorjahreswert von 17 Millionen.

Geopolitischer Schock als Auslöser: „Die Märkte tanzen noch"

Was hat die radikale Umschichtung ausgelöst? Dobetsberger verweist auf die geowirtschaftspolitische Lage, die er als „unangekündigt" und für die Weltwirtschaft potenziell gefährlich einstuft. Ohne konkrete Namen zu nennen, spricht er davon, dass „von einem amerikanischen Präsidenten ein Krieg entfacht worden ist". Die Situation im Nahen und Mittleren Osten, verbunden mit der potenziellen Sperrung der Straße von Hormus, bildet den Kern seiner aktuellen Risikoeinschätzung.

Besonders eindrücklich ist der Vergleich, den der Stratege zieht: „Das ist für mich so eine Situation, wie eben die ersten Städte abgeriegelt worden sind in China und noch immer alle getanzt haben. Es hat auch eine gewisse Zeit gedauert, bis dann das Erwachen gewesen ist." Die Märkte würden derzeit nicht rational handeln – gute Unternehmenszahlen würden abgestraft, schlechte Berichte nach oben gedrückt. Dobetsberger sieht weiteres negatives Potenzial und hält die aktuelle Volatilität für ein Warnsignal.

Sieben Positionen, ein klarer Fokus: Das neue Portfolio im Detail

Die aktuelle Zusammensetzung der Umbrella-Strategie unterscheidet sich fundamental von den vergangenen 14 Podcast-Folgen. Statt der gewohnten 8 bis 12 Positionen finden sich nur noch sieben Titel im Portfolio, begleitet von einer Cash-Position von 40 Prozent – ein „60-40-Portfolio der anderen Art", wie Dobetsberger es formuliert.

Chevron (15,7 Prozent) bildet die größte Einzelposition. Als einer der größten globalen Öl- und Gasproduzenten profitiert das Unternehmen laut Dobetsberger von potenziell steigenden Ölpreisen durch die Unsicherheit im Nahen Osten. Im Vergleich zu den anderen Öltiteln im Portfolio verfügt Chevron über eine breitere Produktpalette, die auch bereits raffinierte Produkte umfasst.

ConocoPhillips (14,9 Prozent) ist neu in der Strategie und fokussiert auf Rohöl- und Erdgasabbau, geografisch konzentriert auf Nordamerika und Kanada. Der strategische Vorteil: Die Produktionsstandorte liegen weit entfernt von den aktuellen Krisenherden, wodurch eine geringere Gefahr durch eine mögliche Schließung der Straße von Hormus besteht – bei gleichzeitiger direkter Partizipation an steigenden Ölpreisen.

Occidental Petroleum (10 Prozent) ergänzt das Öl-Cluster mit einem etwas größeren Hebel. Dobetsberger weist darauf hin, dass dieses Unternehmen historisch stärker von Ölpreisbewegungen profitiert – in beide Richtungen. Zusammen mit ConocoPhillips sind diese Positionen eher als direkte Wetten auf den Ölpreis zu verstehen, da steigende Preise unmittelbar in den Cashflow der Unternehmen einfließen.

Supermicrocomputer hat als einziger Technologiewert den Umschichtungsprozess überlebt. Das Unternehmen hat laut Dobetsberger in den letzten Wochen starke Zahlen geliefert und ist charttechnisch trotz der Turbulenzen an einer Unterstützungslinie stabil geblieben – zwei Faktoren, die den Verbleib im Portfolio begründen.

Rheinmetall (5,2 Prozent) ist der einzige Titel, der in allen 15 Podcast-Folgen vertreten war, wurde aber deutlich zurückgewichtet. Trotz der positiven Unternehmenszahlen, die am Aufnahmetag präsentiert wurden, und einer grundsätzlich spannenden Produktpalette mit beeindruckendem Gewinn- und Umsatzwachstum musste der Titel charttechnisch leiden. Die hohe Marktvolatilität war ausschlaggebend für die Reduzierung. Dobetsberger fasst das Dilemma pragmatisch zusammen: Der Markt sei nicht immer rational, habe aber trotzdem immer Recht.

Halliburton (4,9 Prozent) ist als Ölausrüster ein indirekter Profiteur der geopolitischen Lage. Das Unternehmen stellt Infrastruktur für Ölfelder bereit, und Zerstörungen in Kuwait, Saudi-Arabien und der Region könnten zu Aufträgen führen. Fundamental überzeugt Halliburton mit einem KGV von circa 13, das laut Prognosen auf 11 sinken könnte, was auf Umsatzsteigerungen hindeutet.

Fortinet (3,1 Prozent) als kleinste Position ist im Bereich Cyber Security spezialisiert. Das Unternehmen wurde von über 110 US-Dollar auf 75 bis 80 Dollar abgestraft, hat sich aber wieder gefangen und befindet sich in einer leicht steigenden Seitwärtsbewegung, die den Einstieg begründet.

