Die Bilanzkrise bei Gerresheimer weitet sich aus — und bekommt jetzt eine juristische Dimension. Der Aktionärsschutzverband DSW hat ein Gutachten zur Verantwortlichkeit ehemaliger Vorstände und Aufsichtsräte eingeholt und prüft Schadensersatzansprüche. Im Visier stehen namentlich Ex-CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner.

„Die Salamitaktik zermürbt", kommentierte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler — und verwies auf einen Kursverfall, der kaum Parallelen kennt. Vor der ersten Gewinnwarnung im Herbst 2024 notierte die Aktie noch bei knapp 100 Euro. Gestern schloss sie bei 19,24 Euro.

BaFin weitet Prüfung erheblich aus

Parallel dazu verschärft die Finanzaufsicht BaFin ihren Druck. Was zunächst als Prüfung von sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen begann — Umsatzbuchungen vor tatsächlicher Warenauslieferung —, erstreckt sich inzwischen auf weitere Tatbestände: fehlerhafte Bilanzierung von Leasingverbindlichkeiten, möglicherweise unzulässige Aktivierung von Entwicklungskosten und unterlassene Wertminderungsbuchungen.

Besonders brisant ist ein Detail zum Halbjahresbericht 2025: Das Risiko aus der Übernahme von Bormioli Pharma wurde darin als „gering" eingestuft — laut BaFin gibt es Anhaltspunkte, dass diese Einschätzung „nicht mehr angemessen" war. Neben dem regulären Abschlussprüfer KPMG durchleuchtet nun auch Grant Thornton die Bücher der Jahre 2024 und 2025. Allein für 2024 stehen fehlerhafte Verbuchungen von 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA im Raum.

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Kettenreaktion mit offenem Ende

Die Sonderprüfung verzögert den testierten Jahresabschluss — und das zieht weitere Konsequenzen nach sich. Der drohende SDAX-Ausschluss dürfte Indexfonds zu Umschichtungen zwingen und zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen. Die Quartalsmitteilung für Q1 2026, ursprünglich für den 16. April geplant, wird verschoben. Die Hauptversammlung am 3. Juni 2026 kann nicht wie geplant stattfinden.

Tüngler formulierte es nüchtern: „Je härter sich die Ansprüche herauskristallisieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich auch ein Prozessfinanzierer engagiert." Das wäre ein weiteres Kapitel in einer Krise, die das Unternehmen strukturell, juristisch und operativ unter Druck hält.

Trotz alledem melden erste institutionelle Investoren Einstiegspositionen: Der CastleKnight Master Fund und die Deka Investment haben auf dem gedrückten Kursniveau neue Beteiligungen angemeldet. Gerresheimer selbst stellt für 2026 einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent in Aussicht. Der Verkauf der US-Tochter Centor Inc. soll über Morgan Stanley noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Der testierte Jahresabschluss im Juni 2026 wird zeigen, wie tief die Bilanzierungsfehler tatsächlich reichen — und ob die laufenden Kreditverhandlungen zu tragfähigen Ergebnissen geführt haben. Erst dann dürfte sich klären, ob die neuen institutionellen Investoren auf das Richtige gesetzt haben.

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