Alex Schütz: Vom Cold Calling zum viermaligen Rückkauf der eigenen Firma
In einer der meistgehörten Episoden von „Börsepeople im Podcast" sprach Host Christian Drastil mit dem Unternehmer und Investor Alex Schütz über dessen bemerkenswerte Karriere im österreichischen Finanzmarkt. Der C-Quadrat-Gründer erzählt von unkonventionellen Anfängen, dramatischen Wendepunkten und der Kunst, ein Unternehmen gleich viermal zu besitzen.
Vom Platinoptionen-Verkauf zur Fondspionierarbeit
Die Geschichte von Alex Schütz beginnt nicht in einem Hörsaal, sondern am Telefon. Während seiner Zeit an der Wirtschaftsuniversität Wien verdiente er sein Geld bei Dr. Kernstock mit dem Verkauf von Platinoptionen. Die Methode war simpel und heute undenkbar: Cold Calling. „Wir haben das Telefonbuch durchtelefoniert, haben uns alle Akademiker im 19. Bezirk rausgesucht und haben sie gefragt, ob sie nicht Platinoptionen kaufen wollen", erinnert sich Schütz. Neun von zehn legten sofort auf – doch die erfolgreichen Abschlüsse brachten gutes Geld.
Bei dieser Tätigkeit lernte Schütz seinen späteren Geschäftspartner Thomas Rieß kennen. Beide wechselten zur Vienna Portfolio Management (VPM), die als Generalvertretung für Barings-Fonds fungierte. Dort entdeckten sie ein Problem: Die VPM durfte aufgrund eines Exklusivvertrags nur Barings-Produkte verkaufen – unabhängig davon, ob diese die besten am Markt waren.
Die beiden jungen Männer wollten für ihre Kunden die optimalen Fonds zusammenstellen, das sogenannte Fundpicking betreiben. Als ihre Vorgesetzten ablehnten, kündigten sie kurzerhand und gründeten 1991 die C-Quadrat GmbH. Das Startkapital: 50.000 Schilling, zur Hälfte einbezahlt. Der erste Firmensitz: Schütz' Wohnzimmer in der Biberstraße im ersten Wiener Bezirk.
Das revolutionäre Gebührenmodell und die Harley-Krise
Anders als die Konkurrenz verzichtete C-Quadrat auf den damals üblichen Ausgabeaufschlag von rund fünf Prozent. Stattdessen verkauften sie Fonds zum Einstandskurs und verrechneten eine jährliche Managementgebühr. „Wir wollten immer ein Recurring Revenue aufbauen, laufende Einnahmen aus dem bestehenden Volumen", erklärt Schütz die Strategie.
Diese Entscheidung hatte Konsequenzen. Während Kollegen bereits mit Porsches fuhren, teilten sich Schütz und Rieß den alten Ford Scorpio von Schütz' Vater mit 200.000 Kilometern auf dem Tacho. Im dritten Jahr nach der Gründung folgte der Tiefpunkt: Der Steuerberater berief eine Krisensitzung ein. Die Kosten überstiegen die Einnahmen, das Jahresende war nicht finanzierbar.
Die Lösung war radikal. Schütz verkaufte seine Harley-Davidson, Rieß sein Auto. Das Überleben von C-Quadrat war gesichert. Aus dem kleinen Unternehmen entwickelte sich ein Pionier für Dachfonds in Österreich – eine Struktur, bei der Fondsmanager nicht in einzelne Aktien, sondern in andere Fonds investieren.
Viermal Eigentümer: Eine beispiellose Unternehmensgeschichte
Was Schütz' Karriere einzigartig macht, ist die Tatsache, dass er C-Quadrat viermal besessen hat – dreimal verkauft und jedes Mal zurückgekauft. Der erste Rückkauf wurde durch einen Konflikt mit einem Aktionär ausgelöst, der Immobilien zu überhöhten Preisen in die Fonds verkaufen wollte. Schütz und Rieß lehnten ab, der Aktionär wollte sich trennen. Die Bank Austria gewährte einen Kredit über 160 Millionen Schilling – allerdings nur mit der Bürgschaft von Schütz' Vater, der kopfschüttelnd unterschrieb.
Um diesen Kredit abzulösen, brachten sie C-Quadrat in Deutschland an die Börse. Der Anstoß kam von Christian Angermeyer, den Schütz zunächst wegen eines Namensstreits um einen gleichnamigen Fonds kennengelernt hatte. Statt sich zu verklagen, wurden sie Geschäftspartner.
