In der Episode #1125 der Wiener Börse Party fasst Moderator Christian Drastil einen Handelstag zusammen, der auf den ersten Blick wenig spektakulär wirkt – bei dem aber unter der Oberfläche gleich mehrere gewichtige Nachrichten zusammenkommen: neue Kapitalmarktprognosen, ein milliardenschwerer Bankendeal und starke Immobilienzahlen.

Verhaltener Wochenstart trotz starker Andritz-Dividende

Der ATX startete am Montag, dem 30. März 2026, nahezu unverändert in die neue Woche und notierte mit einem minimalen Minus von 0,03 Prozent bei 5.269 Punkten. Die Top-Performer im österreichischen Leitindex waren die CPI Property Group mit einem Plus von 2,6 Prozent, gefolgt von PORR mit plus 1,9 Prozent und Agrana mit plus 1,8 Prozent.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Bemerkenswert ist an diesem Tag die Differenz zwischen ATX und ATX Total Return: Während der klassische Index leicht im Minus lag, zeigte der Total-Return-Index ein Plus. Der Grund: Andritz wurde ex Dividende gehandelt, mit einem Bruttoabschlag von 2,7 Euro je Aktie. Diese Ausschüttung fließt in den Total-Return-Index ein, belastet aber den regulären ATX. Der DAX in Frankfurt zeigte sich ebenfalls wenig bewegt und notierte mit einem minimalen Plus von 0,06 Prozent bei 22.314 Punkten. Dort führten RWE mit plus 1,7 Prozent, MTU mit plus 1,4 Prozent und Scout24 mit plus 1,2 Prozent die Gewinnerliste an.

CPI Property Group überrascht mit Gewinnsprung

Die eigentlich wichtigen Nachrichten des Tages waren bereits am Freitag veröffentlicht worden. Die CPI Property Group, am Montag größter Gewinner im ATX, hatte starke Jahreszahlen vorgelegt. Der Konzerngewinn für 2025 belief sich auf 513 Millionen Euro – ein gewaltiger Anstieg gegenüber den 133 Millionen Euro aus dem Vorjahr 2024.

Besonders aufschlussreich ist bei Immobiliengesellschaften das Neubewertungsergebnis: Dieses lag bei 211,8 Millionen Euro, nach lediglich 12,6 Millionen Euro 2014. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) erhöhte sich auf 710 Millionen Euro nach zuvor 419 Millionen Euro. Das Unternehmen zeigte sich zufrieden und führte die positive Entwicklung auf verbesserte Renditen und Mietentwicklungen in der Asset-Klasse Einzelhandel zurück.

Trotz der starken Zahlen wird es allerdings keine Dividende geben. CPI Property Group will vorschlagen, auf eine Ausschüttung zu verzichten, um stattdessen eine weitere Stärkung der Bilanz voranzutreiben.

RBI wird zum Big Player in Rumänien

Die zweite große Freitagsnachricht betrifft die Raiffeisen Bank International (RBI). Der Erwerb von 100 Prozent der Anteile an der Garanti BBVA ist nun offiziell bestätigt. Was zuvor bereits als wahrscheinlich galt, ist jetzt fix: Der Kaufpreis beträgt 591 Millionen Euro. Mit dieser Übernahme wird die RBI zu einem großen Akteur auf dem rumänischen Bankenmarkt – eine Position, die im österreichischen Bankenumfeld auch die Erste Group in Rumänien einnimmt.

Raiffeisen Research senkt ATX-Prognosen – Bärenmarkt erwartet

Die vielleicht folgenreichste Nachricht des Tages kommt von Raiffeisen Research selbst. Das Analysehaus hat seine Kapitalmarktprognosen deutlich nach unten angepasst und rechnet in den kommenden Monaten mit weiter fallenden Kursen. Die neuen ATX-Zielniveaus im Überblick:

  • Juni 2026: 4.750 Punkte
  • September 2026: 4.500 Punkte
  • Dezember 2026: 5.250 Punkte
  • März 2027: 5.300 Punkte

Raiffeisen Research erwartet demnach, dass Europa offiziell in einen Bärenmarkt abdriftet, bevor sich die Kurse gegen Jahresende wieder erholen. Gleichzeitig räumen die Analysten ein, dass die gesamte Marktlage an einem geopolitischen Konflikt hängt, „der morgen beendet sein, aber ebenso in Sekunden massiv eskalieren könnte." Die Unsicherheit bleibt also das bestimmende Element..

Analysten-Updates: Frequentis mit deutlicher Kurszielerhöhung

Der Montag brachte zudem eine Reihe von Analysteneinschätzungen zu österreichischen Werten. Berenberg bestätigte die Kaufempfehlung für PORR mit einem Kursziel von 40 Euro. RBC Capital stuft den Verbund weiterhin mit Underperform ein und senkte das Kursziel leicht von 57,5 auf 56,5 Euro. SRC Research hält an seiner Kaufempfehlung für UBM fest und sieht das Kursziel bei 30 Euro.

Die auffälligste Einschätzung kam zu Frequentis: Berenberg bestätigte die Kaufempfehlung und hob das Kursziel deutlich von 70 auf 89 Euro an – ein Signal, das Anleger aufhorchen lassen dürfte.

Zeitumstellung und Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Der ATX zeigt sich am Montag oberflächlich ruhig, doch unter der Oberfläche brodelt es. Die deutlich gesenkten Prognosen von Raiffeisen Research, der milliardenschwere RBI-Deal in Rumänien, die starken CPI-Zahlen ohne Dividende und eine bemerkenswerte Kurszielerhöhung für Frequentis liefern reichlich Gesprächsstoff für die kommenden Wochen. Die zentrale Frage bleibt, ob sich das von Raiffeisen Research skizzierte Bärenmarkt-Szenario bewahrheitet – oder ob eine geopolitische Entspannung die Karten neu mischt.