Die Evonik-Aktionäre müssen sich warm anziehen. Der Spezialchemiekonzern aus Essen kürzt die Dividende für 2025 von 1,17 auf 1,00 Euro je Aktie – und das ist erst der Anfang. Für 2026 hat Asienchef Claus Rettig, der seit September das Finanzressort führt, bereits eine weitere Senkung angekündigt. "Der 1 Euro, das kann man heute sagen, den würde ich nicht sehen im nächsten Jahr", stellte Rettig in einer virtuellen Pressekonferenz am Donnerstag klar.

Die neue Dividendenpolitik bricht mit einer jahrelangen Tradition stabiler Ausschüttungen. Ab dem laufenden Geschäftsjahr 2026 sollen nur noch 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses an die Aktionäre fließen. Hätte man diese Regel bereits für 2025 angewandt, wären lediglich 54 bis 82 Cent je Aktie herausgesprungen – deutlich unter der jetzt anvisierten 1-Euro-Marke.

Flexibilität statt Verlässlichkeit

Konzernchef Christian Kullmann begründet den Kurswechsel mit der Notwendigkeit von "mehr finanzieller Flexibilität". Das Unternehmen will verstärkt in Asien investieren und gleichzeitig die Verschuldung abbauen. Die dynamische Ausschüttungsregelung soll Evonik mehr Spielraum verschaffen – auf Kosten der Planbarkeit für Aktionäre.

Besonders schmerzhaft trifft die Kürzung die RAG-Stiftung, die rund 45 Prozent der Evonik-Aktien hält. Die Stiftung finanziert aus ihren Dividendenerträgen die Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohlebergbaus und ist auf regelmäßige Mittelzuflüsse angewiesen. Trotz dieser Rücksichtnahme hatte Evonik jahrelang stabile Ausschüttungen gezahlt – bis jetzt.

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Düstere Geschäftslage belastet

Die Zahlen für 2025 zeigen, warum Evonik den Rotstift ansetzt. Der Umsatz brach um sieben Prozent auf 14,1 Milliarden Euro ein. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) fiel um neun Prozent auf 1,87 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn sackte sogar um ein Fünftel auf 634 Millionen Euro ab.

Für 2026 peilt Kullmann ein EBITDA zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro an – bestenfalls auf Vorjahresniveau. "Schon ganz ambitioniert" nennt der Konzernchef dieses Ziel angesichts der Weltlage. Eine Besserung der Branchensituation sei nicht in Sicht. Schwache Konjunktur, zunehmende Konkurrenz aus China und hohe Energiepreise in Deutschland setzen dem Chemiekonzern weiter zu.

Die Aktie reagierte am Donnerstag dennoch mit einem Plus von gut zwei Prozent. Bereits am Vortag hatte das MDAX-Papier kräftig zugelegt, nachdem das "Handelsblatt" über mögliche Entlastungen bei CO2-Zertifikaten berichtete. Doch selbst diese Hoffnung ändert nichts an der harten Realität: Die Dividende wird weiter sinken, und ein Ende der Talfahrt ist nicht absehbar.

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