Microsoft liefert Zahlen, die auf den ersten Blick glänzen, doch die Börse reagiert mit einem historischen Abverkauf. Trotz übertroffener Erwartungen bei Umsatz und Gewinn stürzte die Aktie so stark ab wie seit dem Markt-Tief im März 2020 nicht mehr. Der Grund für die drastische Korrektur liegt im Detail: Das Wachstum der entscheidenden Cloud-Sparte verlangsamt sich, während die Kosten für den Ausbau der KI-Infrastruktur explodieren.

Die teure Wette auf die Zukunft

Die Anleger schickten die Microsoft-Aktie am Donnerstag auf Talfahrt, was zu einem Kursverlust von rund 10 Prozent führte und an nur einem Tag 357 Milliarden US-Dollar an Börsenwert vernichtete. Laut Bloomberg ist dies der zweitgrößte Tagesverlust an Marktkapitalisierung in der Börsengeschichte. Aktuell notiert das Papier bei 431,21 USD und liegt damit seit Jahresanfang fast 9 Prozent im Minus.

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Auslöser für die schlechte Stimmung war primär die Entwicklung bei Azure. Das Wachstum der Cloud-Sparte verlangsamte sich von 40 Prozent im Vorquartal auf 39 Prozent. Obwohl dieser Wert noch immer leicht über einigen Analystenschätzungen lag, hatten viele Marktteilnehmer angesichts der massiven Investitionen auf eine Beschleunigung gehofft.

Parallel dazu stiegen die Investitionsausgaben (Capital Expenditures) drastisch an. Microsoft gab im abgelaufenen Quartal 37,5 Milliarden US-Dollar aus – ein Anstieg von rund 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Summe übertraf die Konsensschätzungen der Wall Street deutlich und wirft die Frage auf, wie schnell sich diese gigantischen Ausgaben in entsprechendem Umsatzwachstum niederschlagen.

Nachfrage übersteigt das Angebot

Trotz der kurzfristigen Enttäuschung über das Azure-Wachstum zeigen die Auftragsbücher, dass der KI-Boom ungebrochen ist. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen (RPO) sprangen um beachtliche 110 Prozent auf 625 Milliarden US-Dollar. Fast die Hälfte dieses massiven Auftragsbestands entfällt auf Verpflichtungen im Zusammenhang mit OpenAI.

Finanzchefin Amy Hood betonte in der Telefonkonferenz, dass die Nachfrage das verfügbare Angebot weiterhin übersteige. Engpässe bei den Kapazitäten werden voraussichtlich mindestens bis zum Ende des Geschäftsjahres im Juni bestehen bleiben. Dies deutet darauf hin, dass Microsoft mehr Cloud-Dienste verkaufen könnte, wenn genügend Rechenzentren und Chips verfügbar wären.

Strategische Prioritäten bremsen kurzfristig

Ein weiterer Faktor für das verlangsamte Azure-Wachstum ist eine bewusste strategische Entscheidung des Managements. Microsoft weist knappe GPU-Ressourcen vorrangig der internen Forschung und Entwicklung zu, anstatt den kurzfristigen Cloud-Umsatz zu maximieren. Hätte der Konzern alle verfügbaren Grafikchips für Azure bereitgestellt, wäre das Wachstum laut Hood auf über 40 Prozent gestiegen.

Gleichzeitig beginnt sich die KI-Software zu etablieren: Der "Microsoft 365 Copilot" zählt inzwischen über 15 Millionen zahlende Nutzer im Geschäftskundenbereich. Angesichts von insgesamt über 450 Millionen gewerblichen Office-Nutzern besteht hier noch erhebliches Wachstumspotenzial.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick:

  • Umsatz: 81,3 Mrd. USD (+17 % zum Vorjahr)
  • Gewinn je Aktie (bereinigt): 4,14 USD (Erwartung übertroffen)
  • Cloud-Umsatz: 51,5 Mrd. USD (+26 %)
  • Azure-Wachstum: 39 % (Vorquartal: 40 %)
  • Investitionsausgaben: 37,5 Mrd. USD (+66 %)
  • Auftragsbestand (RPO): 625 Mrd. USD (+110 %)

Das Management hat mit den Aussagen zu anhaltenden Kapazitätsengpässen bis Juni einen klaren Zeithorizont gesetzt. Für Anleger bedeutet dies, dass eine erneute Beschleunigung des Azure-Wachstums wohl erst in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten ist, sobald die massive Infrastruktur-Erweiterung greift.

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