Der Pharmazulieferer Gerresheimer verpasst die Frist zur Vorlage seines testierten Jahresabschlusses für 2025. Die Verzögerung offenbart tiefe Risse im Fundament des Unternehmens und zwingt das Management nun zu drastischen Maßnahmen. Um dringend benötigtes Kapital zu beschaffen, steht das profitabelste Segment des Konzerns zum Verkauf.

Bilanzfehler und massive Wertberichtigungen

Eine unabhängige Untersuchung deckte systematische Verstöße gegen IFRS-Vorschriften bei der Umsatzrealisierung auf. Neben dem regulären Prüfer KPMG, der nun selbst ins Visier der Aufsicht APAS geraten ist, durchleuchtet Grant Thornton die Bücher. Die finanziellen Dimensionen der Korrekturen sind erheblich:

  • Fehlerhafte Verbuchungen 2024: 35 Millionen Euro Umsatz
  • Korrektur beim bereinigten EBITDA 2024: 24 Millionen Euro
  • Geplante Wertberichtigungen: 220 bis 240 Millionen Euro

Diese Belastungen erklären den massiven Vertrauensverlust, der den Aktienkurs auf Sicht von zwölf Monaten um fast 72 Prozent einbrechen ließ. Das Papier notiert aktuell bei 19,70 Euro – ein Bruchteil der knapp 100 Euro aus dem Herbst 2024.

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Notverkauf und verletzte Kreditklauseln

Die verschobene Bilanzvorlage hat direkte Konsequenzen für die Finanzierungsstruktur. Der Konzern verletzt damit Pflichten aus bestehenden Kreditverträgen und muss mit den Geldgebern über Fristverlängerungen verhandeln. Als Reaktion auf den Kapitalbedarf hat das Management Morgan Stanley beauftragt, die US-Tochter Centor zu veräußern. Das auf Medikamentenverpackungen spezialisierte Segment stand Ende 2024 mit 292 Millionen Euro in den Büchern.

Dieser Schritt birgt ein strategisches Risiko, da der Verkauf zwar Liquidität schafft, die Gesamtprofitabilität des Unternehmens aber schwächen dürfte. Parallel schließt der Konzern bis Ende 2026 eine Glasfabrik in Chicago und verlagert Kapazitäten nach Italien und Indien.

Juristisches Nachspiel und neue Investoren

Die Aufarbeitung der Krise beschäftigt mittlerweile auch Juristen. Der Aktionärsschutzverband DSW prüft mithilfe eines Gutachtens mögliche Schadensersatzansprüche gegen den ehemaligen CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner. Trotz dieser unübersichtlichen Gemengelage und dem bereits vollzogenen Ausschluss aus dem SDAX positionieren sich erste institutionelle Anleger neu. Fonds wie CastleKnight und Deka Investment haben auf dem stark reduzierten Kursniveau neue Beteiligungen gemeldet.

Der entscheidende Termin für die weitere Entwicklung ist nun der Juni 2026. Dann muss das Unternehmen den testierten Jahresabschluss vorlegen und die Ergebnisse der laufenden Kreditverhandlungen präsentieren. Erst dieses Dokument wird belegen, ob die für 2026 ausgegebene Prognose von bis zu 2,4 Milliarden Euro Umsatz auf einem belastbaren Fundament steht.

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