Der Rüstungssektor in Europa legt stark zu, Hensoldt gehört dabei zu den auffälligen Gewinnern. Gleichzeitig melden sich Analysten mit klaren Warnungen vor einer zu hoch gelaufenen Bewertung zu Wort. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Sektor-Euphorie und Vorsicht sucht die Aktie derzeit ihre Richtung.

Heute gewinnt das Papier weiter an Boden und notiert mit rund 89,75 Euro deutlich über dem Vortagesschluss. Auf Wochensicht summiert sich der Anstieg auf mehr als 17 %, im Vergleich zum Vorjahr liegt der Kurs sogar über 140 % im Plus. Damit notiert die Aktie klar über dem 50-Tage-Durchschnitt, aber noch gut 20 % unter dem jüngsten 52-Wochen-Hoch.

Sektor-Rally und geopolitische Impulse

Der jüngste Aufschwung ist Teil einer breiten Bewegung im europäischen Rüstungssektor. Titel wie Rheinmetall oder Renk ziehen ebenfalls deutlich an. Treiber sind vor allem neue Signale aus der Politik:

  • Angekündigte Erhöhung des US-Militärbudgets für 2027 durch Präsident Donald Trump
  • Aufrüstungspläne Dänemarks für Grönland
  • Anhaltend hohe Verteidigungsausgaben in Europa

Diese Faktoren stützen die Erwartung, dass die Nachfrage nach Sensorik- und Aufklärungssystemen langfristig hoch bleibt. Der aktuelle Kursanstieg bei Hensoldt erfolgt daher weniger aus Unternehmensnachrichten heraus, sondern vor allem im Sog des gesamten Sektors.

Charttechnisch zeigt sich der starke Lauf: Der Kurs liegt rund 18 % über dem 50-Tage-Durchschnitt von 75,68 Euro. Der RSI von 68,2 signalisiert allerdings bereits ein Niveau nahe der überkauften Zone, was auf eine gewisse Überhitzung hindeuten kann.

mwb research: Verkaufsempfehlung trotz Rückenwind

Deutlich skeptischer als der Markt präsentiert sich mwb research. Die Analysten haben die Aktie am 6. Januar von „Hold“ auf „Sell“ abgestuft und das Kursziel bei 65 Euro belassen – deutlich unter dem aktuellen Kursniveau.

Die Begründung:

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Hensoldt?

  • Auf Basis der mwb-Schätzungen bewertet der Markt Hensoldt mit etwa dem 26-Fachen des erwarteten EV/EBITDA 2026
  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 liegt bei rund 40
  • Die Bewertung liegt mehr als eine Standardabweichung über den historischen Niveaus

Analyst Jens-Peter Rieck verweist zudem darauf, dass Hensoldt keine direkte Exponierung gegenüber Venezuela und nur begrenzte Verbindungen zu den Spannungen zwischen Iran und Israel hat – Themen, die zuletzt die Risikostimmung im Sektor beeinflusst haben. Der Rückenwind sei damit eher makrogetrieben als durch spezifische Risikoprojekte des Unternehmens untermauert.

Hinzu kommt: Die aktuelle Auftragswelle stufen die Experten als zyklisch ein. Gleichzeitig nehme der Wettbewerbsdruck gerade in den Kernfeldern Sensorik und „Software-Defined Defence“ zu. Aus Sicht von mwb research ist der aktuelle Bewertungsaufschlag damit schwer zu rechtfertigen.

Große Aufträge sichern Planungssicherheit

Auf der operativen Seite steht Hensoldt allerdings solide da. Der Auftragsbestand ist in den vergangenen Monaten deutlich gewachsen.

Zentrale Projekte:

  • Im Dezember 2025: Folgeauftrag über rund 1 Mrd. Euro für 104.000 Mikron-Nachtsichtgeräte für die Bundeswehr sowie 4.000 Einheiten für die belgischen Streitkräfte
  • Inklusive früherer Bestellungen sollen bis Ende 2030 mehr als 178.000 Nachtsichtbrillen ausgeliefert werden – die größte NVG-Beschaffung in der Geschichte eines europäischen NATO-Mitglieds
  • Im November 2025: Großauftrag für das Aufklärungsfahrzeug LUCHS 2 im Volumen von knapp 1 Mrd. Euro
  • Hensoldt liefert dabei das CERETRON-Missionssystem und Sensorik für 274 Fahrzeuge der Bundeswehr, mit Optionen auf weitere Systeme

Diese Projekte sorgen für gute Visibilität der Erlöse über mehrere Jahre und stützen die mittelfristige Planung.

Ambitionierte Wachstumsziele bestätigt

Auf dem Capital Markets Day im November 2025 hat das Management den Wachstumskurs noch einmal bekräftigt. Für 2025 peilt das Unternehmen rund 2,5 Mrd. Euro Umsatz an. Darüber hinaus stellte CEO Oliver Dörre eine ambitionierte Mittelfrist-Guidance vor:

  • Rund 10 % Umsatzwachstum im Jahr 2026
  • 15–20 % jährliches Wachstum in den Jahren 2027 und 2028
  • Ab 2029 ein Wachstum von über 20 % pro Jahr

Um diese Ziele zu erreichen, läuft das Programm „Operations 2.0“, mit dem Hensoldt seine Produktionskapazitäten erweitert. Die Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die erwartete Auftragsdynamik auch operativ abgearbeitet werden kann.

Nächste Termine und entscheidende Wegmarken

Die kurzfristig wichtigsten Termine stehen bereits fest:

    1. Januar: Auftritt beim ODDO BHF Forum
  • 12.–14. Januar: Commerzbank & ODDO BHF German Investment Seminar in New York
    1. Januar: Baader Helvea German Corporate Day in Toronto
    1. Februar 2026: Vorlage der vorläufigen Jahreszahlen 2025

Die Spannbreite zwischen optimistischer Sektor-Stimmung und der klar pessimistischen Einstufung von mwb research bildet derzeit den Kernkonflikt rund um die Aktie. Konkrete Zahlen zum Geschäftsjahr 2025 und ein belastbarer Ausblick für 2026 werden am 26. Februar zeigen müssen, ob die aktuelle Wachstumsstory und die hohe Bewertung im Markt gerechtfertigt sind.

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