Nach einem Jahr mit kräftigem Kursverfall zeigt die Fiserv-Aktie erste Anzeichen einer Beruhigung. Der Titel legte am Mittwoch um rund 1,1 % auf 67,50 US‑Dollar zu. Hintergrund sind auffällige Insiderkäufe, anhaltend hohes institutionelles Engagement und ein tiefgreifender Strategiewechsel nach enttäuschenden Zahlen.

Deutlicher Wertverlust, günstige Kennzahlen

Innerhalb von zwölf Monaten hat die Aktie rund 67 % an Wert verloren. Vom 52‑Wochen-Hoch bei 238,59 US‑Dollar ist der Kurs aktuell etwa 71 % entfernt – eine der stärksten Korrekturen in der Unternehmensgeschichte.

Wichtige Kennziffern im Überblick:

  • Marktkapitalisierung: 36,69 Mrd. US‑Dollar
  • KGV: 10,43
  • 52‑Wochen-Spanne: 59,56 – 238,59 US‑Dollar
  • 50‑Tage-Linie: 65,47 US‑Dollar
  • 200‑Tage-Linie: 110,92 US‑Dollar
  • Cashflow-Rendite: 12,5 %

Die niedrige Bewertung spiegelt die gesenkten Erwartungen ebenso wider wie die hohe Unsicherheit über den künftigen Wachstumspfad.

Strategiewechsel und schwaches Quartal

Auslöser des Kurssturzes ist ein Strategiewechsel unter dem neuen CEO. Dieser kam nach einer umfassenden Überprüfung zu dem Schluss, dass die bisherigen mittelfristigen Ziele für Umsatzwachstum und Margen nicht erreichbar waren.

Das Management hat die Messlatte deutlich tiefer gehängt und rechnet nun mit:

  • organischem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich
  • zweistelligem Ergebniswachstum je Aktie (EPS) auf bereinigter Basis

Die Zahlen zum dritten Quartal 2025 verfehlten die Erwartungen klar. Fiserv meldete:

  • Bereinigtes EPS: 2,04 US‑Dollar (Konsens: 2,64 US‑Dollar; Verfehlung um 0,60 US‑Dollar)
  • GAAP-Umsatz: +1 % auf 5,26 Mrd. US‑Dollar
  • Bereinigter Umsatz: 4,92 Mrd. US‑Dollar
  • Bereinigtes EPS: –11 % gegenüber Vorjahr
  • GAAP-EPS: +49 % auf 1,46 US‑Dollar (begünstigt durch einen Impairment-Effekt im Vorjahr)

Für das Gesamtjahr 2025 gibt das Unternehmen eine Spanne von 8,50 bis 8,60 US‑Dollar beim bereinigten EPS aus.

Deutliche Insiderkäufe

Auffällig ist der starke Insider-Zukauf in den vergangenen Wochen. Führungskräfte erwarben in den letzten 90 Tagen insgesamt rund 34.900 Aktien im Volumen von etwa 2,21 Mio. US‑Dollar.

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  • CFO Paul M. Todd kaufte 17.000 Aktien zu 62,41 US‑Dollar je Stück und erhöhte seine Position damit um 228 %.
  • Insider Adam L. Rosman erwarb 7.900 Aktien zu 63,19 US‑Dollar und stockte seinen Bestand um knapp 15 % auf.

Parallel dazu wurde ein Kauf eines US-Kongressabgeordneten gemeldet: Gilbert Ray Cisneros Jr. erwarb am 19. Dezember Fiserv-Aktien im Wert zwischen 1.001 und 15.000 US‑Dollar.

Institutionelle Investoren bleiben engagiert

Trotz der starken Kursverluste halten institutionelle Anleger große Pakete:

  • Norges Bank: Neue Position im Wert von 1,25 Mrd. US‑Dollar
  • Capital World Investors: Aufstockung um 35,2 % auf 25,78 Mio. Aktien
  • Barclays PLC: Erhöhung des Bestands um 116 % auf 3,53 Mio. Aktien
  • Institutioneller Anteil: 90,98 % der ausstehenden Aktien

Die Daten deuten auf eine weiterhin breite Verankerung im institutionellen Anlegerkreis hin.

Analysten werden vorsichtiger

Nach dem schwachen Quartal hat sich die Stimmung an der Wall Street spürbar eingetrübt. Aktuell empfehlen:

  • 10 Analysten die Aktie zum Kauf
  • 24 stufen sie auf Halten ein
  • 3 sprechen eine Verkaufsempfehlung aus

Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 114,42 US‑Dollar und damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

Zu den jüngsten Anpassungen zählen:

  • Tigress Financial: Einstufung „Buy“, Kursziel von 250 auf 95 US‑Dollar gesenkt
  • Truist Financial: Herabstufung auf „Hold“, Ziel von 143 auf 75 US‑Dollar reduziert
  • TD Cowen: Downgrade auf „Hold“ mit Kursziel 80 US‑Dollar
  • Morgan Stanley: Herabstufung auf „Equal Weight“ mit Ziel 81 US‑Dollar

Die teils kräftigen Zielkürzungen spiegeln die gesenkten Wachstumserwartungen wider, lassen aber zugleich Aufwärtspotenzial vom aktuellen Kurs aus erkennen.

Technisches Bild und Fundamentaldaten

Aus technischer Sicht bleibt die Aktie angeschlagen. Der Kurs notiert klar unter der 50‑Tage- und der 200‑Tage-Linie, der Abstand zur 200‑Tage-Linie bei 110,92 US‑Dollar verdeutlicht die Länge und Tiefe des Abwärtstrends. Das Handelsvolumen lag am Mittwoch mit 16,4 Mio. Aktien deutlich über dem Durchschnitt von 9,9 Mio. Stücken.

Auf der Bilanzseite zeigt sich die Lage stabiler:

  • Verschuldungsgrad (Debt-to-Equity): 1,15
  • Current Ratio: 1,08
  • Eigenkapitalrendite (ROE): 19,47 %
  • Nettomarge: 17,05 %

Damit erzielt Fiserv trotz der Wachstumsdelle weiterhin solide Profitabilitätskennzahlen. Wie nachhaltig die jüngliche Kurserholung ist, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen und der weiteren Umsetzung des Strategiewechsels zeigen.

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