Anthropic, Taiwan & ByteDance: Wenn KI-Bewertungen explodieren, Handelskriege Milliarden verschieben und Gaming-Deals Branchengrenzen sprengen
Liebe Leserinnen und Leser,
380 Milliarden Dollar – so viel ist Anthropic nach der jüngsten Finanzierungsrunde wert. Mehr als das Doppelte von vor wenigen Monaten. Während in San Francisco KI-Bewertungen durch die Decke schießen, verschiebt Donald Trump in Washington mit einem Federstrich Hunderte Milliarden an Investitionen zwischen Kontinenten. Und in Asien bahnt sich ein Gaming-Deal an, der zeigt: Die Grenzen zwischen Tech-Giganten, Staaten und Branchen verschwimmen rasant. Drei Geschichten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben – doch zusammen offenbaren sie, wie sich die globale Wirtschaftsordnung gerade neu sortiert.
Anthropic: Der 380-Milliarden-Sprung ins KI-Olymp
Claude Code ist mehr als nur ein weiterer Chatbot – es ist Anthropics Ticket in die oberste Liga der KI-Bewertungen. Das Startup hat in seiner jüngsten Finanzierungsrunde 30 Milliarden Dollar eingesammelt und seine Bewertung damit von 183 Milliarden im September 2025 auf nun 380 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: OpenAI, der Platzhirsch mit ChatGPT, wird derzeit auf etwa 830 Milliarden Dollar taxiert. Anthropic holt also rasant auf.
Was steckt hinter diesem Höhenflug? Die Antwort liegt in der Spezialisierung. Während OpenAI breit aufgestellt ist, hat sich Anthropic auf Coding fokussiert – und trifft damit einen Nerv. Claude Code erreicht mittlerweile einen Run-Rate-Umsatz von über 2,5 Milliarden Dollar, mehr als eine Verdopplung seit Jahresbeginn. Der Gesamtumsatz des Unternehmens liegt bei 14 Milliarden Dollar Run-Rate. Besonders bemerkenswert: Mehr als die Hälfte dieser Einnahmen stammt inzwischen aus Enterprise-Abonnements. Unternehmen, nicht Privatnutzer, treiben das Wachstum.
Die Finanzierungsrunde wurde von D. E. Shaw Ventures, ICONIQ und MGX angeführt, mit Beteiligungen von Microsoft und NVIDIA. Dass sich auch Blackstone mit rund einer Milliarde Dollar beteiligt hat, unterstreicht: Anthropic gilt nicht mehr als riskante Wette, sondern als strategisches Investment. Die jüngsten Produkteinführungen wie Claude Cowork – ein KI-Agent, der komplexe Büroaufgaben übernimmt – haben allerdings auch eine Kehrseite: Sie lösten einen brutalen Ausverkauf bei Software-Aktien weltweit aus. Investoren fragen sich, ob traditionelle Softwareanbieter künftig überhaupt noch mithalten können.
Anthropic geht dabei einen ungewöhnlichen Weg: Das Unternehmen hat angekündigt, 20 Millionen Dollar bereitzustellen, um politische Kandidaten zu unterstützen, die für KI-Regulierung eintreten. Während andere Tech-Konzerne auf weniger Aufsicht drängen, setzt Anthropic auf das Gegenteil. CEO Dario Amodei argumentiert, die Branche habe die Verantwortung, sicherzustellen, dass KI dem Gemeinwohl diene – nicht nur den eigenen Interessen.
Taiwan-Deal: Wenn Halbleiter zu Handelsmasse werden
250 Milliarden Dollar – diese Summe hat Taiwan zugesagt, in den USA zu investieren. Im Gegenzug senken die Vereinigten Staaten die Zölle auf taiwanesische Importe von 20 auf 15 Prozent. Was nach nüchternem Handelsabkommen klingt, ist in Wahrheit ein geopolitisches Schwergewicht. Denn hinter den Zahlen steht eine fundamentale Verschiebung: Taiwan, Heimat von TSMC und damit Herzstück der globalen Chipproduktion, wird von den USA systematisch stärker an sich gebunden.
Das am Donnerstag finalisierte Abkommen verpflichtet Taiwan nicht nur zu massiven Investitionen in Halbleiter, Energie und KI-Infrastruktur in den USA – darunter allein 100 Milliarden Dollar von TSMC für Fabriken in Arizona. Es sieht auch vor, dass Taiwan bis 2029 US-Waren im Wert von über 84 Milliarden Dollar kauft: 44,4 Milliarden für Flüssiggas und Rohöl, 15,2 Milliarden für Flugzeuge und Triebwerke, 25,2 Milliarden für Stromnetz-Ausrüstung und Generatoren. Taiwan eliminiert zudem sofort Zölle auf viele US-Agrarprodukte wie Rindfleisch, Milchprodukte und Mais. Bei Schweinefleisch sinken die Abgaben von bis zu 40 Prozent auf 10 Prozent.
