Die Hoffnung auf eine schnelle Bereinigung der Bilanzprobleme beim Pharmaverpackungsspezialisten hat sich zerschlagen. Statt Entwarnung gab es am vergangenen Dienstag eine deutliche Ausweitung der Untersuchungen durch die Finanzaufsicht BaFin. Das Vertrauen der Anleger scheint nun vollends aufgebraucht, was die Aktie auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise 2009 drückt.

BaFin weitet Prüfungen massiv aus

Der Druck auf das Düsseldorfer Unternehmen hat eine neue Dimension erreicht. Die BaFin prüft nun nicht mehr nur den Konzernabschluss 2024, sondern hat parallel eine Untersuchung des Halbjahresfinanzberichts 2025 eingeleitet. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die bereits bekannten Fehler bei sogenannten „Bill-and-Hold“-Geschäften.

Die Mängelliste der Aufsichtsbehörde ist lang und substanziell. Im Fokus stehen möglicherweise fehlerhafte Leasingverbindlichkeiten, falsch angesetzte Nutzungsdauern bei aktivierten Entwicklungskosten und ausgebliebene Wertminderungen im Segment Advanced Technologies. Allein im Abschluss 2024 sollen Umsätze in Höhe von 35 Millionen Euro nicht korrekt verbucht worden sein. Das Management betont zwar die volle Kooperation, doch die Unsicherheit über das tatsächliche Ausmaß der Bilanzkosmetik lähmt jede fundamentale Bewertung.

Der Kapitalmarkt reagierte mit einer brutalen Neubewertung. Mit einem Schlusskurs von 16,80 Euro am Freitag hat der Titel seit seinem Höchststand im September 2023 über 88 Prozent an Wert vernichtet.

Prognosesenkung und Notverkäufe

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Die operativen Auswirkungen der Krise werden nun in den Büchern sichtbar. Für das Geschäftsjahr 2025 musste der Vorstand die Prognose erneut senken und erwartet nun einen Umsatzrückgang sowie eine reduzierte EBITDA-Marge zwischen 16,5 und 17,5 Prozent. Besonders schwer wiegen die angekündigten Wertberichtigungen: Das Unternehmen rechnet mit nicht zahlungswirksamen Abschreibungen in einer Höhe von bis zu 240 Millionen Euro, die vor allem die Bereiche in der Schweiz und den USA betreffen.

Um die drückende Schuldenlast in den Griff zu bekommen, greift Gerresheimer zu drastischen Maßnahmen. Die profitable US-Tochter Centor, ein Ertragsbringer im Bereich Kunststoffverpackungen, steht nun offiziell zum Verkauf. Marktbeobachter werten dies als Notwendigkeit, um Liquidität zu sichern, auch wenn dadurch künftige Margenpotenziale geopfert werden. Zusätzlich soll ein Werk in Chicago noch in diesem Jahr geschlossen werden.

Analysten ziehen die Reißleine

Die Kombination aus regulatorischem Druck und strategischem Schrumpfkurs lässt auch die Experten abrücken. Die UBS reagierte prompt und kappte ihr Kursziel radikal auf 12,90 Euro, verbunden mit einer Verkaufsempfehlung. Die Analysten sehen in der geplanten Veräußerung von Kern-Assets ein Warnsignal für die Substanz des Unternehmens. Parallel dazu droht juristischer Ärger: Anlegerschützer der DSW prüfen bereits Schadensersatzklagen gegen die ehemaligen Verantwortlichen.

Für eine Bodenbildung fehlt aktuell jegliche Basis. Solange keine testierten Zahlen vorliegen und die BaFin-Prüfung wie ein Damoklesschwert über dem Konzern schwebt, bleibt die Aktie ein Spielball der Spekulation. Erst die für Ende März angepeilte Veröffentlichung des Geschäftsberichts könnte erste Klarheit bringen, ob das Unternehmen in seiner jetzigen Form stabilisiert werden kann.

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