Bilanzfehler, eine laufende BaFin-Prüfung und Übernahmegerüchte — Gerresheimer liefert derzeit mehr Schlagzeilen als operative Stabilität. Der Kurs spiegelt das wider: innerhalb weniger Tage ein Absturz, eine explosive Erholung, dann wieder Rückzug.

Achterbahn ohne Boden

Am 19. März brach die Aktie auf Xetra um rund zehn Prozent auf 17,32 Euro ein. Einen Tag später folgte das Gegenteil: Berichte über ein mögliches Übernahmeinteresse des US-Verpackungskonzerns Silgan Holdings trieben den Kurs um fast 22 Prozent auf 21,60 Euro. Reuters zitierte Insider mit einem potenziellen Gebot von 41 Euro je Aktie. Eine offizielle Bestätigung — weder von Gerresheimer noch von Silgan — blieb aus.

Seither bröckeln die Gewinne wieder ab. Dass ein unbestätigtes Gerücht solche Ausschläge erzeugt, zeigt, wie angespannt das Marktvertrauen ist. Die Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt annualisiert bei über 113 Prozent — ein Wert, der eher an ein Biotech-Startup als an einen etablierten Industriewert erinnert.

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BaFin prüft, Kalender bleibt leer

Der tiefere Grund für die Unsicherheit liegt in der Bilanz. Die BaFin leitete am 6. März eine formelle Prüfung des Konzernzwischenabschlusses für den Zeitraum Dezember 2024 bis Mai 2025 ein. Die Behörde nennt konkrete Schwachstellen:

  • Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Mio. Euro möglicherweise falsch ausgewiesen
  • Nutzungsdauern aktivierter Entwicklungskosten (Buchwert: 29,4 Mio. Euro) im Anhang fehlerhaft angegeben
  • Vermögenswerte des Segments Advanced Technologies (Buchwert: 196,5 Mio. Euro) wertgemindert, ohne dass der Aufwand korrekt erfasst wurde

Gerresheimer hat Bilanzfehler eingeräumt, die unter anderem sogenannte „Bill & Hold"-Umsätze betreffen — eine Praxis, bei der Erlöse gebucht werden, ohne die Ware physisch ausgeliefert zu haben. Das Unternehmen kündigte Wertberichtigungen von 220 bis 240 Millionen Euro an. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz prüft bereits Schadenersatzansprüche.

Jahresabschluss verschoben, SDAX-Abgang droht

Weil der testierte Jahresabschluss 2025 nicht vor dem 31. März vorliegen wird, droht Gerresheimer der Abstieg aus dem SDAX. Laut Unternehmensangaben verzögern sich die Aufstellung des Abschlusses sowie eine parallele Untersuchung durch eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Auf der Investor-Relations-Seite stehen Quartalsmitteilung und Hauptversammlung ohne festes Datum.

Der nächste belastbare Orientierungspunkt ist der für Juni 2026 angestrebte Jahresabschluss — verbunden mit dem Ergebnis der BaFin-Prüfung. Solange beide ausstehen, bleibt der Kurs anfällig für jeden Nachrichtenimpuls. Für das laufende Jahr plant das Unternehmen mit einem Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro — doch selbst dieser Ausblick steht unter dem Vorbehalt einer noch nicht abgeschlossenen Bilanzaufarbeitung.

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