Der Rauswurf aus dem SDAX markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer massiven Unternehmenskrise. Um drohende Kreditverstöße abzuwenden und dringend benötigte Liquidität zu beschaffen, greift das Management des Pharmazulieferers Gerresheimer nun zu drastischen Mitteln. Das profitabelste Segment des Konzerns soll veräußert werden, während parallel die Finanzaufsicht BaFin die Bücher durchleuchtet.

Harter Schnitt in den USA

Im Zentrum der Sanierungsbemühungen steht die US-Tochter Centor Inc. Der Spezialist für Medikamentenverpackungen gilt als Ertragsperle des Unternehmens und steht nun mit einem Buchwert von 292 Millionen Euro im Schaufenster. Die Investmentbank Morgan Stanley sucht bereits nach Käufern. Gleichzeitig schließt der Konzern bis Ende 2026 sein Glaswerk in Chicago Heights und verlagert die Produktion nach Italien und Indien.

Diese Einschnitte fordern ihren Tribut: Das Management plant mit nicht-zahlungswirksamen Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro. Der enorme fundamentale Druck spiegelt sich deutlich im Aktienkurs wider, der auf Zwölfmonatssicht dramatische 73,44 Prozent an Wert verloren hat.

Bilanzchaos ruft Aufseher auf den Plan

Die operative Umstrukturierung wird von ernsten Governance-Problemen überschattet. Weil die BaFin mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Umsatzrealisierung in den Jahren 2024 und 2025 untersucht, verzögert sich der testierte Jahresabschluss bis voraussichtlich Juni 2026. Dieser Zeitverzug kostete Gerresheimer aufgrund verletzter Transparenzanforderungen nicht nur den Platz im SDAX, sondern bringt das Unternehmen auch bei seinen Kreditgebern in Bedrängnis. Ohne testierte Zahlen drohen technische Verstöße gegen wichtige Finanzierungsklauseln.

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Investoren wittern ihre Chance

Die prekäre Lage weckt derweil das Interesse von aktivistischen Investoren und Konkurrenten. Die Investmentgesellschaft Active Ownership Capital hält über 7 Prozent der Anteile und fordert schon länger den Verkauf unrentabler Sparten. Gleichzeitig kursieren Marktgerüchte über ein mögliches Übernahmeangebot des US-Konzerns Silgan Holdings. Spekuliert wird über eine Offerte von mehr als 40 Euro je Anteilsschein.

Diese Übernahmefantasie sorgt für extreme Kursschwankungen. Die Aktie verzeichnet aktuell eine annualisierte Volatilität von über 112 Prozent und reagierte heute mit einem Kurssprung von 5,65 Prozent auf 20,20 Euro.

Für die Aktionäre bedeutet der Sanierungskurs operativ vorerst Verzicht, da die Dividende auf das gesetzliche Minimum von 0,04 Euro zusammengestrichen wurde. Die entscheidende Bewährungsprobe für das Management folgt im Juni 2026. Bis zu diesem Termin müssen der testierte Jahresabschluss vorliegen und die BaFin-Prüfung bewältigt sein, um die angespannte Bilanz zu entlasten und das Vertrauen des Kapitalmarkts zurückzugewinnen.

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