Erste Bank auf Rekordkurs: Einblicke vom Privatkundenvorstand in die Erfolgsstrategie
In der aktuellen Episode von „Börsepeople im Podcast S23/06" auf audio-cd.at gewährt Maximilian Clary und Aldringen, Privatkundenvorstand und COO der Erste Bank Österreich, tiefe Einblicke in seine Karriere und die strategische Ausrichtung einer der erfolgreichsten Banken Europas. Der Podcast mit Host Christian Drastil zeichnet den Weg eines Managers nach, der beide großen österreichischen Bankengruppen von innen kennt.
Vom Trainee zum Vorstand: Eine Karriere durch zwei Bankenwelten
Die berufliche Laufbahn von Maximilian Clary und Aldringen begann nach einem internationalen Wirtschaftsstudium an der ESCP European School of Management mit Stationen in Paris, Oxford und Berlin. Nach Praktika sowohl in Banken als auch in der Industrie fiel die Entscheidung bewusst für den Bankensektor: „Ich habe relativ schnell gesehen, dass Banken eigentlich im Zentrum der Wirtschaft stehen, die verschiedene Wirtschaftszweige miteinander verbinden."
Der Einstieg erfolgte 2006 bei der Raiffeisen Zentralbank über ein Corporate-Trainee-Programm. In der Akquisitions- und Projektfinanzierung betreute er große russische und ukrainische Stahl- und Aluminiumhersteller. Die Zeit vor der Finanzkrise beschreibt er als Phase enormen Wachstums, in der er früh selbstständig Deals verhandeln durfte – oft mit Managing Directors internationaler Investmentbanken auf der Gegenseite.
Die Lehman-Pleite 2008 erlebte er hautnah, während sein gesamtes direktes Management in Kasachstan unterwegs und schwer erreichbar war. Es folgte eine Zeit als Vorstandsassistent von Herbert Stepic, in der die Bank aus einer existenziellen Krise heraus neu aufgebaut werden musste.
Der Wechsel zur Erste Group und die Rumänien-Story
2013 wurde Clary und Aldringen von Andreas Treichl zur Erste Group abgeworben. „Das sind die wahrscheinlich entscheidendsten Banker in Österreich über die letzten Jahre gewesen", ordnet er seine Erfahrung ein, für beide Führungspersönlichkeiten direkt gearbeitet zu haben.
Die BCR in Rumänien, 2006 zu fünfmal Buch gekauft, durchlief nach Milliardenabschreibungen 2014 eine bemerkenswerte Transformation. Heute präsentiert sich die Bank als moderne Institution mit digitalem Geschäftsmodell und Wachstum auf allen Ebenen. Auch die politischen Risiken, die zeitweise durch bankenfeindliche legislative Initiativen bestanden, haben sich gelegt.
Nach zehn Monaten in Rumänien übernahm Clary und Aldringen 2015 den Strategiebereich der Erste Group. In dieser Zeit ohne nennenswerte M&A-Aktivitäten lag der Fokus auf Konsolidierung, der Bewältigung massiv gestiegener regulatorischer Anforderungen und der Verbesserung des Kerngeschäfts. Die Entwicklung der Marke „Glaub an dich" und das Statement of Purpose unter Andreas Treichl prägten diese Phase.
Privatkundengeschäft und digitale Transformation
Seit Juli 2024 verantwortet Clary und Aldringen als Vorstand das gesamte Privatkundengeschäft der Erste Bank Österreich – von den Filialen über das Private Banking bis zu Kleinstunternehmen mit unter fünf Millionen Euro Umsatz. Als COO ist er zusätzlich für Operations und IT zuständig.
Das Private Banking der Erste Bank ist das größte in Österreich, kämpft aber mit einem Bekanntheitsthema: „Was für uns im Wettbewerb teilweise schwieriger war, ist, dass wir als Erste Private Banking keine dezidierte Private Banking Marke haben und deshalb nicht immer top of mind sind, wenn Menschen zu Vermögen kommen." Die Wachstumsraten im Wealth Management seien dennoch massiv.
