Der Betrieb bei Deutschlands größter Fluggesellschaft läuft wieder. Nach dem ganztägigen Ausstand von Piloten und Flugbegleitern am Donnerstag meldet das Unternehmen am Freitagmorgen: keine Störungen, keine Ausfälle. Doch die Narben des Arbeitskampfs sind tief – und eine Lösung der zugrunde liegenden Konflikte ist nicht in Sicht.

Knapp 800 Flüge mussten am Donnerstag gestrichen werden, rund 100.000 Passagiere waren betroffen. Besonders hart traf es die Drehkreuze München und Frankfurt. An den Umbuchungsschaltern bildeten sich lange Schlangen, während die Anzeigetafeln weitgehend leer blieben. Die nicht bestreikten Töchter Eurowings, Discover und City Airlines absolvierten zwar rund 400 Flüge, doch das konnte die Lücke nicht annähernd schließen.

Gewerkschaften zeigen sich kampfbereit

Beide Gewerkschaften meldeten eine hohe Beteiligung. „Der Streik läuft, wie wir es erwartet haben", sagte Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sprach von einer „sehr guten Beteiligung" in Frankfurt. VC-Präsident Andreas Pinheiro stellte klar: Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen. „Als Gewerkschaft haben wir nicht viele Mittel außer dem Arbeitskampf. Wenn es kein Angebot gibt, dreht sich die Eskalationsspirale immer weiter."

Die Fronten sind verhärtet. Die VC fordert höhere Betriebsrenten für rund 4.800 Piloten – obwohl diese bereits durchschnittlich 8.400 Euro Rente im Monat erhalten. Pinheiro sieht darin kein Problem: Im europäischen Vergleich befänden sich Lufthansa-Piloten im unteren Mittelfeld. Die Kabinengewerkschaft Ufo kämpft derweil für neue Verhandlungen bei der Kerngesellschaft und der von der Schließung bedrohten Regionaltochter Cityline, wo 800 Jobs auf dem Spiel stehen.

Management verweist auf Sanierungszwang

Lufthansa-Arbeitsdirektor Michael Niggemann hatte die Forderungen bereits am Mittwoch als unbezahlbar zurückgewiesen. Die Kerngesellschaft steckt mitten in einer harten Sanierung, nachdem sie 2024 in die Verlustzone geflogen war. „Wir brauchen den konstruktiven Dialog, nicht die Eskalation", betonte Niggemann. Zusätzliche Kostensteigerungen seien derzeit nicht tragbar.

Der Kern des Konflikts liegt tiefer: Das fliegende Personal reibt sich seit Jahren an der Konzernstrategie. Neu gegründete Flugbetriebe wie Discover und City Airlines sollen touristische Flüge und Zubringerverkehr mit günstigeren Crews durchführen. Dort werden neue Flugzeuge eingesetzt – teilweise sogar von den Altgesellschaften verlagert. Aus Unternehmenssicht ist gerade die Kerngesellschaft zu teuer geworden.

Am Frankfurter Flughafen erwartet Betreiber Fraport für Freitag mit 1.160 Starts und Landungen einen besonders regen Flugverkehr. Grund sind zusätzlich eingeplante Flüge, um umgebuchte Passagiere zu transportieren. Dass damit alle Probleme gelöst wären, glaubt niemand. Neben den Konflikten mit VC und Ufo verhandelt Lufthansa derzeit auch mit Verdi über die Arbeitsbedingungen von rund 20.000 Bodenbeschäftigten – eine weitere potenzielle Baustelle.

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