Netflix setzt bei seiner Strategie für 2026 stärker auf eigene Technologie – und kauft dafür das KI-Filmmaking-Start-up InterPositive von Ben Affleck. Der Schritt folgt nur wenige Tage nach dem Rückzug aus dem Bieterrennen um Warner Bros. Discovery. Was bedeutet dieser Kurswechsel konkret für die Produktion – und für das Wachstumsnarrativ?

InterPositive wird Teil von Netflix

Netflix hat InterPositive übernommen, ein Filmmaking-Technologieunternehmen, das KI-Tools „von und für Filmemacher“ entwickelt. Seit Donnerstag gehört InterPositive zu Netflix; die 16 Beschäftigten werden integriert. Ben Affleck übernimmt eine Rolle als Senior Advisor. Einen Kaufpreis nannte Netflix nicht.

Wichtig am Deal: Es handelt sich um eine vollständige Übernahme. Damit kann die Technologie künftig nur innerhalb von Netflix genutzt werden – anders als bei einer Lizenzlösung, wie sie in Studio-Strukturen lange üblich war.

KI für Postproduktion – nicht für „Fake-Schauspieler“

InterPositive baut ein KI-Modell auf Basis der „Dailies“ einer bestehenden Produktion. Dieses Modell lässt sich anschließend in die Postproduktion einbringen, um technische Arbeiten zu unterstützen – etwa beim Mischen und Colorgrading, beim Nachbelichten von Einstellungen oder beim Hinzufügen von visuellen Effekten.

Laut Beschreibung zielt das System auf die „technische Fleißarbeit“ in der Produktion. Es geht ausdrücklich nicht darum, Schauspieler zu ersetzen oder Drehbücher zu schreiben. Trainiert werden die Modelle mit Material, das das Team kontrolliert, in einer geschlossenen Umgebung.

Netflix ordnet den Zukauf in seine bisherige Linie ein: KI soll die Qualität verbessern, nicht primär Kosten senken oder Personal ersetzen. Produkt- und Technikchefin Elizabeth Stone sagte dazu: „…Innovation sollte Geschichtenerzähler befähigen, nicht ersetzen.“ Gleichzeitig dürfte die Transaktion genau beobachtet werden, weil sich sogenannte „above-the-line“-Gewerkschaften parallel in eine neue Verhandlungsrunde mit Studios und Streamern begeben – inklusive Netflix.

Nach WBD-Rückzug: 2,8 Milliarden Dollar Spielraum

Der Zeitpunkt ist auffällig. Netflix hatte sich vor weniger als einer Woche aus dem Bieterrennen um Warner Bros. Discovery zurückgezogen. Im Februar 2026 legte die Aktie um 15,3% zu – überwiegend, weil Netflix sein 83-Milliarden-Dollar-Angebot fallen ließ. Das geplante Barangebot hätte die Verschuldung laut Bericht um das 5- bis 6-Fache erhöht und Investoren verunsichert.

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Zusätzlich erhielt Netflix nach der Entscheidung von Warner Bros. eine Abbruchgebühr („termination fee“) von 2,8 Milliarden Dollar, weil ein konkurrierendes Angebot (Paramount Skydance) als überlegen eingestuft wurde. Anleger werteten es positiv, dass Netflix das Angebot nicht mehr erhöhte. Laut Text nutzt Netflix dieses Geld nun bereits für den InterPositive-Kauf. Gleichzeitig bleibt der Deal eine Ausnahme: Netflix hat historisch eher intern entwickelt als extern zugekauft.

Zahlen: Marge stark, Wachstum soll zweistellig bleiben

Mit dem Ende der WBD-Unsicherheit rückt wieder das operative Geschäft in den Vordergrund. Im jüngsten Quartal lag der Umsatz bei 12,05 Milliarden Dollar. Die Nettomarge wird mit 24,30% angegeben, die Eigenkapitalrendite mit 43,26%. Der Quartalsumsatz stieg um 17,6% gegenüber dem Vorjahr.

Die operative Marge kletterte von 26,7% (2024) auf 29,5% (2025). Für 2026 peilt Netflix 31,5% an. Der Free Cashflow stieg 2025 um 36,7% auf 9,46 Milliarden Dollar und lag damit über der eigenen Prognose. Für 2026 stellt Netflix 50,7 bis 51,7 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, entsprechend 12% bis 14% Wachstum.

Beim Thema Werbung bleibt der Vergleichsmaßstab hoch: 2025 kamen aus Advertising 1,5 Milliarden Dollar, 2026 soll sich das auf 3 Milliarden Dollar verdoppeln. Der Bericht nennt für 2025 ein Wachstum der Werbeerlöse um mehr als das 2,5-Fache. Parallel plant Netflix, die Content-Ausgaben 2026 um 10% zu erhöhen.

Bei der Reichweite meldet der Text rund 325 Millionen Abonnenten weltweit, plus 8% im Jahresvergleich – „solide, aber langsamer“. In der zweiten Hälfte 2025 stiegen die globalen Sehstunden um 2% gegenüber Vorjahr. Das Sehen von „branded originals“ legte laut Management im gleichen Zeitraum um 9% zu, nach 7% in der ersten Jahreshälfte.

Kurs, Bewertung und ein enger Erwartungskorridor

An der Börse folgte eine starke Bewegung: Eine fünftägige Rally trieb die Aktie laut Bericht um fast 25% nach oben, nachdem der Rückzug aus dem WBD-Vorhaben erwartet und bestätigt wurde. Rückenwind kam zudem durch ein JPMorgan-Upgrade mit einem Kursziel von 120 Dollar.

Trotz der Erholung lag die Aktie im Text weiterhin rund 28% unter dem Allzeithoch von 134 Dollar aus Mitte Juni. Bewertungsseitig nennt der Bericht etwa das 71-Fache des erwarteten Gewinns (Forward-KGV). Damit ist laut Text viel eingepreist – insbesondere, dass das Wachstum bei den Werbeerlösen reibungslos liefert.

Im März soll laut Bericht ein erster Praxistest der Content-Strategie anstehen: mit großen Rückkehrern und neuen Originals. Genannt werden unter anderem Staffel 2 von „One Piece“ sowie der MLB Opening Day.

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