Die Erste Group liefert Rekordgewinn – und kürzt gleichzeitig die Dividende auf ein Fünftel des Vorjahreswerts. Hinter diesem scheinbaren Widerspruch steckt eine klare strategische Entscheidung: Die Bank finanziert ihre bisher größte Übernahme vollständig aus eigener Kraft, ohne Fremdkapital, ohne Kapitalerhöhung.

Ob sich das auszahlt, wird der Quartalsbericht Ende April zeigen.

Rekordergebnis 2025 – und trotzdem Verzicht

Das Geschäftsjahr 2025 verlief operativ stark. Der Nettogewinn stieg auf 3,5 Milliarden Euro, nach 3,1 Milliarden im Vorjahr. Das Kreditvolumen wuchs konzernweit um 6,4 Prozent auf 232 Milliarden Euro, in den Märkten außerhalb Österreichs sogar um 10,5 Prozent. Der Zinsüberschuss erreichte 7,8 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss legte um 8,6 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zu. Die Eigenkapitalrendite (RoTE) kam auf 16,6 Prozent.

Die harte Kernkapitalquote (CET1) kletterte auf 19,3 Prozent – eine Pufferzone, die erst den Spielraum für die Expansion schuf.

Doch genau diese Gewinne werden nun einbehalten. Der Vorstand schlägt der Hauptversammlung am 17. April eine Dividende von lediglich 0,75 Euro je Aktie vor. 2024 waren es noch 3,00 Euro. Die Ausschüttungsquote sinkt damit von rund 50 bis 55 Prozent auf rund 10 Prozent. Auszahlung ist am 24. April 2026.

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Polens größter Privatbank-Deal seit Jahren

Der Grund für den Dividendenverzicht ist ein 7-Milliarden-Euro-Deal: Die Erste Group erwarb zum 9. Januar 2026 einen 49-Prozent-Anteil an der Santander Bank Polska sowie 50 Prozent am Vermögensverwalter Santander TFI – vollständig aus Eigenmitteln. Es ist eine der größten grenzüberschreitenden Banktransaktionen Europas der vergangenen Jahre.

Die Integration läuft bereits. Im zweiten Quartal 2026 beginnt das Rebranding von rund 485 Filialen und 1.400 Geldautomaten zur „Erste Bank Polska". Die IT-Integration soll innerhalb von 24 Monaten abgeschlossen sein. Für die Erstkonsolidierung plant die Bank eine einmalige Kreditrisikovorsorge von 300 Millionen Euro brutto ein, mit einem Nettoeffekt von rund 120 Millionen Euro.

Die Kehrseite der Akquisition zeigt sich in der Kapitalquote: Die Erstkonsolidierung dürfte die CET1-Quote um rund 460 Basispunkte drücken. Die Bank erwartet allerdings, dass die Quote durch die prognostizierte Gewinnentwicklung 2026 wieder ansteigt.

Ambitionierte Ziele für 2026

Für das laufende Jahr hat sich die Erste Group viel vorgenommen. Das RoTE-Ziel liegt bei rund 19 Prozent, der bereinigte Nettogewinn soll die Marke von 4 Milliarden Euro überschreiten – ein Anstieg des Gewinns je Aktie von mehr als 20 Prozent. Geplant sind ein Zinsüberschuss von über 11 Milliarden Euro sowie Provisionseinnahmen von rund 4 Milliarden Euro.

Gleichzeitig steigen die Kosten spürbar: Bankenabgaben und regulatorische Belastungen sollen bei rund 450 Millionen Euro liegen, Integrationskosten in Polen schlagen mit rund 180 Millionen Euro zu Buche, dazu kommen jährliche Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte von etwa 70 Millionen Euro nach Steuern.

Am Markt kommt die Strategie bislang verhalten an. Mit rund 96,55 Euro liegt die Aktie seit Jahresbeginn etwa 7 Prozent im Minus und notiert rund 8 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der entscheidende Datenpunkt folgt am 30. April mit dem Quartalsbericht – erstmals inklusive der Erstkonsolidierung der Erste Bank Polska. Dann zeigt sich in konkreten Zahlen, wie schnell Polen Ergebnis und Kapitalquote tatsächlich mitprägt und wann die Bank wieder Spielraum für höhere Ausschüttungen gewinnt.

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