Taiwans Präsident Lai Ching-te bezeichnete das Abkommen als „entscheidenden Moment für Taiwans Wirtschaft". Tatsächlich gewinnt Taiwan damit Planungssicherheit – der Zollsatz von 15 Prozent liegt auf Augenhöhe mit Südkorea und Japan. Doch der Deal wirft auch Fragen auf: Wird Taiwan durch die massiven US-Investitionen seine Industrie aushöhlen? Lai betonte, Unternehmen könnten selbst entscheiden, wo sie investieren. Entscheidend sei, dass Forschung, fortschrittliche Fertigung und die größten Produktionskapazitäten in Taiwan blieben.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Das US-Handelsdefizit mit Taiwan ist in den ersten elf Monaten 2025 von 73,7 Milliarden Dollar im Gesamtjahr 2024 auf 126,9 Milliarden Dollar explodiert – hauptsächlich wegen der massiv gestiegenen Importe von High-End-KI-Chips. Trump will diese Abhängigkeit verringern, ohne auf die Chips verzichten zu müssen. Taiwan wiederum sichert sich damit Zugang zum US-Markt und stärkt die strategische Partnerschaft. Für deutsche Anleger bedeutet das: TSMC wird weiter wachsen, aber die Gewichte verschieben sich – weg von Asien, hin zu den USA.
ByteDance verkauft Moonton: Wenn TikTok-Mutter Gaming aufgibt
6 bis 7 Milliarden Dollar – für diesen Betrag steht ByteDance kurz davor, sein Gaming-Studio Moonton an Saudi-Arabiens Savvy Games Group zu verkaufen. Der Deal könnte bereits im laufenden Quartal abgeschlossen werden. Was auf den ersten Blick wie eine normale M&A-Transaktion aussieht, markiert in Wahrheit ByteDance' endgültigen Rückzug aus dem Videospiel-Geschäft. Und er zeigt, wie Saudi-Arabien systematisch zum globalen Gaming-Player aufsteigt.
Moonton, Entwickler des Mobile-Hits „Mobile Legends: Bang Bang", wurde 2021 von ByteDance für rund 4 Milliarden Dollar gekauft. Damals wollte der TikTok-Konzern ein internationales Gaming-Imperium aufbauen, um Rivalen wie Tencent herauszufordern. Doch die Strategie ging nicht auf. 2023 kündigte ByteDance nach einer internen Überprüfung an, sein Gaming-Geschäft umzustrukturieren. Der Moonton-Verkauf ist die logische Konsequenz: ByteDance konzentriert sich wieder auf seine Kerngeschäfte – Social Media und Kurzvideo.
Für Savvy Games Group ist Moonton ein strategischer Coup. Das von Saudi-Arabiens Public Investment Fund kontrollierte Unternehmen hat in den vergangenen Jahren massiv in Gaming investiert: 2023 kaufte es Scopely für 4,9 Milliarden Dollar, im März 2025 übernahm Scopely wiederum die Gaming-Sparte von Niantic (bekannt für „Pokémon Go") für 3,5 Milliarden Dollar. Mit Moonton käme ein Studio hinzu, das über 1,5 Milliarden Installationen und mehr als 110 Millionen monatlich aktive Nutzer vorweisen kann – und in über 80 Ländern zu den Top-10-Spielen gehört.
Der Deal ist auch ein Lehrstück über Chinas Tech-Branche: ByteDances Bewertung ist im vergangenen Jahr auf über 330 Milliarden Dollar gestiegen, getrieben von TikTok und Douyin. Die Umsätze im ersten und zweiten Quartal 2025 übertrafen sogar die von Meta. Doch trotz dieses Erfolgs gibt ByteDance Gaming auf – ein Geschäftsfeld, das zwar populär ist, aber nicht zu den astronomischen Margen von Social Media passt. Für Anleger heißt das: ByteDance wird schlanker, fokussierter – und damit möglicherweise noch wertvoller, sollte das Unternehmen jemals an die Börse gehen.
KI-Angst frisst Tech-Aktien: Amazon und Microsoft im Bärenmarkt
Während Anthropic mit KI-Versprechen Milliarden einsammelt, leiden etablierte Tech-Riesen unter KI-Sorgen. Amazon ist mit einem Minus von über 21 Prozent gegenüber dem jüngsten Hoch offiziell im Bärenmarkt angekommen – und folgt damit Microsoft, dessen Aktie bereits Ende Januar diese Schwelle überschritt. Der Grund: Anleger zweifeln zunehmend, ob die gigantischen KI-Investitionen jemals ausreichende Renditen abwerfen werden.
