Zwei parallele Prüfungen, verschobener Jahresabschluss, Wertminderungen im dreistelligen Millionenbereich – beim Pharmaverpackungsspezialisten Gerresheimer eskaliert die Lage. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht verschärft den Druck massiv und weitet ihre Untersuchung aus. Anleger flüchten: Die Aktie markiert Tiefstände, die zuletzt vor über 16 Jahren erreicht wurden.

Doppelschlag der Aufsicht

Am 25. Februar gab Gerresheimer bekannt, dass die BaFin nicht nur ihre laufende Prüfung des Konzernabschlusses 2024 ausweitet, sondern parallel eine zweite Untersuchung zum Halbjahresfinanzbericht 2025 einleitet.

Im Fokus der erweiterten Prüfung 2024 stehen potenziell falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten und unterlassene Wertminderungen bei Vermögenswerten der Advanced-Technologies-Sparte.

Beim Halbjahresbericht 2025 moniert die Aufsicht drei Problemfelder: ein möglicherweise veraltetes Risikoberichtswesen, fehlende Wertminderungen sowie falsch erfasste Umsätze aus Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Bei dieser Praxis werden Erlöse verbucht, bevor die Ware tatsächlich ausgeliefert wurde – eine Methode, die bereits im Dezember 2025 ins Visier geraten war.

Jahresabschluss auf Eis, Abschreibungen in Sicht

Die Veröffentlichung des Jahres- und Konzernabschlusses 2025 wurde verschoben. Gerresheimer hat eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, die Buchführungspraktiken der vergangenen beiden Geschäftsjahre zu durchleuchten.

Die bisherigen Ergebnisse der Werthaltigkeitstests deuten auf nicht-zahlungswirksame Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro hin. Betroffen sind vor allem Technologie- und Entwicklungsprojekte der Tochter Sensile Medical sowie Vermögenswerte der US-Gesellschaft Gerresheimer Moulded Glass Chicago.

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Bereits für 2024 hatte das Unternehmen Korrekturen vorgenommen: 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA waren nicht regelkonform verbucht worden. Verantwortlich waren laut Gerresheimer Verstöße von Mitarbeitern gegen interne Vorschriften bei Bill-and-Hold-Geschäften.

Prognosen gesenkt

Für 2025 erwartet der Konzern nun einen Umsatzrückgang am unteren Ende der bisherigen Spanne von minus 4 bis minus 2 Prozent. Die EBITDA-Marge wurde von ursprünglich 18,5 bis 19,0 Prozent auf 16,5 bis 17,5 Prozent reduziert.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 kalkuliert Gerresheimer mit Erlösen zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro, einer bereinigten EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent sowie einem moderat positiven freien Cashflow.

Transformation unter Krisenbedingungen

Parallel zur Aufarbeitung der Bilanzprobleme treibt das Management strategische Maßnahmen voran. Die US-Tochter Centor Inc., spezialisiert auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente, soll noch 2026 verkauft werden. Morgan Stanley wurde bereits mit der Abwicklung mandatiert.

Das Moulded-Glass-Werk in Chicago Heights wird bis Ende des Geschäftsjahres geschlossen. Diese Schritte sind Teil des Transformationsprogramms "gto", das Kosten senken, die Leistung steigern und den freien Cashflow verbessern soll. Zu den Maßnahmen zählen eine selektivere Investitionsplanung, verbessertes Working-Capital-Management sowie die Optimierung von Beschaffung und Produktionsnetzwerk.

Führungswechsel nach Vertrauensverlust

Der frühere CEO Dietmar Siemssen hat das Unternehmen nach einer Serie von Gewinnwarnungen verlassen. CFO Bernd Metzner war bereits Monate zuvor zurückgetreten.

Investoren kritisieren neben den Bilanzproblemen den negativen freien Cashflow sowie Schwächen beim Management von Vorräten, Leasingverbindlichkeiten und immateriellen Vermögenswerten. Im Markt wird spekuliert, ob ein strategischer Käufer Interesse zeigen oder ein Delisting anstehen könnte.

Abschluss der Aufsichtsprüfungen entscheidend

Solange der Jahresabschluss 2025 nicht testiert ist und die BaFin ihre beiden Untersuchungen nicht abgeschlossen hat, fehlt Anlegern die Grundlage für eine fundierte Neubewertung. Der nächste wichtige Termin ist die Veröffentlichung des Quartalsberichts Q1 am 16. April 2026 – vorausgesetzt, keine weiteren Verzögerungen treten ein.

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