Innerhalb weniger Handelstage erlebte die Gerresheimer-Aktie eine extreme Kursachterbahn: Auf einen Einbruch von rund zehn Prozent folgte ein Anstieg von fast 18 Prozent — ein Ausschlag, der die tiefe Verunsicherung rund um den Verpackungskonzern widerspiegelt. Hinter den Schwankungen steckt eine Gemengelage aus Bilanzproblemen, verschobenen Verkaufsplänen und strategischen Fragezeichen.

Notverkauf statt geordneter Strategie

Ursprünglich sollte die Behälterglassparte Moulded Glass 2026 veräußert werden. Diesen Plan hat Gerresheimer nun auf unbestimmte Zeit verschoben — stattdessen kommt die US-Tochter Centor Inc. unter den Hammer. Morgan Stanley wurde als Berater mandatiert, der Abschluss soll noch 2026 erfolgen.

Centor stand Ende 2024 mit 292 Millionen Euro in den Büchern und gilt als hochprofitables Segment für verschreibungspflichtige Medikamentenverpackungen. Der Erlös soll den Schuldenberg reduzieren — allerdings dürfte der Wegfall die Ertragskraft des Konzerns spürbar schwächen.

Auslöser der gesamten Krise ist eine BaFin-Rüge: Die Finanzaufsicht beanstandete, dass Gerresheimer 2024 Umsätze vorzeitig verbucht hatte, obwohl Waren noch nicht ausgeliefert worden waren. Sogenannte „Bill-and-Hold"-Vereinbarungen stehen im Mittelpunkt. Der testierte Jahresabschluss für 2025 wird nun erst im Juni 2026 erwartet, Kreditverhandlungen über eine Fristverlängerung laufen parallel. Hinzu kommen nicht-zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro — vor allem auf Technologieprojekte der Sensile Medical AG und Anlagen in Chicago.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?

Für 2025 erwartet Gerresheimer einen Umsatzrückgang am oberen Ende der Prognosespanne von minus vier bis minus zwei Prozent, eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 16,5 und 17,5 Prozent sowie ein bereinigtes EPS, das im hohen zweistelligen Prozentbereich zurückgehen und sogar negativ werden kann.

GLP-1: Hoffnung unter Vorbehalt

Ein wichtiger Bewertungsfaktor bleibt die Positionierung im GLP-1-Segment. Gerresheimer liefert das Doppelkammer-Pen-System für CagriSema von Novo Nordisk — ein technisch komplexes Gerät, das den unterschiedlichen pH-Anforderungen der beiden Wirkstoffe Rechnung trägt. Die FDA-Entscheidung über die Zulassung wird für Ende 2026 erwartet.

Novo Nordisk hat jedoch bereits einen Phase-1-Trial gestartet, der eine Einkammer-Formulierung von CagriSema untersucht. Gelingt eine vereinfachte Formulierung, würde der strategische Wert des Doppelkammer-Systems für Gerresheimer sinken. Wie stark dieser Effekt ins Gewicht fällt, hängt vom Ausgang der klinischen Prüfung ab — ein Ergebnis, das frühestens in einigen Jahren vorliegen dürfte.

Für 2026 stellt das Unternehmen Umsatzerlöse von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent und einen moderat positiven Free Cashflow in Aussicht. Der Hauptversammlungstermin steht weiterhin nicht fest — ein ungewöhnlicher Zustand, der den anhaltenden Druck auf das Management verdeutlicht.

Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 22. März liefert die Antwort:

Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 22. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...