Amazon hat angekündigt, 2026 rund 200 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur zu investieren. CEO Andy Jassy betont zwar, man monetarisiere Kapazitäten so schnell, wie man sie aufbaue. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Der freie Cashflow von Amazon brach im vierten Quartal von 38,2 Milliarden Dollar im Vorjahr auf nur noch 11,2 Milliarden Dollar ein. Gleichzeitig wächst die Cloud-Sparte AWS zwar mit 24 Prozent – dem stärksten Wachstum seit über drei Jahren – doch Investoren fragen sich: Reicht das, um 200 Milliarden Dollar zu rechtfertigen?
Mike Treacy von Apex Fintech Solutions bringt die Marktstimmung auf den Punkt: Anleger zweifeln zunehmend an der Fähigkeit der Tech-Konzerne, ausreichende Renditen auf das investierte Kapital zu erzielen. Besonders kritisch wird gesehen, dass Amazon, Microsoft, Meta und Alphabet 2026 zusammen rund 650 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur ausgeben wollen. Das ist mehr, als viele Volkswirtschaften in einem Jahr erwirtschaften. Treacy beobachtet, dass Kapital bereits aus Microsoft und NVIDIA in Alphabet rotiert – dessen vertikale Integration als widerstandsfähiger gegenüber Kostenüberschreitungen gilt.
Anzeige: Während Amazon und Microsoft mit massiven KI-Investitionen kämpfen und Kapital zwischen Tech-Giganten rotiert, setzen erfahrene Trader auf eine völlig andere Strategie. Das kostenlose Webinar zur Cash-Rallye zeigt einen systematischen Ansatz, der auf schnelle Marktbewegungen reagiert – unabhängig davon, ob Tech-Aktien steigen oder fallen. Das System nutzt technische Ausbrüche kombiniert mit Volumenanalyse und fundamentalen Auslösern, um gezielt Gewinnchancen zu identifizieren. Konkret werden zweimal wöchentlich Trading-Signale über verschiedene Sektoren hinweg gegeben – von Aktien über Rohstoffe bis zu Kryptowährungen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen durchschnittliche Gewinne von 62,5% pro Trade, wobei einzelne Positionen wie Rheinmetall +136,5%, Siemens Energy +96,9% oder Cameco +60,2% erreichten. Sie erhalten im Webinar den ersten Trade kostenlos sowie einen exklusiven Sektor-Report zu den vier gewinnstärksten Branchen. Details zur Cash-Rallye und kostenlosem ersten Trade
Für deutsche Anleger ist die Botschaft klar: Die „Magnificent Seven" sind nicht mehr unantastbar. Wer in US-Tech investiert ist, sollte genau hinschauen, welche Unternehmen KI-Ausgaben stemmen können – und welche daran zerbrechen könnten. Die nächste Bewährungsprobe steht am 25. Februar an: Dann legt NVIDIA seine Bilanz vor. Sollte auch der Chip-Riese enttäuschen, könnte sich der Abwärtstrend weiter verfestigen.
Ausblick: Zwischen KI-Euphorie und Realitätscheck
Die kommende Woche wird zeigen, ob die Märkte ihre Nervosität ablegen können. Am Montag bleiben die US-Börsen wegen des Presidents' Day geschlossen, in China sind die Märkte die ganze Woche wegen der Neujahrsfeierlichkeiten zu. Am Freitag stehen dann die US-Einkaufsmanagerindizes und der PCE-Preisindex an – das bevorzugte Inflationsbarometer der Federal Reserve. Sollten die Daten höher ausfallen als erwartet, dürften Zinssenkungshoffnungen weiter schwinden – und Tech-Aktien unter zusätzlichen Druck geraten.
Eines ist klar: Die Zeiten, in denen KI-Versprechen allein ausreichten, um Bewertungen in die Höhe zu treiben, sind vorbei. Anthropic mag mit seiner Fokussierung auf Enterprise-Kunden einen Weg gefunden haben, schnell Umsätze zu generieren. Doch die etablierten Player müssen nun beweisen, dass ihre Milliarden-Investitionen nicht nur Kosten, sondern auch Erträge produzieren. Und Taiwan zeigt, dass selbst Halbleiter-Dominanz kein Selbstläufer ist – sondern zunehmend zur Verhandlungsmasse in geopolitischen Schachspielen wird.
Bis Montag – und ein schönes Wochenende,
Andreas Sommer