Warum Aktien statt Öl-Zertifikate?

Auf die naheliegende Frage, warum nicht einfach über WTI- oder Brent-Calls ein Öl-Exposure aufgebaut wird, hat Dobetsberger eine klare Antwort: Die Umbrella-Strategie basiert grundsätzlich auf der Investition in Aktien und Unternehmen, nicht auf direkten Partizipationen an Rohstoffen oder Zertifikaten. Das ermöglicht es zudem, durch gezieltes Research spezielle Unternehmens-Stories innerhalb des übergeordneten Makro-Shifts herauszuarbeiten – etwa die geografische Sicherheit der ConocoPhillips-Produktion oder den Infrastruktur-Hebel bei Halliburton.

Stop-Loss versus Buy-the-Dip: Eine klare Positionierung

Eine Hörerfrage adressierte den Konflikt zwischen Stop-Loss-Strategien und der populären Buy-the-Dip-Mentalität, die in den vergangenen Jahren durch rasche Markterholungen immer wieder belohnt wurde. Dobetsbergers Antwort fällt eindeutig aus: Nein, Stop-Loss müsse nicht überdacht werden.

Bei Einzelunternehmen könne er die Buy-the-Dip-Logik noch nachvollziehen. In einer geowirtschaftspolitisch potenziell unbeherrschbaren Situation halte er die Strategie jedoch „für sehr, sehr gefährlich". Über einen langen Zeitraum könne sich Buy-the-Dip zwar auslöschen und durchaus funktioniert haben, aber kurzfristig berge es in der aktuellen Lage ein erhebliches Zusatzrisiko. Er betont dabei ausdrücklich, dass dies seine subjektive Einschätzung sei und er nicht recht haben müsse.

Dollar-Shift und Rückkehr zur US-Lastigkeit

Die Umschichtung bringt auch eine deutliche Verschiebung der Währungsexposure mit sich. Während Dobetsberger zuletzt ungewöhnlich stark im europäischen Raum und in Euro-Assets investiert war, ist das Portfolio nun wieder klar US-Dollar-lastig – historisch betrachtet die Normalposition der Umbrella-Strategie.

Moderator Drastil verweist in diesem Zusammenhang auf Beobachtungen von Gunter Deuber von Raiffeisen Research, wonach Abflüsse aus Euro-Assets und europäischen Börsen zunehmen und die europäische Sonderkonjunktur unter Druck geraten könnte. Der Dollar habe sich wieder etwas verstärkt. Dobetsberger bestätigt, dass er die europäische Wirtschaft weiterhin nicht als großartig einschätzt und der US-Markt aus strategischer Gesamtsicht in der aktuellen Situation profitabler und besser erscheine.

Die großen Abwesenden: Warum Bayer, BioNTech und Co. weichen mussten

Titel wie Bayer, Micron, MercadoLibre, BioNTech, BHP, DHL und Deccas, die in früheren Folgen teils prominente Rollen spielten, sind komplett aus dem Portfolio verschwunden. Die Begründung ist systematisch: Bei potenziell steigenden Ölpreisen hätten diese Unternehmen überproportional oder zumindest markttechnisch sehr stark gelitten. Die Cash-Position wurde entsprechend aufgebaut, wobei der Großteil der Positionen profitabel geschlossen werden konnte – Bayer etwa wurde mit Gewinn verkauft.

Dobetsberger betont allerdings, dass diese Unternehmen aus seiner Perspektive nicht schlechter geworden seien. Es sei die geowirtschaftspolitische Situation, die sich verändert habe und zu Kursbewegungen führte, die das Stop-Loss-System konsequent auslösten. Die aktuelle Aufstellung sei eine mit Zeitstempel versehene Einschätzung, die sich bei veränderten Rahmenbedingungen schnell wieder ändern könnte.

Ausblick: Börsentag Wien und die Frage nach den Midterms

Am 14. März findet der Börsentag in Wien statt, bei dem Dobetsberger um 10 Uhr eine Präsentation zur Umbrella-Strategie im Rahmen des Wikifolio-Auftritts halten wird. Die nächste Podcast-Folge ist für den 9. April 2026 angekündigt.

Als einzigen vorsichtig beruhigenden Faktor im aktuellen Umfeld identifiziert Moderator Drastil die bevorstehenden US-Midterm-Wahlen. Dobetsberger stimmt grundsätzlich zu, schränkt aber ein: „Wenn sie stattfinden, so wie sie stattfinden sollten." Das Unerwartete werde erwartbarer, und die Äußerungen mancher Akteure ließen ihn zunehmend sprachlos zurück. Seine 40-Prozent-Cash-Position sei auch eine Aussage für sich – ein „60-40-Portfolio der anderen Art", situationselastisch und jederzeit bereit für schnelle Anpassungen, sobald sich die Lage klärt.