Oracle Aktie: Hoher Spagat
Oracle steht zum Jahresbeginn 2026 unter Druck: Nach einem Kurseinbruch von rund 45 % seit den September-Hochs handelt die Aktie aktuell um 195 US-Dollar. Auslöser sind hohe Investitionen in KI-Infrastruktur, ein stark wachsendes, aber riskant konzentriertes Cloud-Geschäft und zunehmende Sorgen über die Abhängigkeit von OpenAI als Großkunden. Wie gut ist dieser Balanceakt aus Wachstumsfantasie und Finanzrisiko noch beherrschbar?
Schwaches Quartal nach AI-Euphorie
Die starke Rallye nach den September-Zahlen 2025 ist komplett verpufft. Damals sprang die Aktie an einem Tag um fast 40 %, getragen von hohen Erwartungen an das KI- und Cloud-Geschäft. Mit den Zahlen zum Fiskal-Q2 2026 im Dezember wurde jedoch klar, wie teuer der Ausbau dieser Infrastruktur ist.
Ausgewählte Kennzahlen aus dem Bericht vom 10. Dezember:
- Remaining Performance Obligations (RPO): 523 Mrd. US-Dollar, +438 % gegenüber dem Vorjahr
- Umsatz gesamt: 16,1 Mrd. US-Dollar, +14 %
- Cloud-Infrastruktur-Umsatz: 4,1 Mrd. US-Dollar, +68 %
- Investitionen (Capex) im Quartal: ca. 12 Mrd. US-Dollar
- Free Cashflow: rund –10 Mrd. US-Dollar
- Capex-Prognose Gesamtjahr: Anhebung von 35 auf 50 Mrd. US-Dollar
Damit zeigt Oracle zwar starkes Wachstum im Cloudgeschäft, erkauft sich dieses aber mit extrem hohen Ausgaben und deutlich negativem freien Cashflow.
OpenAI als Klumpenrisiko
Für zusätzliche Nervosität sorgt die hohe Kundendichte im Auftragsbestand. Rund 300 Mrd. US-Dollar der 523 Mrd. US-Dollar RPO entfallen auf einen einzigen Kunden: OpenAI.
OpenAI selbst schreibt nach Berichten zufolge hohe Verluste – kumuliert 25 Mrd. US-Dollar in den ersten drei Quartalen 2025 – und hat Infrastrukturverpflichtungen von insgesamt 1,4 Bio. US-Dollar bei mehreren Anbietern eingegangen. Das wirft Fragen zur Zahlungssicherheit und zur Nachhaltigkeit dieses Wachstumsprofils auf, auch wenn Verträge langfristig ausgelegt sind.
Auf der Earnings-Call-Seite setzte Oracle zudem ein strategisches Signal: Chairman Larry Ellison kündigte den Verkauf der Beteiligung am Chipdesigner Ampere Computing an. Der Deal bringt einen Vorsteuergewinn von 2,7 Mrd. US-Dollar und soll den Weg für eine „Chip-Neutralität“ freimachen – Oracle will mit allen großen GPU-Anbietern zusammenarbeiten, statt eigene Prozessoren zu entwickeln.
Analysten bleiben mehrheitlich positiv
Trotz des Kursrückgangs bleibt das Stimmungsbild an der Wall Street überwiegend konstruktiv. Der Konsens liegt bei einem „Moderate Buy“-Rating mit einem durchschnittlichen Kursziel von 307,72 US-Dollar – rund 60 % über dem aktuellen Niveau.
Einige Häuser sind deutlich optimistischer: Mizuho und Jefferies sehen die Aktie bei jeweils 400 US-Dollar und damit mehr als doppelt so hoch wie derzeit.
Mizuho-Analyst Siti Panigrahi bestätigte seine Outperform-Einstufung. Er verwies vor allem auf die von Oracle erläuterten Finanzierungsmodelle für KI-Infrastruktur, darunter „Bring-your-own-chip“-Vereinbarungen und GPU-Mietmodelle, die Zahlungsströme besser mit den Erlösen synchronisieren sollen.
Multicloud-Geschäft als Wachstumsanker
Positiv sticht das Multicloud-Datenbankgeschäft hervor. In Q2 des Fiskaljahres 2026 legte dieser Bereich um 817 % zu.
Oracle betreibt weltweit fast 150 Rechenzentren, weitere 64 sind im Bau – eine Kapazitätserweiterung um 43 %. Das Unternehmen ist tief in den Ökosystemen von Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud verankert und positioniert sich damit als Partner der großen Hyperscaler statt als reiner Wettbewerber.
Insgesamt verfügt Oracle über mehr als 211 bestehende und geplante Cloud-Regionen und liegt damit vor allen großen Konkurrenten. Diese Infrastruktur-Offensive bildet den Kern der langfristigen Wachstumsstory; Analysten trauen den Erlösen bis zum Fiskaljahr 2028 eine Verdopplung zu.
Verschuldung und Kreditrisiko rücken in den Fokus
Der aggressive Ausbau der Cloud-Kapazitäten schlägt sich in der Bilanz nieder. Die Gesamtverschuldung ist auf mehr als 106 Mrd. US-Dollar gestiegen.
Am Kreditmarkt blieb das nicht unbemerkt: Die Spreads der Credit Default Swaps auf Oracle-Anleihen kletterten im Dezember auf den höchsten Stand seit 16 Jahren – ein klares Zeichen erhöhter Risikowahrnehmung. Das Management betont dennoch, an einem Investment-Grade-Rating festhalten zu wollen.
Finanzchef Doug Kehring verwies darauf, dass viele Leasingverpflichtungen für Grundstücke, Gebäude und Energie erst dann zu Zahlungen führen, wenn die entsprechenden Rechenzentren fertiggestellt und übergeben sind. Kurzfristig entlastet das die Liquidität, ändert aber nichts an den langfristigen Verpflichtungen.
Chartbild und Insideraktivität
Technisch zeigt sich die Aktie zuletzt stabilisiert. Nach der deutlichen Schwächephase im Dezember hat sich im Bereich um 195 US-Dollar eine Unterstützungszone herausgebildet.
- 50-Tage-Linie: 216,18 US-Dollar
- 200-Tage-Linie: 242,66 US-Dollar
- 52-Wochen-Spanne: 118,86 bis 345,72 US-Dollar
Der aktuelle Kurs liegt damit grob in der Mitte der Jahresbandbreite – weit entfernt vom Hoch, aber auch klar über dem Tief.
Auf der Eigentümerseite sind gemischte Signale zu sehen. Institutionelle Investoren wie GAM Holding AG haben zuletzt Positionen aufgestockt. Gleichzeitig kam es zu größeren Insiderverkäufen: CEO Clayton Magouyrk trennte sich im Oktober von 40.000 Aktien zu 276,64 US-Dollar je Stück, weitere Führungskräfte haben in den vergangenen 90 Tagen zusammen Aktien im Wert von 39 Mio. US-Dollar verkauft.
Damit prallen bei Oracle ambitionierte Wachstumsziele, hohe Investitions- und Schuldenlast sowie eine hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden sichtbar aufeinander – die nächsten Quartale werden zeigen, ob das aktuelle Bewertungsniveau eher Ausgangspunkt für eine Erholung oder Ausdruck eines dauerhaften Bewertungsabschlags bleibt.
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