Die digitale Plattform George steht im Zentrum der Strategie. Im vergangenen Jahr wurde massiv in George Invest investiert, um das Trading-Erlebnis für Selbstentscheider zu verbessern. Weitere Verbesserungen auf der Angebotsseite sind für dieses Jahr angekündigt. Das Generationen-Depot, ein Alleinstellungsmerkmal am Markt, ermöglicht Eltern und Großeltern, für Kinder zu veranlagen, ohne auf mündelsichere – und damit renditearme – Produkte beschränkt zu sein.
Künstliche Intelligenz und neue Produkte
KI-Lösungen sollen noch in diesem Jahr in George integriert werden, wobei der Fokus zunächst auf Serviceverbesserungen liegt. Als Beispiel nennt Clary und Aldringen die Kreditkartensperre: Kunden könnten künftig einfach George fragen, der dann die entsprechende Funktion anbietet. Bei KI-Trading zeigt sich die Bank zurückhaltend, da entsprechende Ansätze bisher nicht erfolgreicher als traditionelle Fonds seien.
Ein aktueller Vertriebserfolg ist die neue Miles & More-Karte: Über 20.000 Karten wurden innerhalb von zwei Wochen im Sparkassensektor ausgegeben. Das Produkt dient auch als Türöffner für Neukunden, die bisher bei anderen Banken waren.
Polen-Akquisition als transformatorischer Schritt
Die Übernahme von 49 Prozent der Santander Polska, künftig Erste Bank Polen, erweitert die bankfähige Bevölkerung der Gruppe von 47 auf 77 Millionen Menschen. Mit sechs Millionen neuen Kunden und einem Gewinnbeitrag von 750 Millionen Euro für den erworbenen Anteil ist dies der nächste große Wachstumsschritt. Für das österreichische Corporate-Geschäft bedeutet die Akquisition, dass Kunden nun auch in den wichtigsten zentraleuropäischen Markt begleitet werden können.
Die Erste Group erreicht mit dieser Akquisition ein Return on Tangible Equity von knapp unter 20 Prozent. Die Aktie markierte zuletzt neue Allzeithochs und hat im europäischen Bankenvergleich Alpha generiert.
Krisenresilienz als Kernkompetenz
Die Corona-Pandemie 2020 demonstrierte die Krisenmanagement-Fähigkeiten der Bank. Durch die kurz zuvor erfolgte Einführung von MS Teams und die Ausstattung mit Laptops war die Organisation sofort arbeitsfähig aus dem Homeoffice. Die Entscheidungsfähigkeit in Krisensituationen hebt Clary und Aldringen als besondere Stärke hervor – im Gegensatz zum üblichen Entscheidungstempo in Großkonzernen.
Die komplexe Sparkassenstruktur in Österreich erfordert zwar Abstimmung mit vielen Beteiligten, bietet aber Skaleneffekte bei IT und Marketing für den gesamten österreichischen Markt. Die Governance zwischen Group und lokalen Einheiten funktioniert über sogenannte Boards, in denen sich die Fachvorstände regelmäßig austauschen.
Ausblick und persönliche Motivation
Was dem Privatkundenvorstand Kraft gibt, sind zwei Faktoren: der direkte Kontakt mit Menschen in den Filialen und die Möglichkeit, erkannte Probleme über den Apparat zu lösen. Dazu kommt die Beschäftigung mit Innovation und neuen Technologien. „Da kommt ein Tsunami an Veränderungen auf uns zu und da mitgestalten zu können, macht einfach einen Riesenspaß."
Die Erste Bank Open im Tennis, das größte jährliche Sportereignis in Österreich aus Sicht des leidenschaftlichen Tennisspielers, runden das Engagement ab – sowohl als Networking-Plattform für das Private Banking als auch als persönliches Highlight.
Die Erste Bank Österreich präsentiert sich damit als Teil einer Gruppe, die nach Jahren der Konsolidierung und des Markenaufbaus nun mit starker digitaler Infrastruktur, erweitertem geografischem Footprint und klarer Kundenorientierung in eine neue Wachstumsphase eintritt.








