Pharmaverpackungen, zwei BaFin-Prüfungen und ein verschobener Jahresabschluss – Gerresheimer steckt in der schwersten Krise seit Jahren. Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro, ein Kursabsturz auf 16-Jahres-Tief und interne Bilanzierungsverstöße haben das Vertrauen am Kapitalmarkt zerstört. Am 31. März 2026 muss der testierte Jahresabschluss vorliegen. Gelingt das nicht, droht eine weitere Eskalation.

Aufsicht verschärft den Druck

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht untersucht Gerresheimer seit September 2025 wegen möglicher Rechnungslegungsverstöße. Ende Februar eskalierte die Situation: Die BaFin weitete nicht nur ihre laufende Prüfung des Konzernabschlusses 2024 aus, sondern eröffnete parallel eine zweite Untersuchung zum Halbjahresfinanzbericht 2025.

Im Fokus stehen beim Jahresabschluss 2024 Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro, die möglicherweise fehlerhaft ausgewiesen wurden. Beim Halbjahresbericht 2025 moniert die Aufsicht drei zentrale Problemfelder: ein veraltetes Risikoberichtswesen, unterlassene Wertminderungen sowie falsch erfasste Umsätze aus Bill-and-Hold-Vereinbarungen.

Interne Verstöße als Auslöser

Der Kern der Krise liegt tiefer: Einzelne Mitarbeiter haben nach Unternehmensangaben interne Richtlinien und Bilanzierungsvorschriften verletzt. Die daraus resultierenden Korrekturen betreffen hauptsächlich die Umsatzerfassung sowie die Bilanzierung und Bewertung von Vorräten. Gerresheimer hat eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Untersuchung beauftragt.

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Die finanziellen Folgen wiegen schwer: Das Unternehmen rechnet für 2025 mit Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro – ohne Auswirkungen auf den Cashflow. Hauptursachen sind Abschreibungen bei Sensile Medical in der Schweiz und bei Gerresheimer Moulded Glass Chicago in den USA. Die bereinigte EBITDA-Marge soll nur noch 16,5 bis 17,5 Prozent erreichen, nach zuvor prognostizierten 18,5 bis 19,0 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie dürfte um einen hohen zweistelligen Prozentsatz sinken – ein Verlust ist möglich.

Centor-Verkauf soll Bilanz entlasten

Um die Bilanz zu stärken, plant Gerresheimer den Verkauf seiner US-Tochter Centor noch 2026. Die Investmentbank Morgan Stanley soll den Prozess begleiten. Centor stellt Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente her und operiert in einem hochmargigen Geschäft. Den zuvor angekündigten Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts wird das Unternehmen hingegen nicht weiterverfolgen.

DSW prüft Schadenersatz

Während sich erste institutionelle Investoren positionieren – der CastleKnight Master Fund meldete Anfang März eine Beteiligung von 4,08 Prozent – formiert sich juristischer Widerstand. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kündigte an, mögliche Schadenersatzansprüche gegen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder zu prüfen.

Was jetzt entscheidend ist

Für 2026 peilt Gerresheimer einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro an, erwartet aber ein schwaches erstes Halbjahr. Der 31. März ist der entscheidende Termin: Bis dahin muss der testierte Jahresabschluss vorliegen. Gelingt dies fristgerecht, könnte das Unternehmen zentrale Aspekte der BaFin-Prüfung adressieren. Scheitert Gerresheimer an dieser Deadline, dürfte sich die Krise verschärfen. Der Quartalsbericht Q1 folgt am 16. April, die Hauptversammlung findet am 3. Juni statt.

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