Die zweite dramatische Wende kam, als der Investor Auer von Welsbach fast 30 Prozent der Aktien über die Börse kaufte und anschließend ins Gefängnis kam. Der Kurs brach ein, eine Zwangsauktion drohte. Schütz nutzte seine Position als Vorstand, um unerwünschte Interessenten aus Russland und anderen dubiosen Quellen abzulehnen. Die einzige zugelassene Due Diligence erhielt die Talanx-Gruppe, die drittgrößte deutsche Versicherung, die schließlich günstig einstieg und langjähriger Partner wurde.
Der chinesische Milliardendeal und sein Ende
Die spektakulärste Episode begann mit einem gescheiterten Merger. Acht Monate verhandelte Schütz mit Foreign & Colonial, der ältesten Fondsgesellschaft der Welt, über einen Aktientausch. Videos für die tausend Mitarbeiter waren bereits aufgezeichnet, als das Telefon klingelte: Das Board hatte abgelehnt. Der Verhandlungspartner Cristobal Mendes de Vigo wartete sechs Stunden beim Wiener Notar, bevor er zurückgepfiffen wurde.
Aus der Niederlage entstand eine Freundschaft. Mendes de Vigo kam in den C-Quadrat-Vorstand und vermittelte den Kontakt zur chinesischen HNA-Gruppe. Als Schütz skeptisch blieb, forderte er: Der CEO von 700.000 Mitarbeitern solle persönlich nach Wien kommen. Er kam, und HNA kaufte 75 Prozent von C-Quadrat.
Die HNA-Gruppe investierte auch drei Milliarden Dollar in die Deutsche Bank und machte Schütz zum unabhängigen Aufsichtsrat. Doch der Konzern hatte über 100 Milliarden Dollar Kredite aufgenommen für Akquisitionen wie Hilton, Gate Group und Swissport. Als die Zinsen stiegen, war HNA insolvent. Schütz flog nach Peking und kaufte die C-Quadrat-Anteile zum letzten Mal zurück.
Aktuelle Investments und Geschäftsfelder
Heute konzentriert sich C-Quadrat auf Nischenprodukte und Alternative Investments. Dazu gehören quantitative Modelle mit Leo Wildert seit 23 Jahren, der Mezzanin-Bereich mit Franz Hörhager und der Austrian Capital Growth Fund mit 150 Millionen Euro als größter österreichischer Private-Equity-Fonds. Im Pensionsfondsmanagement verwaltet das Unternehmen 50 Prozent des armenischen staatlichen Pensionsfonds und betreibt ein Joint Venture mit der VIG-Gruppe in Polen.
Schütz' persönliche Investments sind breit gestreut. Mit Sebastian Kurz betreibt er eine Investmentfirma für kleinere Beteiligungen. Mit Helmut Essl baute er ein Probiotik-Unternehmen auf, das an den Weltmarktführer Christian Hansen verkauft wurde – zu einer Bewertung von 17-mal Umsatz. An der Wiener Börse hält er Anteile an der Addiko Bank, die er mit 0,4-mal Buchwert im Vergleich zu 1,6 in der Region als attraktiv bewertet sieht (Stand Sommer 2025)..
Ein besonderes Engagement gilt der deutschen Cyan Security, die Mobiltelefone gegen Hacking und Identitätsdiebstahl schützt. „Ich habe 15 Kapitalerhöhungen gezeichnet, bis die Firma wirklich endlich angesprungen ist", räumt Schütz ein. Der Kurs fiel von 40 auf einen Euro, steht jetzt bei etwas über 2 Euro. Das Unternehmen verzeichnet 90 Prozent Kundenzuwachs über die letzten zwölf Monate und arbeitet mit Telekommunikationsanbietern wie Deutsche Telekom und Orange.
Persönliche Philosophie und Erfolgsprinzipien
Neben seinen geschäftlichen Aktivitäten engagiert sich Schütz für verschiedene wohltätige Projekte: Waisenhäuser von Kathmandu bis Namibia, Unterstützung für den Stephansdom und Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und der Weltenergiebehörde.
Auf die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis antwortet Schütz pragmatisch: „Mein Sport ist viel Arbeit." Er verzichtet auf Aufzüge, geht Treppen, steigt eine U-Bahn-Station früher aus und achtet auf seine Schritte. Viermal pro Woche trainiert er in seinem Heim-Gym.
Sein Rat an junge Menschen ist einfach: „Sie müssen das machen, was ihnen Spaß macht. Das, was dir Spaß macht, machst du gut. Dann ist es nicht Arbeit, sondern Hobby." Für Schütz selbst war das der Verkauf von Fonds – eine Leidenschaft, die ihn durch 34 Jahre Unternehmertum, drei Verkäufe und vier Rückkäufe getragen hat.








